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Ost Grundschule wünscht sich nur ein Romakind pro Klasse
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Grundschule wünscht sich nur ein Romakind pro Klasse
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10:00 06.04.2019
An der Grundschule Gartenheimstraße gibt es schon Erfahrungen mit Romakindern. Quelle: SAMANTHA_FRANSON
Bothfeld/Lahe

Die Lehrer und Eltern der Grundschule Gartenheimstraße haben in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Bothfeld-Vahrenheide ihre Sorge über die Belegung der neuen Obdachlosenunterkunft Alte Peiner Heerstraße zum Ausdruck gebracht. „Wir haben bislang nur undifferenzierte Informationen bekommen“, erklärte Schulleiterin Katja Schröder in der Einwohnerfragestunde. Nach ihrem Wissen sollte die Unterkunft erst im Herbst 2019 und dann doch schon nach den Osterferien bezogen werden. Das war aber nicht ihre einzige Sorge: 25 bis 30 Kinder der Sinti und Roma muss die Schule laut Schröders Einschätzung dann beschulen. Eine Zahl, die die Grundschule alleine nicht leisten könne. „Aufgrund der clanähnlichen Strukturen ist es total wichtig, dass nur ein Kind pro Klasse beschult wird“, betonte die Schulleiterin. Denn sonst würden die Clanstrukturen immer über die Regeln der Schule gehen. „Für uns ist es wichtig, dass die Kinder eine Chance haben, integriert zu werden.“

Einzug frühestens im August

Bezirksbürgermeister Harry Grunenberg (SPD) konnte die Sorge eines Bezuges nach den Osterferien erst einmal eindämmen. Die voraussichtliche Inbetriebnahme der neuen Obdachlosenunterkunft Alte Peiner Heerstraße sei erst in der zweiten Jahreshälfte möglich. „Auf gar keinen Fall vor den Sommerferien und – wenn überhaupt – frühestens im August“, sagte er. Zurzeit würden Arbeiten wie der Tausch von Betonplatten und die Erneuerung des Daches durchgeführt. „Da ist im Vorfeld gehörig gepfuscht worden“, meinte der Politiker.

Insgesamt sollen 90 Personen zuzüglich Kindern in die Unterkunft ziehen. Das geschehe auch nicht in einem Zug, sondern nach und nach, versicherte der Bezirksbürgermeister. Wie viele Kinder aber genau kommen würden und welchem Kulturkreis sie angehören werden, ist noch offen. „Mit einer gewissen Anzahl an Kindern müssen Sie auch klarkommen“, erklärte Grunenberg – und stieß damit auf Empörung seitens der Schule. Die Lehrer und Schüler haben schon Erfahrungen mit der Beschulung von Sinti- und Romakindern gemacht. Bis Mitte Januar 2019 hatten 15 Kinder in der Grundschule Gartenheimstraße Unterricht. „Alle anderen Schüler werden bei mehr als einem Romakind vernachlässigt“, bekräftigte die Lehrerin einer dritten Klasse der Grundschule Gartenheimstraße.

Das sieht auch Schulleiterin Katja Schröder so: „Bisher haben wir Mittel gefunden für zehn bis 15 Kinder, aber das geht an unsere Grenzen.“ Daher forderte sie, die Schulbezirksgrenzen zu ändern und einen Teil der Kinder in einer anderen Grundschule unterzubringen. „Es soll keine neue Brennpunktschule entstehen“, sagte Claus Tickwe vom Personalrat der Grundschule Gartenheimstraße.

Politiker zeigen Verständnis

Der Bezirksrat Bothfeld-Vahrenheide zeigte sich größtenteils verständnisvoll. „Ich sehe es so wie Sie, dass es bei einer gewissen Anzahl der Kinder problematisch für die Schule werden kann“, erklärte Wolfgang Butz, Einzelvertreter der FDP, und sicherte seine Unterstützung zu. Auch die Fraktionsvorsitzende Claudia Heinrich (SPD) stimmte dem zu. „Es ist schwierig, wenn eine Grundschule Ihrer Größe eine ganze Klasse aufnehmen soll“, sagte sie. Sie würden ihr Bestes geben, dass die Schule frühestmöglich Informationen über die Belegung und Anzahl der Kinder bekomme, ergänzte Heinrich. Auch Frank Jacobs, Einzelvertreter der AfD, begrüßte das Engagement der Schule. „Solche Probleme löst man im Vorfeld am Besten“, sagte er.

Allerdings gab es auch kritische Stimmen. „Ich finde es ein bisschen schwierig, so wie es kommuniziert wurde“, sagte der Fraktionsvorsitzende Christopher Steiner (Bündnis 90/Die Grünen). „Ich überspitze das ein bisschen: ,Es gibt gute und schlechte Kinder, die nicht integrierbar sind‘ – das finde ich problematisch.“ Auch Klaus Hedrich (SPD) äußerte Bedenken über eine Verteilung der Kinder in andere Grundschulen. „Die Schulbezirksgrenzen zu ändern ist immer hoch politisch.“ Zum Abschluss aber versprach Adis Ahmetovic (SPD) der Grundschule Gartenheimstraße: „Ihre Schule wird niemals eine Brennpunktschule. Nicht im Jahr 2019/2020.“

Kommentar: Überzogene Befürchtungen

Die Grundschulen in Hannovers Osten punkten derzeit nicht mit dem Willen, Integration zu fördern. Erst im Februar beklagte die Grundschule Mengendamm in der List, zu viele Romakinder aus einer Notunterkunft für obdachlose Familien aufnehmen zu müssen. Nun machten Schulleiterin, Lehrer und Eltern der Grundschule Gartenheimstraße ihrem Ärger im Bezirksrat Bothfeld-Vahrenheide Luft. Ihre Angst: Die eher kleine Grundschule könnte zur Brennpunktschule werden.

Natürlich erschwert es den Unterricht desto mehr, je mehr Kinder mit Förderbedarf und aus sozial schwachen Familien die Schule besuchen. Doch die Grundschule Gartenheim hat bis vor zweieinhalb Monaten bereits rund 15 Romakinder beschult – ebenjene Kinder, die nach der Schließung der alten Unterkunft an der Alten Peiner Heerstraße nun in der List leben und die Grundschule Mengendamm besuchen. Das waren rund 5 Prozent, etwa ein Kind pro Klasse. Nun rechnet die Schulleiterin mit 25 bis 30 neuen Romakindern. Bei nunmehr zwei Kindern pro Klasse von zusätzlicher Belastung zu sprechen ist nachvollziehbar. Sicher würde eine zusätzliche Stelle für einen Sozialarbeiter oder Betreuer helfen. Die Befürchtung, gegen die Clanstrukturen würden Lehrer nicht mehr ankommen, ist aber überzogen. Es handelt sich immer noch um Sechs- bis Zehnjährige. Und vom Status einer Brennpunktschule – wie etwa die Ricklinger Peter-Ustinov-Schule mit 90 Prozent förderbedürftigen Kindern – ist die Schule weit entfernt.

Von Laura Ebeling

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