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08:19 17.04.2015
Bibliotheksnachwuchs: Leni Wilms und Helena Körber aus der siebten Klasse kümmern sich freiwillig um die kleine Schulbücherei.
Bibliotheksnachwuchs: Leni Wilms und Helena Körber aus der siebten Klasse kümmern sich freiwillig um die kleine Schulbücherei. Quelle: Moers
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Groß-Buchholz

Kaum klingelt die Glocke, ist der kleine Raum im ersten Stock der Käthe-Kollwitz-Schule voll. Während Helena und ihre Bibliothekskollegin Leni Wilms am Schreibtisch ordentlich den Verleih und die Rückgabe der Schmöker in einem Aktenordner notieren, stromern zwei Dutzend Jungen und Mädchen geschäftig durch die Regalreihen.

Von der verstaubten Atmosphäre vernachlässigter Bibliotheken in Schulkellern ist hier keine Spur. Stattdessen gibt es viele der angesagten Titel, die auch in den Buchhandlungen gerade Verkaufsschlager sind. Dazu gemütliche Sofas, auf denen ruhig gefläzt werden darf. „Die Jugendlichen brauchen die Medien, die gerade in sind“, erklärt Wolf Borchers von der Stiftung Lesen. Mit insgesamt 6500 Euro unterstützt die Stiftung die Leseförderprogramme des Gymnasiums und der benachbarten Gerhart-Hauptmann-Realschule. Neben der Anschaffung neuer Bücher wurden mit dem Geld „Leseclubs“ eingerichtet. Durch spezielle Förderangebote sollen die Schüler erreicht werden, die von selbst sonst selten zum Buch greifen.

Zwei bis drei Schüler sind es im Durchschnitt, die in einer Klasse Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben, schätzt Cornelia Brinkmann. Die Lehrerin für Mathe und Religion betreut den Leseclub an der Käthe-Kollwitz-Schule. In Kooperation mit ihrer Kollegin Julia Collins von der Gerhart-Hauptmann-Realschule erarbeitete sie das Konzept, das jetzt von der Stiftung Lesen zunächst über drei Jahre gefördert wird. Die Idee der Leseclubs ist es, die vorhandenen Bibliotheken für eine zusätzliche Förderung zu nutzen. Kinder, bei denen Nachhilfe geboten scheint, werden spielerisch durch Lesestunden oder Quizrunden an das gedruckte Wort herangeführt.

Bereits bestehende Förderangebote an der Käthe-Kollwitz-Schule sind etwa ein „Stammtisch Legasthenie“, an dem sich Eltern und Lehrer regelmäßig austauschen. Ein „Lese-Screening“ soll frühzeitig Probleme in den Klassen aufdecken. „Wir haben gemerkt, wir müssen etwas für die besonders schwachen Schüler anbieten“, erklärt Brinkmann, „auch mit Blick auf Pisa.“ Ein klassischer Nachhilfeunterricht soll das Leseclub-Angebot aber nicht sein. Die Schüler sollen aus eigenem Interesse und ohne Leistungsdruck Lesekompetenz entwickeln. Das pädagogische Hintergrundwissen und die notwendigen Materialien stellt die Stiftung Lesen seit 2011 bundesweit Schulen zur Verfügung.

Eine weitere Besonderheit der Leseclubs ist die Kooperation mit dem Nachbarschaftstreff List-Nord-Ost. In Zukunft sollen Lesepaten aus dem Stadtteil die Schüler unterstützen. „Wir wollen das übernehmen, was in der Schule nicht zu leisten ist“, erklärt die Vorsitzende des Nachbarschaftstreffs, Peggy Keller. Heiß begehrt sind derzeit pensionierte und passionierte Deutschlehrer, die Lust haben, Lesementor zu werden. Die Zusammenarbeit mit benachbarten Institutionen hat aus der Sicht der Stiftung Lesen Modellcharakter. „Diese Vernetzung auf lokaler Ebene hat das Projekt für uns interessant gemacht“, sagt Stiftungsmitarbeiter Borchert.

Fünftklässlerin Aleksandra hat zwar keinen Förderbedarf, aber findet die gut ausgestattete Bibliothek trotzdem klasse. Sie kommt gern zum Schmökern in der Pause her. „Ich finde es hier auch besser als in der Stadtbibliothek“, strahlt Aleksandra. Irgendwann will sie selbst gern hier als Bibliothekarin anfangen. Jetzt schnappt sie sich noch „Gregs Tagebuch“ und macht es sich auf dem Sofa gemütlich, bevor der Bestseller wieder ausgeliehen ist.

Von Mario Moers

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