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Ost Flüchtlinge wohnen nah am Annabad
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Flüchtlinge wohnen nah am Annabad
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09:20 30.05.2013
Foto: Auf dieser Freifläche soll eines der vier neuen Flüchtlingsheime entstehen.
Auf dieser Freifläche soll eines der vier neuen Flüchtlingsheime entstehen. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Über den umstrittenen Standort für das geplante Flüchtlingsheim am Bothfelder Eichenweg ist entschieden - nun stehen auch die Details für das in Kleefeld vorgesehene Wohnheim fest. Bis zu 50 Menschen, die vor Bürgerkriegen oder ethnischen Konflikten aus ihrer Heimat geflohen sind, werden in der Unterkunft an der Karl-Wiechert-Allee in Nähe des Annabades eine Heimat auf Zeit finden. Voraussichtlich bis zum Jahresende soll der Neubau - ein Gebäude mit Einzelzimmern - entstehen. Das hat der städtische Chefplaner Michael Heesch jetzt dem Bezirksrat Buchholz-Kleefeld mitgeteilt.

Wie berichtet, muss die Stadt bis zum Herbst mindestens 650 Flüchtlinge neu unterbringen. Heesch rechnet sogar mit bis zu 800 Menschen. Die meisten sollen in angemieteten Wohnungen unterkommen, gut 80 werden es in einem Hotel in Vahrenwald sein. 200 Plätze aber sollen in vier Gebäuden geschaffen werden, die die kommunale Baugesellschaft GBH in Kleefeld, Bothfeld, Badenstedt und Bult in den nächsten Monaten baut und an die Stadt vermietet. Bis Anfang Juni sollen Bezirksräte und Ratsgremien darüber entscheiden. „Wir haben städtische Flächen ausgesucht, die sofort bebaubar sind“, erläuterte Heesch dem Bezirksrat.

Vier Wohngemeinschaften sind geplant

Ein zweistöckiges Gebäude soll nun auf einer 2.000 Quadratmeter großen Fläche nördlich des Behelfsparkplatzes des Annabades gebaut werden. Immer fünf jeweils zehn Quadratmeter große Zimmer bilden eine Wohngemeinschaft mit Küche und Bad. Vier Wohngemeinschaften sind geplant. Sie könnten bei Bedarf Familien zur Verfügung stehen, sagte Heesch. Vorrangig rechnet die Stadt in Kleefeld aber mit einer Belegung durch alleinstehende Männer. Das Grundstück liegt knapp 50 Meter von der S-Bahnstation „Karl-Wiechert-Allee“ entfernt. Aus städtischer Sicht ist das weit genug, um allzu störenden Lärm auszuschließen. „Die Verkehrslärmeinwirkung ist geprüft worden“, betonte Marc Schalow, Bereichsleiter Stadterneuerung und Wohnen, auf Nachfrage der Grünen. Deren Fraktionschef Dierk Schneider wollte auch wissen, wie es um die soziale Betreuung bestellt ist. Dafür soll vor allem der Betreiber Sorge tragen, mit dem die Stadt voraussichtlich nach den Sommerferien einen Vertrag schließen wird. Neben einem Heimleiter soll auch ein Sozialarbeiter für Betreuung und Beratung da sein. Ehrenamtliche Unterstützer könnten zusätzlich helfen.

Für zunächst zehn Jahre mietet die Stadt das Gebäude. Womöglich wird es danach nicht mehr als Flüchtlingsheim gebraucht. Der massive Bau könnte aber über mehrere Jahrzehnte genutzt werden. Und darin steckt aus Sicht der SPD ein Problem, weil die Nachnutzung fraglich ist. „Über den Standort durfte der Bezirksrat nicht mitreden“, kritisierte Bezirksratsfrau Belgin Zaman. Sie hätte sich einen Standort inmitten von Wohnquartieren gewünscht. Der Bauplatz ist derzeit für Wohnhäuser eigentlich nicht vorgesehen, die Unterkunft ist eine Ausnahme. Deren Lage und die kleinen Zimmer erschwerten eine spätere Umnutzung, meint die SPD. Heesch hielt dagegen: „Denkbar wäre eine Nutzung als Studentenwohnheim.“ Der Bebauungsplan ließe sich entsprechend ändern.

Marcel Schwarzenberger