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Ost Am ehemaligen Krankenhaus beginnen die Planungen
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Am ehemaligen Krankenhaus beginnen die Planungen
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10:00 10.08.2018
400 Wohnungen sollen auf dem Gelände an der Podbielskistraße entstehen. Neben Hanova sind noch sechs weitere Bauunternehmen beteiligt.
400 Wohnungen sollen auf dem Gelände an der Podbielskistraße entstehen. Neben Hanova sind noch sechs weitere Bauunternehmen beteiligt. Quelle: Rainer_Droese
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Groß-Buchholz

Groß-Buchholz wächst. Wo vor wenigen Jahren noch Patienten im Oststadtkrankenhaus auf Heilung hofften, entsteht ein neues Viertel mit gut 400 Wohnungen, Läden, einer Kita und viel Grün. Noch türmen sich die Schuttberge, noch wühlen sich die Bagger durch den Boden auf dem knapp sieben Hektar großen Gelände zwischen Podbi, Pasteurallee und der Straße In den Sieben Stücken. Aber wenn alles nach Plan läuft, sollen in zwei Jahren die ersten Möbelwagen vorfahren. Die Regie über das aufwendige Projekt namens Buchholzer Grün in der Nähe des Mittellandkanals führt das städtische Bauunternehmen Hanova (früher GBH). Geschäftsführer Karsten Klaus sprach von einem „großen Tag für Hannover“, als er jetzt die prämierten Architektenentwürfe auf der Ausstellungsetage der Bauverwaltung vorstellte. 32 Büros aus Hannover, Hamburg, Bremen und Berlin waren in acht Wettbewerben für acht Teilflächen des Grundstücks gegeneinander angetreten. 14 Entwürfe für Geschosswohnungshäuser und Reihenhäuser, Miet- und Eigentumswohnungen, überzeugten die Jury. Zwei Entwürfe stehen noch aus.

Eine lange ereignisreiche Planungszeit geht damit zu Ende. 2014 wurde das Oststadtkrankenhaus im Zuge der heiß diskutierten Umstrukturierung des Klinikums geschlossen. 2015 erwarb die Stadt in einem Tauschgeschäft mit der Region Hannover das Grundstück in Groß-Buchholz. Der Abriss des Klinikgebäudes wurde allerdings vertagt, um zeitweilig bis zu 800 Flüchtlinge im alten Bettenhaus unterzubringen. 2017 zogen die letzten Bewohner aus. Im Herbst wurde mit dem Abriss der Gebäude begonnen.

Sechs Investoren bauen mit

Bereits im Oktober hatte die Stadt das Grundstück an die kommunale Tochter Hanova für einen zweistelligen Millionenbetrag weiterverkauft. Hanova machte sich seinerseits auf die Investorensuche, um auch andere an der Vermarktung und Bebauung des „Sahnestücks“ zu beteiligen. Sechs Bauunternehmen sind seit Januar mit von der Partie, darunter Gundlach, der Spar- und Bauverein, Meravis und Weber Massivhaus. „Nicht der Höchstpreis war entscheidend, sondern das Konzept“, betont Hanova­Chef Klaus. Er schätzt, dass mehr als ein Viertel der 400 Wohnungen mit staatlicher Förderung gebaut wird, was auf günstige Mieten hoffen lässt. Auch Belegrechtswohnungen, über deren Bewohner die Stadt entscheiden kann, sind geplant.

Hanova selbst baut an der Kreuzung von Podbi und der Straße In den Sieben Stücken, wo früher das Schwesternwohnheim stand, ein Wohngebäude mit Gewerbeflächen; auf einer der Teilflächen vom Buchholzer Grün entstehen 50 Wohnungen und 20 Mietreihenhäuser, die anschließend an eine Genossenschaft verkauft werden. Auch die neue fünfzügige Kita für das Viertel baut Hanova. Die alte Kapelle, die der Verein Begegnung der Künste in den vergangenen Jahren als Veranstaltungsort genutzt hat, bleibt als einziges Gebäude auf dem Gelände erhalten. Karsten Klaus stellte klar, dass der Verein künftig das Geld für den Unterhalt der Kapelle selbst erwirtschaften muss.

Die Planungen für das neue Quartier Buchholzer Grün nehmen langsam Gestalt an.

Auch in direkter Nachbarschaft hat Hanova große Pläne: An der Straße In den Sieben Stücken, wo einst die Geschäftszentrale der GBH war und heute vorübergehend die Kfz-Zulassungsstelle untergebracht ist, sind weitere 200 Wohnungen geplant. 2013 hat der österreichische Baukonzern Strabag bereits das Eckgrundstück an der Podbielskistraße nahe Pasteurallee von der Stadt erworben. Seit 2016 entsteht dort ein Wohn- und Geschäftshaus mit 89 Wohnungen; 6500 der 16 500 Quadratmeter sind für Büros und Läden reserviert.

Die Architektenentwürfe für das neue Quartier Buchholzer Grün sind noch bis 30. August im ersten Stock der Bauverwaltung, Rudolf-Hillebrecht-Platz 1, zu sehen.

Kommentar: Ein Glücksfall für Buchholz

Das Grundstück hinter dem Bauzaun ist so groß wie zehn Fußballfelder. In zwei, drei Jahren soll zwischen Pasteurallee, Podbi und der Straße In den Sieben Stücken ein komplett neues Viertel mit 400 Wohnungen bezugsfertig sein. Ein kleines Wunder? Wohl kaum. Überall in der Stadt wird gebaut, nicht immer zur Beglückung der Nachbarn.

Aber wer sich erinnert, kommt dennoch ins Grübeln. Es ist noch nicht lange her, da warnten kundige Menschen vor schrumpfenden Städten und forschten über „Extremschrumpfungsgebiete“. Das Herz wurde einem bange, wenn man 2005 hörte, dass Niedersachsen bis 2020 ein Fünftel seiner Einwohner verlieren würde. In Hannover wurden tatsächlich Schulen geschlossen. Und heute?

Es wird wieder eng in der Stadt. Wohnraum wird knapp, Immobilienpreise steigen, der Verkehr staut sich auf den Straßen, Kitas und Schulen fehlen. Nicht nur der Zuzug Tausender Flüchtlinge, auch die Rückkehr vieler Familien vom Land in die Stadt lässt alle Schrumpfungsprognosen lächerlich aussehen.

Das neue Viertel in Buchholz ist ohne Frage ein Glücksfall. Es bedeutet auf einen Schlag 400 zusätzliche Wohnungen, darunter fast ein Drittel zu günstigen Mieten, eine neue Kita, in der Nachbarschaft eine neue Grundschule und all dies, ohne dass alte Mieter vertrieben wurden. Was will man mehr?

Von Gabi Stief

Von Gabi Stief