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Ost Polizei stellt Kriminalstatistik für Bothfeld-Vahrenheide vor
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Polizei stellt Kriminalstatistik für Bothfeld-Vahrenheide vor
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13:09 25.04.2019
An der Haltestelle Alte Heide will die Polizei mehr Präsenz zeigen. Quelle: Foto: Clemens Heidrich
Bothfeld-Vahrenheide

Eines war Savas Gel, Leiter des Dezernats für Kriminalitätsbekämpfung und Prävention der Polizeidirektion Hannover, bei der Verkündung der Kriminalstatistik ganz wichtig. „Man muss die Zahlen immer in Relation zu Einwohnerzahl und Struktur sehen“, sagte er mit Nachdruck. In der jüngsten Sitzung des Stadtbezirkes Bothfeld-Vahrenheide stellte Gel bei der Anhörung zur Kriminalstatistik 2018 die Zahlen des Stadtbezirks vor und beantwortete zusammen mit Tanja Wulff-Bruhn, Leiterin des Polizeikommissariats Lahe, Fragen von Bezirksratspoltikern.

Insgesamt sei die Zahl der Straftaten im Stadtbezirk Bothfeld-Vahrenheide im vergangenen Jahr im Vergleich zum Jahr 2017 von 4096 auf 3915 zurückgegangen. Die Aufklärungsquote betrug 53,1 Prozent, das entspricht im Vergleich zu 2017 einem Anstieg von 1,05 Prozent. Dabei gab es die wenigsten Straftaten 2018 mit 114 in Isernhagen-Süd und die meisten – nicht im Sahlkamp oder Vahrenheide – sondern in Bothfeld mit 1.133 Fällen. Das erkläre sich auch aufgrund der Einwohnerzahlen: Bothfeld habe mit 20.579 (Stand 2016) die meisten im Stadtbezirk, so Gel. Er wolle mit der Veröffentlichung und Verordnung der Zahlen im Stadtbezirksrat einfache Rückschlüsse vermeiden. „Wir wollen nicht, dass irgendein Stadtteil stigmatisiert wird“, erklärt der Leiter des Dezernats für Kriminalitätsbekämpfung und Prävention.

Der niedrigste Wert seit fünf Jahren wurde bei Diebstählen gemessen: Insgesamt 1.590 Diebstähle wurden im Stadtbezirk Bothfeld-Vahrenheide im Jahr 2018 begangen, 93 weniger als im Vorjahr. Auch die Wohnungseinbrüche sanken um 70 Fälle, auf 129 Taten. Die Kriminalität durch Flüchtlinge sei bei Diebstählen rückläufig, insgesamt seien es laut Gel aber steigende Fallzahlen im Stadtbezirk, vor allem Sexual- und Drogendelikte. Die Zahl der Raubdelikte habe im Jahr 2018 um 22 Taten zugenommen, die Zahl stieg von 21 auf 43 Taten. Insbesondere im Sahlkamp ist die Anzahl von sieben auf 22 Straftaten gestiegen – mit ihr aber auch die Aufklärungsquote um elf Prozent, auf 68,18 Prozent. „17 Jugendliche konnten zu 13 Raubtaten identifiziert werden“, berichtete der Experte. Die Anzahl der Körperverletzungsdelikte blieb mit 414 Vorfällen zu 412 Delikten im Vorjahr weitestgehend gleich. Im Sahlkamp gebe es einen scharfen Rücklauf, urteilte Gel. Die Zahl sank um 29 Straftaten, auf 130 Körperverletzungsdelikte. Die Zahl der Rauschgiftvorfälle allerdings stieg von 178 auf 232 Fälle im Stadtbezirk mit einer Aufklärungsquote von 91,8 Prozent an – auch im Sahlkamp gab es einen Zuwachs von 64 auf 87 Taten. In Vahrenheide wurden 71 Straftaten festgestellt, 31 mehr als 2017. Tanja Wulff-Bruhn, Leiterin des Polizeikommissariats Lahe, relativierte die Rauschgiftvorfälle. „Die Fallzahlen sind in einigen Stadtteilen gestiegen, insbesondere im Sahlkamp und in Vahrenheide“, sagte Wulff-Bruhn. „Allerdings zeigen wir in diesen Stadtteilen auch mehr Präsenz und nehmen so die Drogenkriminalität mehr wahr.“

Das Thema Präsenz sei für sie ganz wichtig, vor allem die bloße Ansprechbarkeit. Die Polizei würde im Sahlkamp, am Vahrenheider Markt und an der Haltestelle Alte Heide starke Präsenz zeigen. „Das ist ein Schwerpunkt der gesamten Polizeibehörden Hannover“, erklärte die Leiterin des Polizeikommissariats Lahe. Dabei werde sie durch wechselnde Kräfte aus dem gesamten Stadtgebiet unterstützt. „Wir waren da an unseren Grenzen“, verrät sie. Seit Mitte letztens Jahres würde die Polizei auch mit dem kommunalen Ordnungsdienst der Stadt Hannover zusammenarbeiten. Das begrüßte auch Savas Gel: „Mehr Polizei und mehr Präsenz auf der Straße sind sehr sinnvoll.“

Fraktionsvorsitzender Christopher Steiner (Fraktion Bündnis 90/Die Grünen) lobte den Auftritt der Polizei im Bezirksrat Bothfeld-Vahrenheide: „Die Diskussion zu versachlichen ist bei Kriminalität immer gut. Es gibt immer so gefühlte Wahrheiten und wenn man diese Zahlen hat, kann man das mal richtig stellen.“ Eike Bredow (CDU) hebte die Aufklärungszahlen der Polizei hervor. Auch Fraktionsvorsitzende Claudia Heinrich (SPD) fand die Kriminalstatistik sehr spannend. Sie wollte gerne eine Einschätzung der Zahlen zu anderen Stadtteilen von Savas Gel wissen. „Finde ich schwierig Stadtteile zu vergleichen, weil man die immer in Relation sehen muss“, antwortete der Experte. Einzelvertreter der AfD, Frank Jacobs, kritisierte das Messer- und Sexualdelikte nicht extra aufgeführt worden seien. Gel erklärte, dass die Bereiche fokussiert wurden, weil es sonst zu kleinteilig geworden wäre.

Das Fazit zog zum Schluss Christopher Steiner. „Man kann die Stadtteile nicht eins zu eins vergleichen, aber so grob“, fand er. „Es ist totaler Quatsch, dass Sahlkamp-Vahrenheide ein Kriminalitätshotspot ist.“

Kommentar: Fakten helfen weiter

Lange hatte die Polizeidirektion Hannover gezögert, die stadtweite Kriminalitätsstatistik auf die Stadtbezirke herunter zu brechen. Doch seit die Beamten über Verbrechen und ihre Bekämpfung in den einzelnen Stadtteilen informieren, zeigt sich, wie sinnvoll das tatsächlich ist. Wo Anwohner sich vorher nur über die gefühlte Sicherheitslage austauschen konnten, lassen sich nun auch nüchterne Zahlen heranziehen. Bürger hören von Bekannten, bei denen Einbrecher ins Haus eingestiegen sind. Oder sie kennen einen Nachbarn, der abends nicht mehr gern auf die Straße geht. Wie häufig passieren Raubüberfälle im Viertel tatsächlich? Nimmt die Zahl der Einbrüche in der Nachbarschaft zu? Die Polizei kann natürlich nur das erfassen, was tatsächlich in eine Anzeige mündet. Dennoch geben die Details aus der Statistik Anhaltspunkte.

Manchmal zeigt sich, dass die Arbeit der Polizei Wirkung entfaltet, weil die Präsenz der Beamten Kriminelle abschreckt. Genauso weisen die Zahlen auf neu entstehende Probleme hin. Auf jeden Fall hilft das Veröffentlichen und Erläutern der Kriminalitätsstatistik im Stadtbezirk. Denn so bekommt die Diskussion über die Sicherheit eine Grundlage.

Von Laura Ebeling

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