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Ost Bunker stehen zum Verkauf
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Bunker stehen zum Verkauf
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09:40 20.10.2011
Ein Relikt vergangener Tage: Der Bunker am Wolfsburger Damm im Heideviertel wird von Musikern zur Proberaum genutzt. Quelle: Schwarzenberger
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Heideviertel

Solch ein Luftschutzbunker ist schon eine harte Nuss: meterdicke Mauern, harter Beton. Wer dem Bau zu Leibe rücken will, benötigt hochspezialisiertes Werkzeug. „Das kann schon mal 500 Euro pro Meter kosten, wenn man Fenster hineinschneiden will“, schätzt ein Mann, der sich nach einem Baugrundstück umsieht und dabei im Schutzbau am Wolfsburger Damm gelandet ist. Dort ist Besichtigungstag für potenzielle Kunden. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben will 13 hannoversche Bunker loswerden. Neu auf ihrer Verkaufsliste stehen die Betonburgen im Heideviertel und an der Brentanostraße in Kleefeld.

Stück für Stück arbeitet sich das Verkaufsteam der Bundesanstalt auf ihrer Liste voran. Der Bunker am Trageweg in der List sei schon verkauft, sagt Karsten Reddies vom Verkaufsteam. Nähere Angaben zum Käufer, und was dieser mit seinem Bunker vorhat, gibt es nicht. Für den Bunker an der Lönsstraße stünden die Verkaufsverhandlungen kurz vor ihrem Abschluss, sagt Reddies. Mit Unterlagen und Schlüsseln steht er in einem großen Saal, der sich im zweiten Obergeschoss des Heideviertel-Bunkers befindet. Toiletten gibt es dort, wie in den anderen Etagen auch; aber nur manche funktionieren.

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Die potenziellen Kunden, junge Paare und ältere Besucher, ziehen mit Notizblock, Kamera und Plänen bestückt durch die Räume. Hier und dort leuchtet jemand mit der Taschenlampe in winzige Abstellkammern, wirft einen Blick in uralte Waschräume und auf Rohrleitungen, die noch aus dem Baujahr 1941 stammen. Andere rütteln an alten Hebeln und Armaturen, beklopfen die dicken Wände, halten einen Zollstock an Winkel und Treppenfluchten. Es wird viel geflüstert. „Es kommen Architekten, Kaufinteressierte oder einfach nur Neugierige, die die Gelegenheit nutzen, einmal einen Bunker von innen zu sehen“, sagt Reddies.

So recht mag sich bei diesem Besichtigungstermin niemand in die Karten gucken lassen. Keine Namen, bitteschön. „Wir sehen uns nach Baugrund um, wird ja auch mal knapp in Hannover“, sagt dann doch der Mann, der im Stillen schon die Preise für den Einbau von Fenstern in die dicken Mauern kalkuliert. Für Wohnzwecke wurde so mancher Bunker schon genutzt; am Pfarrlandplatz in Linden etwa sind Wohnungen auf ein Bunkerdach gebaut worden. Den Heideviertel-Bunker bietet die Bundesanstalt für 178 000 Euro an. Nach der Besichtigung werden die Interessenten ihr Angebot abgeben; dann wird verhandelt. Das kann dauern.

Die neuen Verkaufsbemühungen des Bundes beobachtet Holger Maack ganz genau. Er ist Geschäftsführer des Nordstädter Musikzentrums, das in einigen Bunkern Proberäume für hannoversche Bands gemietet hat, im Buchenhain etwa und an der Kleinertstraße. Beide Bunker stehen in Misburg – und auf der Verkaufsliste der Bundesanstalt. Irgendwann wird es auch dort Besichtigungstermine geben. Ob die Musiker weiter in den Gebäuden proben können, ist dann unsicher. Nötig wäre es schon, denn es gebe nicht genügend bezahlbaren Übungsraum in Hannover, sagt Maack. „Wir haben eine Warteliste mit rund 30 Bands.“

Auch das Rockbüro Hannover vermietet Bunkerräume an Musiker, unter anderem sechs im Bunker Brentanostraße. Den will der Bund für 144 000 Euro verkaufen. „Wir würden ja mitbieten, aber nicht für den Preis“, sagt Achim Fahnenschild vom Rockbüro. Vielleicht finde sich ja ein Architektenbüro, das Penthouse-Wohnungen auf dem Dach errichtet und den Musikern dennoch erlaubt zu bleiben. Auf solche Lösungen hofft auch Maack. Monate werden verstreichen, bis aussagekräftige Kaufangebote vorliegen. Eine Zeit, die Olaf Mahlstedt als „Zwischenzustand“ bezeichnet; die Schwebe zwischen alter und neuer Nutzung. Der Architekturfotograf geht gemächlich im Heideviertel-Bunker von Raum zu Raum und baut sein Kamerastativ auf. Mehrere Bunker hat er schon abgelichtet. Daraus, sagt er, werde vielleicht ein Kunstprojekt.

Marcel Schwarzenberger

Andreas Schinkel 19.10.2011
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