Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Ost Hilferuf von Anwohnern bleibt ungehört
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Hilferuf von Anwohnern bleibt ungehört
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:15 21.07.2012
Von Andreas Schinkel
Nur noch ein Trümmerfeld: Der Bunker in der Lönsstraße ist abgerissen. Währenddessen waren die Anlieger aber wochenlang Lärm ausgesetzt. Sie kritisieren, dass ihre Anliegen von den Verwaltungen nicht ernst genommen werden. Quelle: Anastassakis
Anzeige
Zooviertel

„Unser Hilferuf vom 3. Juli an die Stadt und die Fraktionen im Bezirksrat ist ohne Antwort geblieben“, sagte Anwohner Ludwig Meyer. Dabei wäre eine Unterstützung wichtig gewesen. So habe erst ein Gericht die Sache regeln müssen.

Tatsächlich hatte das Verwaltungsgericht Hannover kürzlich einer Anwohnerklage Recht gegeben. Der Abriss des Bunkers im Zooviertel, den die Firma Hochtief veranlasst, um auf dem Grundstück Wohnungen zu bauen, sei entschieden zu laut. Die Region als zuständige Behörde müsse sicherstellen, dass der Schalldruck die gesetzlich fixierten Grenzwerte einhalte. Kläger Meyer hatte selbst ein Lärmgutachten erstellen lassen, weil ihm die Region ihre Unterstützung versagte. Spitzenwerte von mehr als 104 dB (A) wurden in seiner Wohnung gemessen. Eine Spezialfirma hatte die dicken Bunkerwände zunächst mit gezielten Sprengungen erschüttert, danach zertrümmerten Arbeiter die zwei Meter dicke Bodenplatte des Relikts aus dem Zweiten Weltkrieg.

Anzeige

Die Stadtverwaltung zieht sich angesichts der Kritik im Bezirksrat darauf zurück, nicht zuständig zu sein. „Die Lärmschutzrichtlinien kann die Stadt nicht exekutieren“, sagt Planer Andreas Zunft. Das wollen die Anwohner nicht gelten lassen – schließlich sei die Verwaltung an dem gesamten Bauvorhaben beteiligt gewesen. „Wir fühlen uns von den Behörden von Anfang an nicht richtig informiert“, moniert eine Anwohnerin. Zunft kontert, es liege im Ermessen des Bauherrn, also Hochtief, die Anwohner zu informieren. Zwei Bürgerversammlungen hat Hochtief in der Tat organisiert, dort aber sei die Lärmproblematik heruntergespielt worden, berichten die erzürnten Bewohner des Zooviertels.

Die Schallwellen dürften sich jetzt glätten, denn die Abrissarbeiten sind nach Angaben der Stadt beendet. Nun folgt bis Monatsende der Abtransport des Betons. Offen ist noch, ob die Einwohnerschaft Ersatz für einen Spielplatz bekommt, der der Bebauung zum Opfer fällt. Nach Angaben von Bezirksmanagerin Claudia Göttler will die Verwaltung den Spielplatz an der nahe gelegenen Dickensstraße erwerben, der sich noch im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben befindet. Zwar sei ein Angebot abgegeben worden, noch aber habe sich die Bundesanstalt nicht geäußert. Der Plan der Stadt ist, den vernachlässigten Platz an der Dickensstraße wieder aufzumöbeln, sodass er für Kinder wieder attraktiv wird.

16.07.2012
Mathias Klein 15.07.2012
Anzeige