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Ost AWO schließt Pflegeheim
Hannover Aus den Stadtteilen Ost AWO schließt Pflegeheim
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14:34 07.02.2012
Von Veronika Thomas
Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) verkauft ihr Haus in Kirchrode. Quelle: dpa
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Kirchrode

Käufer ist die Gundlach-Gruppe, die auf dem Grundstück Wohnungen errichten will. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart.Das bedeutet für die zurzeit 92 Bewohner, dass für sie neue Pflegeheimplätze gefunden werden müssen. Am Mittwochabend informierte die Geschäftsführerin der AWO Wohnen und Pflegen gGmbH, Angela Willamowius, rund 70 Angehörige über die Schließungspläne.

 „Wir hätten das Haus gern weitergeführt, aber aufgrund der baulichen Situation lässt es sich langfristig nicht mehr rentabel betreiben“, bedauerte Willamowius. Sie sicherte den Angehörigen alle Hilfen zu, um den Bewohnern einen möglichst schonenden Umzug zu ermöglichen. Sie können in andere AWO-Häuser wechseln; eine eigens für die Abwicklung bestellte Umzugshelferin unterstützt auch bei der Vermittlung in andere Einrichtungen. Die Umzugskosten trägt die AWO. Viele Angehörige reagierten enttäuscht über die Schließungspläne: „Durch den Verkauf des attraktiven Grundstücks sanieren Sie Ihren Haushalt und die Bewohner stehen auf der Straße“, sagte eine Bewohnerin unter Applaus.

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Willamowius berichtete in aller Offenheit, dass die AWO ihre sechs Seniorenzentren in Stadt und Region seit 2008 auf ihre „Zukunftsfähigkeit“ hin untersucht habe. Am Standort Kirchrode sei die Belegungsquote in den vergangenen Jahren von 98 Prozent auf nunmehr 90 Prozent gesunken. Besonders die kleinen Zimmer ohne eigenes Bad seien nicht mehr zeitgemäß. „Glauben Sie mir, wir haben hier mit mehreren Architekten Gespräche geführt, um Zimmer zusammenzulegen und mit Bädern auszustatten“, beschrieb die Geschäftsführerin. Mit der reduzierten Zimmerzahl hätte das Haus aber nicht wirtschaftlich weiterbetrieben werden können. Nach diversen Prüfungsrunden sei nur ein Abriss und Neubau des Zentrums infrage gekommen. Weil es in Kirchrode bereits ausreichend Pflegeplätze gebe, konnte dafür kein Investor gefunden werden. Nach Angaben von Willamowius gibt es stadtweit einen Überhang von rund 1000 Pflegeplätzen.

Bereits am Montag waren die die Heimaufsicht und Mitarbeiter über die Schließung informiert worden, denen Arbeitsplätze im Unternehmen angeboten werden sollen. Die Heimbewohner wurden am Mittwochnachmittag informiert. „Ich glaube nicht, dass es vielen Bewohnern etwas ausgemacht hat, sich mit anderen ein Bad zu teilen“, sagte ein Angehöriger, dessen Mutter erst am 8. Dezember eingezogen war. „Was hier besonders zählt, sind die guten Gemeinschaftseinrichtungen und die liebevolle Betreuung.“

Nach Angaben von Wolfgang Strotmann, Leiter des Kommunalen Seniorenservice Hannover, gibt es in Hannover mehr als 7600 Pflegeplätze – ohne die Plätze in den Wohnstiften. Er bestätigt den hohen Leerstand. „Wenn ein Heim eine Belegungsquote von 94 Prozent hat, dann ist es gut.“ In den vergangenen zehn Jahren seien 1000 Plätze neu gebaut worden, in diesem Jahr sollen 400 weitere dazukommen.

Christian Link 02.02.2012
Felix Klabe 02.02.2012