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Ost Kloster soll für Gäste offen sein
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Kloster soll für Gäste offen sein
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00:15 25.01.2014
Von Daniel Junker
Schwester Sara (li.) und Priorin Teresa Benedicta (re.) vor dem Kloster. Quelle: Junker
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Groß-Buchholz

In das einstige Klarissenkloster in der Milanstraße ist neues Leben eingekehrt. Nachdem die letzten fünf „Unbeschuhten Karmelitinnen“ Ende 2012 in andere Klöster übergesiedelt sind, haben nun zwölf Karmelitinnen aus Lembeck im Bistum Münster die Räume bezogen. Wie schon bei ihren Vorgängerinnen wird bei ihnen das Gebet den Tagesablauf bestimmen. Die Ordensfrauen wollen das Kloster aber auch für Gäste öffnen, die eine religiöse Atmosphäre suchen. „Wir wollen für die Menschen da sein, wenn Sie ein Problem haben und mit jemandem sprechen wollen“, sagt Priorin Teresa Benedicta (67). Zudem gibt es Kloster zwei Zimmer mit Wohnküche, in denen Gäste unterkommen können.

Die Ordensschwestern Benedicta und Sara (48) waren schon im vergangenen Oktober nach Groß-Buchholz gekommen, um den Umzug zu koordinieren. „Es gab hier noch sehr viel zu regeln“, sagt Schwester Teresa Benedicta. „Die Pfarrei St. Martin hat uns aber sehr geholfen.“ Mitunter seien bis zu fünf Gemeindemitglieder nach der Arbeit vorbeigekommen, um die Möbel aufzubauen. Den größten Teil der Umzugskosten trug das Bistum Hildesheim, die Schwestern beteiligen sich mit rund einem Drittel.

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Offizielle Begrüßung durch Bischof Norbert Trelle

Offiziell empfangen hatte Bischof Norbert Trelle die zwölf Schwestern im Dezember in einem Gottesdienst in der St.-Martin-Kirche. „Für Ihre Gemeinschaft ist es ein neuer Anfang hier in der Stadt“, begrüßte Trelle die Ordensfrauen. „Sie sind eine große Verpflichtung eingegangen, betend für die Menschen in Hannover und im Bistum Hildesheim da zu sein.“

Seit ihrer Ankunft haben die Karmelitinnen bereits viele Nachbarn kennen gelernt. „Die Menschen sehen uns, wenn wir zum Beispiel einkaufen gehen“, erzählt Schwester Sara. Viele hätten auch schon gefragt, wann die Messen beginnen. „Wir sind für Begegnungen sehr offen und möchten die Menschen begleiten“, sagt sie.

Tägliche Messe geplant

Noch ist die Kapelle des Klosters nicht ganz fertig. „Wir gehen davon aus, dass sie im Februar oder März fertig ist“, sagt die Priorin. Dann wollen die Karmelitinnen täglich außer montags Menschen einladen, mit ihnen um 8 Uhr die Heilige Messe zu feiern. Die Kirche stehe zudem jedem offen, sagt Schwester Teresa Benedicta. „Die Menschen sollen auch unabhängig von uns in unserer Kirche beten können.“

Auf das Kloster an der Milanstraße waren die Karmelitinnen vor rund eineinhalb Jahren aufmerksam geworden. Schwester Teresa Benedicta erkundigte sich daraufhin bei Bischof Trelle nach dem Gebäude. Bei der ersten Begutachtung nutzten die Ordensfrauen das Internet. „Wir haben uns das Gebäude per Google Earth angesehen“, sagt Schwester Sara. „Von der Größe her sah das sehr gut aus.“ Vier Karmelitinnen fuhren vor einem Jahr nach Hannover, um sich das Kloster aus der Nähe anzusehen. Die Entscheidung, dort einzuziehen, war dann schnell getroffen. „Wir haben den anderen Schwestern die Fotos gezeigt“, erzählt Schwester Sara. Schon kurz darauf sei der einstimmige Entschluss zugunsten Hannovers gefallen. Allerdings mussten sich einige Ordensfrauen erst an den Gedanken gewöhnen, ein neues Heim zu beziehen. „Unsere älteste Schwester ist 86 Jahre alt, für sie ist so ein Umzug nicht so einfach“, sagt die Priorin.

Gebäude war ursprünglich ein Klarissenkloster

Das Gebäude am Mittellandkanal war 1965 als Kirche mit Klarissenkloster gebaut worden. Weil nur noch sehr wenige Klarissinnen in der Milanstraße gelebt hatten, hätten sie das Kloster 1998 verlassen, sagt Schwester Sara. Im Anschluss daran bezogen die „Unbeschuhten Karmelitinnen“ das Gebäude. Weil auch ihr Konvent auf fünf Ordensfrauen geschrumpft war, verließen sie es rund 14 Jahre später wieder.

Die zwölf neuen Bewohnerinnen haben ihr Kloster in Lembeck aufgegeben. Das fast 300 Jahre alte Gebäude war für sie zu groß geworden. „Wir haben uns dort sehr wohlgefühlt, wir hatten einen guten Kontakt zur Nachbarschaft“, sagt die Vorsteherin. Beim Abschied seien deshalb viele Tränen geflossen.

Der Neuanfang in Hannover war für die Karmeliterinnen allerdings einfacher als erwartet. „Wir hatten eigentlich gedacht, dass uns die Leute gar nicht registrieren. In einer Stadt ist es ja viel anonymer“, sagt Schwester Teresa Benedicta. „Aber wir wurden gut empfangen.“

Wer Kontakt zu den Karmelitinnen aufnehmen möchte, kann sie montags bis sonnabends von 9.30 bis 11.30 Uhr und von 15 bis 16 Uhr direkt im Kloster oder unter Telefon (0511) 22 89 99 80 erreichen.

Ordensfrauen leben zurückgezogen

Der Orden des Teresianischen Karmels ist ein Reformzweig des alten Karmelitenordens, der zu Beginn des 13. Jahrhunderts auf dem Berg Karmel oberhalb von Haifa im heutigen Israel entstand.

Im Jahr 1568 wurde der Orden von der spanischen heiligen Teresa von Ávila (1515-1582) und vom heiligen Johannes vom Kreuz (1542-1591) reformiert und neu begründet.

Die Ordensfrauen leben zurückgezogen in kleinen Konventen, jedes Kloster ist autonom. Die Schwestern sind nicht in der Seelsorge oder in karitativen Feldern tätig, sondern wenden sich dem kontemplativen Leben zu: Das Gebet steht im Mittelpunkt ihres Lebens. In ihrem geistlichen Leben wollen die Karmelitinnen die „Freundschaft mit Gott“ finden – und damit auch die Sorgen und die Freude der Menschen mittragen. „Sie Freundschaft mit Jesus ist der wichtigste Aspekt unserer Spiritualität“, sagt Schwester Teresa Benedicta.

Fünf Mal am Tag treffen sich die Frauen zum Chorgebet, auch allein widmen sich die Karmelitinnen Zeiten ausgiebigen Schweigens und des Gebets. Die Karmelitinnen wollen mit ihren Gebeten vor allem Theologen und Priestern Kraft für ihren Dienst geben.

Die Karmelitinnen verbindet ein geschwisterliches Gemeinschaftsleben: Sie feiern zusammen die Heiligen Messen, zum Zusammenleben gehört zudem der geistliche Austausch untereinander. Neben den Gebeten verrichten die Ordensfrauen Arbeiten im Garten und in der Küche, sie übernehmen aber auch die Verwaltung und Gespräche mit Besuchern. dj

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