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Ost Gläubige können Fußballer anbeten
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Gläubige können Fußballer anbeten
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22:48 09.07.2012
Von Felix Harbart
„Fairness, Teamgeist und Integration“: Pfarrer Plochg mit der Statue des Heiligen Luigi. Quelle: Martin Steiner
Hannover

Natürlich zünde er manchmal vor dem Spiel eine Kerze für seine Jungs an. „Aber dann kann ich nur darum bitten, dass sie die Kraft haben, gut zu spielen.“ Gewinnen müssen sie schon alleine.

Daran wird sich auch nichts ändern, wenn am kommenden Sonntag der Heilige Aloisius „Luigi“ Scrosoppi in der St.-Joseph-Kirche im hannoverschen Stadtteil List einzieht. Seit ihn der Bischof Alois Schwarz 2010 in der Pfarrei Pörtschach am Wörthersee dazu erklärt hat, ist Luigi offiziell der Schutzheilige der Fußballer – natürlich mit römischem Segen. Kaum war die Sache damals besiegelt, bestellte Pfarrer Plochg eine Statue des guten Luigi. Abzugeben war die Order bei jener österreichischen Schnitzerei, die die Exklusivrechte für die Herstellung der heiligen Holzfigur hält. Das klingt ein bisschen wie FIFA.

Pfarrer Plochg aber wollte sich davon nicht abhalten lassen. Und weil er mit seiner Bestellung schnell dran war, wird St. Joseph in Hannover nach seinen Worten jetzt die erste Kirche in Deutschland sein, in der Fußballfreunde jedweder Religion beim Heiligen Luigi um den rechten Spannstoß nachsuchen können. Am kommenden Sonntag ab 10 Uhr wird die etwa 70 Zentimeter hohe Statue im Rahmen eines Gottesdienstes geweiht, anschließend wird der Heilige Luigi der Star des Sommerfestes der Kirche sein.

Dass der Franziskaner Scrosoppi (1804–1884) es zum Fußballheiligen gebracht hat, hat er vor allem dem österreichischen Geschäftsmann Manfred Pesek zu verdanken. Dem ging als Erstem auf, dass all die nach dem Torschuss zum Himmel zeigenden Fußballer keinen einheitlichen Ansprechpartner hatten. Pesek erkundigte sich, wie man, erstens, einen Schutzheiligen ernennt und, zweitens, den rechten Kandidaten findet. Und erfuhr: Jeder Gläubige kann einen Schutzheiligen vorschlagen – dem ein Bischof zustimmen muss. Die Personalfrage beantwortete die Fachhochschule Rosenheim nach der Durchsicht von Heiligendatenbanken. Die ergab: Mit seinem Motto „Arbeite, leide und schweige“ und seinem Einsatz für die Jugend, speziell für Waisen und benachteiligte Kinder, sei Scrosoppi der geeignete Kandidat. Wenig später ließ sich der pfiffige Marketingmann Pesek alle Markenrechte am Heiligen Luigi sichern. Brauereien und Brausefirmen sollen schon angefragt haben.

Dafür aber kann der Heilige Luigi nichts. Vielmehr, findet Pfarrer Plochg, trägt er eine Botschaft weiter, die im Leben wie aufm Platz Gültigkeit hat: „Es geht hier wie da um Fairness, Teamgeist und Integration.“ Dafür allein wollen sie am Sonntag beten. Darum indes, dass Hannover 96 in den Europapokal kommt, muss sich weiter der Trainer kümmern.

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