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Ost Ein Gotteslob, gegossen in Beton
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Ein Gotteslob, gegossen in Beton
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18:00 03.04.2015
Foto: Oberlichter wie über der Orgel  schaffen besondere Lichteffekte.
Oberlichter wie über der Orgel schaffen besondere Lichteffekte. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Ein wenig gleichförmig wirkt das Viertel östlich des Großen Kolonnenwegs, wo - dicht an der Grenze zur List - mehrgeschossige Wohnhäuser aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren das Bild bestimmen. Doch an der Ecke von Plüschowstraße und Hirtenweg fällt eines der Gebäude eindeutig aus der Reihe. Die Heilig-Geist-Kirche präsentiert sich hier mit vielen Wellungen und Rundungen aus Beton. Innen und außen steckt sie voller symbolträchtiger Details, die es für den Besucher zu entdecken gilt. Pastorin Ulrike Stöhr unternahm mit dem Stadt-Anzeiger einen Rundgang durch einen ziemlich ungewöhnlichen Kirchenbau.

Die Heilig-Geist-Gemeinde wurde schon 1962 gegründet, doch erst gut zehn Jahre später war es so weit, dass man finanziell auch an den Bau einer Kirche denken konnte. Ihre Ausführung wurde von den führenden Gemeindemitgliedern mitbestimmt, die zusammen mit dem hannoverschen Architekten Hans-Siegfried Laessig seinen Entwurf in zahllosen Diskussionen besprachen. Baukunst und religiöse Bedürfnisse fanden auf diese Weise zueinander, und im August 1976 wurde die Heilig-Geist-Kirche eingeweiht.

Eigentlich sind es überwiegend schlichte Formen, aus denen sich diese Kirche zusammensetzt. Allein der etwas abseits aufragende Turm erinnert geometrisch an einen Zylinder. Genau genommen aber handelt es sich bis oben hin um drei ineinander geschobene Schalen. „Drei sind es, um auf die Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist hinzuweisen“, erläutert Pastorin Stöhr.

Über dem Kircheneingang nebenan ist die dominante Dacheinfassung kaum zu übersehen. Helmut Rogge, Professor für Kunst und Bildhauerei aus Hannover, schuf sie in Gestalt von sieben Falten. „Sie symbolisieren das Wirken des Heiligen Geistes Gottes, wie es im Buch des Propheten Jesaja steht“, gibt Pastorin Stöhr ein wenig Hilfestellung zum Alten Testament.

Durch ein kleines, wie ein Café eingerichtetes Foyer gelangt man in den Kirchenraum, der Platz bietet für bis zu 300 Besucher. An den Seiten sind zwei Emporen lediglich angedeutet, beide kaum höher als ein Podest. Nach vorn blickt man auf die 1980 fertiggestellte Altargruppe. Links befindet sich die Taufnische mit dem Becken, das ebenfalls von dem Architekten Laessig entworfen wurde. Ähnlich einer sich öffnenden Knospe stellen hier drei ineinander verwobene, metallene Blütenblätter die göttliche Dreieinigkeit dar. Als Sinnbild des Heiligen Geistes flutet von oben durch ein rundes Fenster helles Licht herab - ein Stilmittel, wie es auch der französische Architekt Le Corbusier in seiner berühmten Kapelle von Ronchamp einsetzte.

Die Nische hinter dem Altar, eine Arbeit von Rogge, deutet an dieser Stelle mit ihren Falten den Mantel Gottes an. Daneben erhebt sich die Kanzel, auf die wiederum durch ein hohes Fensterband Licht gelenkt wird. Weil Taufbecken, Altar und Kanzel für eine christliche Gemeinde die zentralen Orte sind, wurden sie für die Heilig-Geist-Kirche aus Messing gestaltet. Auch das Altartuch ist demnach nicht gewebt, sondern besteht gänzlich aus dem goldglänzenden Metall. Ein weiteres Oberlicht erhellt den rund gebauten Chor gleich neben dem Entree zum Kirchenraum. Hier befindet sich auch die Orgel, deren Pfeifen zu mehreren runden „Säulen“ angeordnet und wiederum mit etwas Messing verziert sind. Das meiste Licht scheint derweil durch die Westwand. Sie bekam 1999 eine moderne, farbig gestaltete Fensterfront, die von dem Glaskünstler Günter Grohs aus Wernigerode stammt.

Bis hin zu dem schwarzen, je nach Bedarf auch versetzbaren Gestühl mit seinen dezenten Messingeinfassungen ist in der Heilig-Geist-Kirche alles aufeinander abgestimmt. Ihre Bauweise aber lässt sich besonders gut betrachten, wenn man durch die Pforte zum Gemeindekindergarten am Hirtenweg geht. Die Kleinen spielen im Untergeschoss, und direkt darüber erhebt sich der Kirchenbau mit seinen markanten Rundungen. Denen, die sich in den Siebzigerjahren für diesen Entwurf entschieden, war bereits klar: So zu bauen, das geht nur in Beton.

Kirchen mit und ohne Denkmalschutz

  • Schützenswerte Minderheit: 38 evangelische Kirchen wurden in Hannover seit dem Krieg gebaut. Die zehn, die künftig unter Denkmalschutz gestellt werden sollen, sind also eine Minderheit. Es sind neben der Heilig-Geist-Kirche und der Matthäuskirche (List), Auferstehungskirche (Döhren), Zachäuskirche (Burg), Gnadenkirche (Mittelfeld), Bugenhagenkirche (Südstadt), St. Petri (Döhren), St. Martin (Anderten), St. Martin (Linden) und die Uhlhornkirche (Linden). Das Oberverwaltungsgericht hatte jüngst auch den Denkmalschutz für die Stöckener Corvinuskirche bestätigt. Noch keine Entscheidung: Bei vier nach dem Krieg erbauten Kirchen wollten die Experten noch nicht über die Denkmalwürdigkeit entscheiden. Die Gebäude seien noch zu jung, um schon abschließend darüber zu urteilen, hieß es. Es handelt sich dabei um die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in Roderbruch (1981), St. Johannes in Davenstedt (1989), die Bonhoefferkirche im Ökumenischen Kirchenzentrum Mühlenberg (1982) sowie die im Vorfeld der Expo errichtete Kronsbergkirche (2000). In neuer Funktion: Vier der nach dem Krieg gebauten Kirchen, mit denen sich die Kommission beschäftigte, sind bereits umgebaut, verkauft oder abgerissen worden: die Maria-Magdalenen-Kirche in Ricklingen, die Ansgarkirche in Hainholz, die Gustav-Adolf-Kirche in Leinhausen und die Messiaskirche in Groß-Buchholz
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