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Ost Händler beklagen Umsatzeinbußen
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Händler beklagen Umsatzeinbußen
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14:41 27.05.2010
Die Riesenbaustelle nervt derzeit Autofahrer und Händler.
Die Riesenbaustelle nervt derzeit Autofahrer und Händler. Quelle: Uwe Dillenberg
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Die Bauarbeiten für die Stadtbahn nach Misburg laufen auf Hochtouren, am künftigen Endpunkt in der Stadtteilmitte macht sich hingegen Weltuntergangsstimmung breit. Rund um Meyers Garten haben bereits viele Ladenbesitzer die Segel gestrichen und auch lang eingesessene Händler kämpfen um ihre Existenz. „Wenn die City für die Misburger erst auf kurzem Weg erreichbar ist, wird die Lage im Stadtteil für die Kaufleute richtig brenzlig“, mutmaßt Thomas Gumpert, der an der Buchholzer Straße das Elka – Familienkaufhaus betreibt.

Seit knapp zwei Jahren baut die Infra zwischen Lahe und Schierholzstraße, um Misburg ans Stadtbahnnetz anzuschließen. Während die neue Linie 9 bereits nach den Sommerferien auf dem ersten, rund 1300 Meter langen Teilstück pendeln soll, geht anschließend das große Buddeln in Richtung Meyers Garten weiter. „Wenn alles nach Plan läuft, kann der zweite Bauabschnitt zwischen Schierholzstraße und Meyers Garten in 2013 abgeschlossen werden und die weiterführende Strecke in Betrieb gehen“, sagt Martin Vey, Projektleiter Bau bei der Infra.

Die Meinungen unter den Stadtteilbewohnern zum Thema Stadtbahnverlängerung könnten unterschiedlicher kaum sein: Die einen freuen sich über eine bessere Anbindung an die Innenstadt, die anderen fürchten Lärm und eine volle Buchholzer Straße sowie den Wertverlust ihres Eigentums entlang der Trasse. Von einem Niedergang des Stadtteils sprechen hingegen bereits viele Händler rund um Meyers Garten.

„Für uns ist der Bau der Stadtbahn gleich doppelt schädlich“, sagt Elka-Chef Gumpert. Zum einen müsse das Familienunternehmen durch die mehrere hundert Meter lange Baustelle zwischen Lahe und Schierholzstraße seit Monaten hohe Umsatzeinbußen hinnehmen. „Etliche Kunden meiden die Holperstrecke mit den vielen Ampeln, wandern in Einkaufszentren benachbarter Stadtteile ab, und eine Verbesserung ist so schnell nicht in Sicht“, sagt Gumpert und ist sich sicher, dass die Ladenbesitzer an Meyers Garten auch nach 2013 nicht durch neue Kundschaft entschädigt werden. „Der Standort wird immer unattraktiver, weil viele Läden leer stehen und der Weg in die Innenstadt mit Eröffnung der Stadtbahnstrecke noch kürzer wird.“

Alarm schlägt auch Dirk Wermter. Gemeinsam mit Ehefrau Tanja führt er zwei Modegeschäfte an der Buchholzer Straße. „Durch die Riesenbaustelle haben wir es sehr schwer“, sagt der Geschäftsmann. An der Stammkundenkartei lasse sich deutlich ablesen, dass die Frequenz durch Einkäufer aus Buchholz, Lahe und Bothfeld spürbar zurückgegangen ist. „Wir setzen deshalb verstärkt auf Sonderaktionen“, sagt Wermter.

Die Ergebnisse einer Erhebung über das Kaufverhalten seiner Kaufhauskunden veranlassen Thomas Gumpert über ein verändertes Geschäftskonzept nachzudenken. „Wir wollen uns noch mehr um die ältere Kundschaft bemühen und besondere Serviceleistungen wie Bringdienste oder die Möglichkeit, eine Kleiderauswahl in Ruhe zu Hause anzuprobieren, anbieten. Zugleich will er die Zahlen seines Unternehmens den Standort Misburg betreffend künftig noch genauer unter die Lupe nehmen. „Wir müssen abwägen, ob wir unseren auslaufenden Mietvertrag im September unter diesen Bedingungen noch verlängern oder Konsequenzen ziehen, um wirtschaftlichen Schaden abzuwenden“, beklagt der Juniorchef.

„Jede Baustelle ist lästig“, sagte Infra-Bauleiter Martin Vey auf Nachfrage des Stadt-Anzeigers, sieht die Ursache für die missliche Entwicklung des Stadtteils aber nicht im Stadtbahnbau. Man könne schließlich keinesfalls davon ausgehen, dass die Bothfelder, Buchholzer oder Menschen aus der List gezielt zum Einkaufen nach Misburg fahren, so Vey. „Die meisten Menschen erledigen Besorgungen doch ohnehin in ihrem Stadtteil – oder eben in der City“, so Vey. Der zweite Bauabschnitt, betonte der Bauleiter, könne allerdings zumindest von Seiten der Infra voraussichtlich ohne größere Einschränkungen und Behinderungen des Verkehrs abgearbeitet werden. „Unklar bleibt hingegen, inwieweit die erforderlichen Leitungsarbeiten den Verkehrsfluss zwischen Lahe und Misburg beeinträchtigen.“

Tanja Piepho