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Ost Eine Sprengung auf Raten
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Eine Sprengung auf Raten
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07:42 16.02.2012
Von Juliane Kaune
Feinstarbeit: Aus sicherer Entfernung wird die explosive Ladung im Bunker gezündet. Quelle: Dillenberg
Hannover

Um 16.29 Uhr ist es so weit. Ein Warnsignal ertönt, kurz danach folgt ein lauter Knall. Zwei Minuten später kracht es noch einmal, und dann ist auch schon wieder alles vorbei. Der Bunker in der Lönsstraße steht so trutzig wie seit 69 Jahren an Ort und Stelle. Doch seine Tage sind gezählt. Der Knall, der am Mittwoch weithin im Zooviertel zu hören gewesen sein dürfte, ist der Anfang vom Ende des Betonkolosses aus den Kriegsjahren. Im Auftrag des Bauunternehmens Hochtief hat eine Spezialfirma aus Offenbach am Mittwoch begonnen, den Bunker im Inneren zu sprengen – zunächst ohne von außen sichtbare Folgen. Täglich folgen nun weitere solcher Sprengungen. In zwei bis drei Wochen ist das Mauerwerk dann so mürbe, dass die eigentlichen Abrissarbeiten beginnen können.

Auf dem Bunkergrundstück will Hochtief 30 exklusive Eigentumswohnungen errichten. In Bestlage: Das klotzige Bollwerk aus Beton steht mitten zwischen anderen Wohnhäusern – und genau das macht den Abriss so sensibel. Weil die umliegenden Gebäude nicht eigens für diesen Zweck evakuiert werden können, muss die Sprengung in Feinstarbeit vorgenommen werden.

„Wir schälen den Bunker quasi von innen aus“, erklärt Robert Zeller, Chef des gleichnamigen Unternehmens, der bundesweit schon 15 Bunker in verschiedenen Städten dem Erdboden gleichgemacht hat. Die Technik, mit der der Experte und sein Team vorgehen, erfordert höchste Präzision. An einer zuvor abgegrenzten Fläche des Bauwerks werden 30 bis 40 Sprengladungen mit jeweils einem halben Meter Abstand angebracht, die in unvorstellbar kurzen Intervallen gezündet werden. „Es geht um Millisekunden“, sagt Zeller. Wird dieses Verfahren oft genug wiederholt, sind die Wände so porös, dass sie von Spezialmaschinen abgetragen werden können. Beim Bunker in der Lönsstraße ist das voraussichtlich Anfang März der Fall. Dann rückt ihm eine riesige Abbruchzange mit einem Druck von bis zu 500 Tonnen zu Leibe. Am Ende werden nur noch rund 11 000 Kubikmeter Bauschutt übrig bleiben, die schrittweise abtransportiert werden. Doch das dauert: Mindestens vier Monate sind für die gesamten Arbeiten veranschlagt.

Der Zeitplan ist eng gesteckt. Schon im Juli will Hochtief mit dem Wohnungsprojekt starten, für das rund zwölf Millionen Euro veranschlagt sind. „Auch für uns ist das hier spannend“, sagt Björn Jeschina, Abteilungsleiter bei dem Bauunternehmen, der sich gestern – ebenso wie einige Schaulustige – vor Ort ein Bild machte. Schließlich ist es der erste Bunker, den Hochtief in Hannover abreißen lässt. Und mit ein wenig Phantasie kann man sich jetzt schon vorstellen, wie dem hässlichen Klotz ein hochwertiges Gebäudeensemble folgen wird.

Das Wasser läuft aus den Steckdosen und die Wände herunter, ein Kurzschluss hat das komplette Stromnetz außer Kraft gesetzt und auch die Telefone funktionieren nicht mehr: Die erst vor eineinhalb Jahren für 7,5 Millionen Euro renovierte Grundschule Wasserkampstraße im Stadtteil Kirchrode ist durch einen schweren Wasserschaden komplett lahm gelegt worden.

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