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Nordstadt Initiative bringt Flüchtlinge und Handwerk zusammen
Hannover Aus den Stadtteilen Nordstadt Initiative bringt Flüchtlinge und Handwerk zusammen
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08:20 16.12.2016
Iyabo Kaczmarek (r.) im Gespräch mit den Teilnehmern des Holz-Praktikums. Quelle: Mario Moers
Hannover

Die Unterstützer-Initiative „Unter einem Dach“ hilft Flüchtlingen dabei, sich gezielt auf eine Ausbildung im Handwerk vorzubereiten. Bei einem dreimonatigen Holz-Praktikum im angesagten Kreativ-Zentrum „Hafven“ lernen die Teilnehmer nicht bloß die Techniken, sondern auch die Qualitätsstandards des deutschen Holzhandwerks kennen.

Praktikum dreimal pro Woche

Wie sieht es aus, wenn ein marokkanischer Zerspanungsmechaniker, ein Gas-Wasser-Installateur aus Syrien und ein Busfahrer aus Mogadischu einen Holzbock bauen? „In Deutschland würde ein Handwerker einen Bock bauen, hier arbeiten oft drei Leute gleichzeitig an einem Arbeitsschritt“, beschreibt Frank Förster mit einem Lächeln die Herangehensweise seiner Praktikanten in der ersten gemeinsamen Werkstunde. „Es wird zwar gesägt, aber das ist weit weg vom deutschen Verständnis für Präzision“, sagt Förster, selbst gelernter Tischler und Produktdesigner. Gemeinsam mit drei Kollegen leitet er den Holzworkshop für ein halbes Dutzend Geflüchteter. Das Besondere an dem Angebot: Die Inhalte des Workshops sind eng mit den Bedürfnissen der Handwerkskammer abgestimmt. „Wir waren bei der Handwerkskammer und haben gefragt: Was braucht ihr?“, erklärt Förster das Konzept. Ziel des dreimal die Woche stattfindenden Praktikums ist, die Teilnehmer für anschließende Förderprojekte der Kammer und letzten Endes eine Ausbildung zu sensibilisieren. „Das Handwerk hat eine ganze Reihe von Angeboten für Flüchtlinge, aber ihnen fehlt der Zugang zu den Unterkünften und geeigneten Leuten“, schildert Förster eine Schwachstelle des derzeitigen Fördersystems.

„Froh über jede Abwechslung“

„Es macht mir Spaß. Ich will hier leben und arbeiten“, beschreibt der 28-jährige Taufik seine Motivation, an dem Holzworkshop teilzunehmen. Seit etwa zwei Jahren lebt der gelernte Metallarbeiter in Hannover, zuerst im ehemaligen Oststadtkrankenhaus und nun im alten Maritim-Hotel. Taufik hat bereits Arbeit gefunden. „Nachts arbeite ich bei UPS in der Nachtschicht, und tagsüber komme ich hierher“, erzählt er. Dabei ist der junge Mann nicht bloß motiviert, einen möglichst präzise gezimmerten Holzbock zu bauen, sondern auch froh über jede Abwechslung vom tristen Alltag in der Unterkunft. „Ich fühle mich hier immer noch verloren“, erzählt er nachdenklich.

Der Weg aus der Flüchtlingsunterkunft in den Niedriglohnsektor stellt aus Sicht der „Unter einem Dach“-Erfinderin Iyabo Kaczmarek eine „Vollkatastrophe“ für den gesamten Integrationsprozess dar. „Dem Handwerk fehlen die Leute. Und für die Flüchtlinge wird die gelungene Integration in den Beruf am Ende vor allem über eine Ausbildung gehen“, ist sich Kaczmarek sicher. Die Kulturschaffende entwickelte zu Beginn des Jahres das Konzept zur Initiative „Unter einem Dach“. Gemeinsam mit der Ko-Leiterin Alexandra Faruga organisierte sie eine Nähstube und eine Holzwerkstatt in den Unterkünften. Die Praktika im „Hafven“ sind der nächste Schritt von der Willkommenskultur zu einer gezielten Berufsförderung. „Unser Ziel ist es, den Geflüchteten eine Perspektive zu vermitteln“, erklärt Kaczmarek. Am Ende des ersten Arbeitstags haben die Lehrlinge in spe einen ansehnlichen Bock gezimmert. Hier und da könnte das Spaltmaß präziser sein, daran wird man in den drei Monaten noch feilen. „Wenn ein Flüchtling irgendwann den Gesellenbrief entgegennimmt, dann ist das für mich Integration pur“, findet Frank Förster.

Von Mario Moers

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