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Ost Diese Bothfelderin hat das türkische „The Voice“ gerockt
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Diese Bothfelderin hat das türkische „The Voice“ gerockt
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15:48 27.03.2019
Will westliche Musik und türkischen Gesang verbinden: Sängerin Bahar Arac aus Bothfeld.
Will westliche Musik und türkischen Gesang verbinden: Sängerin Bahar Arac aus Bothfeld. Quelle: Foto: Johanna Stein
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Bothfeld

Bahar Arac kann sich nicht entscheiden. Und sie will es auch nicht. Weder für ein Zuhause – schon als Kind pendelte sie regelmäßig zwischen Hainholz und der Türkei hin und her – noch für einen Musikstil. Denn die Sängerin, die mittlerweile mit ihrer zehnjährigen Tochter in Bothfeld lebt, hat große Pläne: „Ich möchte traditionelle, türkische Musik mit Blues und Rock mixen – und damit einen ganz neuen Stil kreieren“, sagt die 34-Jährige.

Mit Michael Jackson fing es an

Zunächst aber noch mit ganz klassischen Rocknummern wie Led Zeppelins „Whole Lotta Love“ trat sie vor Kurzem bei der türkischen Version von „The Voice“ auf und schaffte es bis ins Halbfinale. „Ich konnte es selber manchmal nicht ganz glauben“, sagt sie. Runde um Runde kam sie weiter bei „O Ses Türkiye“, und das trotz Kehlkopfentzündung. „Vor jedem Auftritt haben sie mir Spritzen gegeben“, erzählt Arac. Kurz vorm Finale war Ende Januar dann Schluss, enttäuscht ist sie darüber noch immer. „Aber es ging mir nicht um das Geld, ich wollte Kontakte zu türkischen Musikern aufbauen“, sagt sie.

Musik, Tanz und Malerei

Angefangen hat alles mit einer Michael-Jackson-CD: Als Arac sechs Jahre alt war, schenkte ihr Vater ihr das „Dangerous“-Album. „Das habe ich von vorne bis hinten auswendig gelernt und dazu mit meiner Schwester vor dem Spiegel getanzt“, sagt sie. Nach und nach kam das Interesse an Rock, Hip-Hop, Blues und Soul, kurz: an Black Music. „Irgendwann habe ich mal im Radio Erykah Badu gehört – die kam dann in den nächsten Pott der Idole“, sagt Arac.

Sie sei ein verschlossenes Mädchen gewesen, erzählt Arac, auch durch traumatische Erlebnisse in der Kindheit, die sie nicht genauer beschreiben möchte. „Das einzige, was mich in Kontakt zu Menschen und auch zu mir selbst gebracht hat, war Musik und Tanz und Malerei“, sagt sie. Und das gehört für sie alles zusammen: „Sobald ich singe, habe ich ein Bild in meinem Kopf und male es. Sobald ich male, habe ich eine Melodie in meinem Kopf. Und getanzt habe ich sowieso immer.“ Ihre bunten Bilder hängen an den Wänden in ihrem kleinen Haus in Bothfeld. Dort lebt sie mit ihrer Tochter, die sie alleine großzieht. Und dort probt sie auch Coversongs und eigene Lieder mit dem Gitarristen Jürgen Wulfes und dessen Band Cholane.

Doch so sehr Arac auch Soul, Rock und sogar Heavy Metal liebt – Gänsehaut bekommt die Musikerin immer dann, wenn sie türkische Volksmusik hört. „Die türkische Sprache ist so reich an Worten, die Gefühle beschreiben“, schwärmt sie. Deswegen will sie die nächsten Songs auch auf Türkisch schreiben. So kann sie ihre zwei Heimaten verbinden – und muss sich gar nicht entscheiden.

Von Johanna Stein

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