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Ost Wird die General-Wever-Straße umbenannt?
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Wird die General-Wever-Straße umbenannt?
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00:15 13.03.2019
Die General-Wever-Straße ist bei einer historischen Untersuchung der namensgebenden Persönlichkeit in die Kritik geraten. Quelle: Foto: Tim Schaarschmidt
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Bothfeld/Sahlkamp

17 Straßen sollen laut der Empfehlung des Beirats „Wissenschaftliche Betrachtung von namensgebenden Persönlichkeiten“ in Hannover umbenannt werden – eine davon auch im Stadtbezirk Bothfeld-Vahrenheide. Die General-Wever-Straße, die durch den Sahlkamp und Bothfeld verläuft, wurde im Abschlussbericht des Beirats im November 2018 als Umbenennungsempfehlung genannt. In der jüngsten Sitzung des Stadtbezirksrats Bothfeld-Vahrenheide erklärte Dr. Karljosef Kreter, Mitglied des Beirats, die Gründe für diese Entscheidung. „Für uns war Wever eindeutig eine Stütze des NS-Systems. Und das NS-System war ein verbrecherisches System. Das Kriterium der NSDAP-Mitgliedschaft spielt keine Rolle, es reicht, sich an einem Unrechtsprozess zu beteiligen“, rechtfertigte der Experte die Empfehlung. Die Bezirksratspolitiker hatten allerdings geteilte Meinungen, ob das Grund genug wäre, die Straße umzubenennen. „Es ist schon ein Sachverhalt, der nicht einfach mit Ja oder Nein zu beantworten ist“, fand Fraktionsvorsitzende Claudia Heinrich (SPD).

„Eindeutig Stütze des NS-Systems“: General Walther Wever. Quelle: Privat

Das Problem: Laut dem Beirat starb Walther Wever schon 1936 bei einem Flugzeugunglück und war kein Mitglied der NSDAP. Im Ersten Weltkrieg war er als Berufsoffizier tätig, wurde danach Oberstleutnant. Ab 1933 verließ Wever das Militär und baute als Zivilist in verdeckter Mission die Militärluftfahrt aus. Nach der offiziellen Gründung des Luftfahrtministeriums 1935 war er der dritte Entscheidungsträger im Ministerium, zuständig für Personal, Organisation und Ausbildung. Adolf Hitler soll bei seiner Beerdigung gewesen sein, und die Benennung der Straße sei eine Ehrung der Nationalsozialisten gewesen, erklärte Dr. Kreter, Mitglied des Beirats. „Diese Geschichte war für den Beirat ausschlaggebend, den Namen General-Wever-Straße nicht mehr beizubehalten. Er war der strategische Kopf der Luftwaffe, die hatten bis vor ihm keine Luftwaffe.“

Seit Januar 2014 hat der Beirat im Auftrag des Rates Biografien von Persönlichkeiten in Hannover untersucht, die von 1933 bis 1945 gewirkt haben. In dem ersten Bericht des Beirats „Wissenschaftliche Betrachtung von namensgebenden Persönlichkeiten“ von Oktober 2015 sollte die General-Wever-Straße nicht umbenannt werden. „Ich finde es unseriös, wenn wir Jahre später sagen, dass wir die Straße umbenennen müssen“, sagte Eike Bredow (CDU). Bei der Prüfung von 600 Namen könne auch schon mal ein Fehler passieren, argumentierte Dr. Kreter. Für Wolfgang Butz (FDP) reichten die Argumente des Beirats nicht aus, um über eine Umbenennung der Straße nachzudenken. „Ich sehe da keinen persönlichen Fehler des Mannes“, so der Einzelvertreter im Bezirksrat. Das sah Christopher Steiner, Fraktionsvorsitzender Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, allerdings ganz anderes. „Walther Wever war ein Teil des nationalsozialistischen Systems“, sagte er. „Anhand dieser Beschreibung gibt es keinen positiven Aspekt zur Beibehaltung des Straßennamens.“

Im Falle einer Umbenennung der General-Wever-Straße würden laut der Verwaltung in einer Übergangszeit von mindestens einem Jahr der alte sowie der neue Name bestehen. Während dieser Zeit müssten auch Anwohner ihre Adresse ändern. „Die Änderungen bei der Stelle für Gewerbemeldungen sowie von Ausweisen und Zulassungsbescheinigungen bei den Bürgerämtern erfolgen während der Übergangszeit gebührenfrei“, teilte Stadtbezirksratbetreuer Dietmar Krebs mit. Die Verwaltung teile die Änderungen betroffenen Institutionen wie Grundbuchamt, Finanzamt, Deutsche Post AG, Citipost und weiteren kostenlos mit, ergänzte er. 

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Von Laura Ebeling

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