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Nordstadt Spielplatz wird zum Treffpunkt der Drogenszene
Hannover Aus den Stadtteilen Nordstadt Spielplatz wird zum Treffpunkt der Drogenszene
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00:15 18.12.2016
Von Bärbel Hilbig
Endlich allein: Usch Wild spielt mit ihren Kindern Leonard und Paulina auf dem Spielplatz am Horst-Fitjer-Weg. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

„Seit dem Frühjahr ist die Situation massiv schlimmer geworden“, berichtet Usch Wild, die für eine Gruppe von Anliegern am Horst-Fitjer-Weg spricht. Die Nachbarn haben Junkies beobachtet, die sich zwischen den Müttern auf dem Spielplatz sitzend einen Schuss gesetzt haben. "Andere sind nicht vollständig angezogen und blutend aus dem Gebüsch gewankt und Kinder haben das gesehen“, berichtet die Anwohnerin weiter. Manche Kinder hätten auch schockiert reagiert, wenn Junkies oder Trinker gröhlten und sich aggressiv verhielten.

Die Dealer besetzen Bänke und Mäuerchen am Spielplatz, während sie auf Kundschaft warten. „Manchmal kommt es zu einer direkten Übergabe. Oder ein Verkäufer bekommt das Geld, und der andere gibt die Ware weiter.“ Große Sorge bereitet den Nachbarn auch, dass die Händler Drogenpäckchen nah an der Bodenoberfläche vergraben. „Kinder könnten das finden und es probieren“, befürchtet Usch Wild. Gebrauchte Spritzen liegen regelmäßig auf dem Gelände. „Es geht nicht nur um Joints“, betont die Anliegerin.

„Wir wollen, dass die Szene vom Spielplatz verschwindet“

Bereits seit Jahren nutzen Drogenhändler den Durchgang vom Engelbosteler Damm zur Heisenstraße und von dort weiter zur Kniestraße für ihre Geschäfte. „Die Dealer können in alle Richtungen abhauen, denn Poller vor den Durchgängen verhindern, dass die Polizei mit dem Wagen hinterherkommt.“ Das Treiben hat jetzt zwar durch die winterliche Kälte abgenommen, an eine dauerhafte Besserung glauben die Nachbarn allerdings nicht. „Wir wollen, dass die Szene vom Spielplatz verschwindet, weil Kinder gefährdet werden“, betont Usch Wild. Sie mutmaßt, dass die Schließung der Drogenhilfestation Fixpunkt an der Hamburger Allee mehr Junkies in die Nordstadt geführt hat. Der provisorische Ersatz wird nicht gut angenommen, der Neubau lässt auf sich warten.

Etwa ein Dutzend Familien mit Kindern wohnen in den Neubauten rund um den Spielplatz am Horst-Fitjer-Weg oder in direkter Nähe an der Heisenstraße. „Wir haben uns vor rund zwölf Jahren bewusst für die Nordstadt entschieden. Uns war klar, dass es bunt hier ist und man auch mal Drogenabhängigen begegnet.“ Dass der Spielplatz offen und einladend gestaltet ist, erweist sich nun als Problem. Das kleine Gelände wirkt auf viele Menschen wie ein öffentlicher Park, wo sie ihre Hunde laufen lassen. Für Spielplätze gelten aber strenge Regeln: Erwachsene ohne Kinder dürfen sich dort nicht aufhalten.

Väter aus der Nachbarschaft sprechen mit Hinweis auf die Spielplatzordnung Dealer, Trinker und Drogensüchtige an und versuchen, sie wegzuschicken. „Bei den Jugendgangs, die Alkohol trinken, klappt das. Manche Junkies sind auch weggeblieben, nachdem ich mit ihnen gesprochen habe“, erzählt ein Anwohner.

An den Drogenkurieren prallt die Eigeninitiative jedoch ab. Die Nachbarn haben sich deshalb an Verwaltung und Polizei gewandt. Als Erstes hat die Stadt die Büsche zurückschneiden lassen, um die Sicht zu verbessern. Die Polizei hat mit Fußstreifen Präsenz gezeigt. Weitere Schritte sollen in Abstimmung zwischen Stadt, Polizei und Anwohnern festgelegt werden. Die Nachbarn wünschen sich einen Zaun um den Spielplatz: als sichtbare Grenze, die Einhalt gebietet.

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