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Ost Innenministerium verkauft 13 Bunker in Hannover
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Innenministerium verkauft 13 Bunker in Hannover
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07:39 15.09.2010
Von Conrad von Meding
Käufer gesucht: Als erster von 13 Bunkern im Stadtgebiet steht der Betonbau in der Lönsstraße zum Verkauf. Quelle: Coinrad von Meding
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Der Bund macht Ernst: Weil kaum noch jemand mit dem Ausbruch eines Kriegs herkömmlichen Typs rechnet, trennt sich das Innenministerium von sämtlichen 13 Bunkern, die in Hannover noch nicht aus der Zivilschutzbindung entlassen sind. Alle sollen nach und nach verkauft werden. Den Auftakt macht der Hochbunker im Zooviertel, der jetzt mitsamt benachbartem Spielplatz zum Preis von 500.000 Euro zum Verkauf steht.

An mehreren Beispielen in Hannover lässt sich besichtigen, wie Luftschutzbunker erfolgreich in Wohnhäuser umgebaut wurden. Der Aufwand ist allerdings wegen der extrem kräftigen Bauweise nicht unerheblich, allein das Schneiden von Fensteröffnungen in den häufig meterdicken Beton ist ein aufwendiges und teures Vorhaben. Aber auch ein Abriss ist nicht einfach, wie an der Haltenhoffstraße zu sehen ist. Dort waren nach dem Krieg mehrere Versuche unternommen worden, das Bunkerbauwerk nachhaltig zu zerstören – mit mäßigem Erfolg. In den meisten der insgesamt 34 hannoverschen Bunker (21 davon gehören der Stadt und werden weitgehend neu genutzt) finden daher Nutzungen statt, die keine größeren Umbauten erfordern, zum Beispiel als Musikerübungsräume, Feuerwehrlager oder Trainingsareal für Schützen.

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Der Bunker Lönsstraße dürfte mit seiner Lage im attraktiven Zooviertel noch am ehesten einen stattlichen Verkaufserlös erzielen. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hofft auf 500.000 Euro – ob es Bieter gibt, soll sich bis Anfang November zeigen. Das Wertvollste an dem Objekt ist das 2346 Quadratmeter große Grundstück, das zwischen typischen Stadthäusern der zum modernen Wohnpark umgebauten, ehemaligen HNO-Klinik und dem einzigen Hochhaus des Zooviertels an der Ellernstraße liegt. Baurechtlich allerdings nutzt der Bunker das Grundstück vollständig aus, wie der hannoverschen Abteilungsleiter der Bundesanstalt, Gerd Deyhle, betont. Neubauten sind daher auf dem Grundstück nur zulässig, wenn der Bunker oder zumindest Teile von ihm abgerissen werden. Und das dürfte als aufwendiges Unterfangen gelten.

Im Inneren umfasst das 1943 gebaute Bauwerk inklusive Keller vier Stockwerke mit 1650 Quadratmetern Nutzfläche. Das Flachdach ist in einem trostlosen Zustand, im Keller sammelt sich in einem Raum Wasser. Laut Bebauungsplan sind nur Wohnnutzungen, kleine Läden und handwerkliche Kleinbetriebe zulässig. Den angrenzenden Spielplatz hat die Stadt auf der ihr überlassenen Fläche eingerichtet, über seine Zukunft müsste verhandelt werden. Der Boden darunter ist mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen kontaminiert, der bei einem Neubau in jedem Fall saniert werden müsste. Ob es am Ende bei den 500 000 Euro Erlös bleibt, ist offen.

Dienstag gibt es von 9.30 bis 12 Uhr Führungen durch den Bunker für Interessenten. Anmeldungen sind nötig unter Telefon (05 11) 6 74 42 56.

Manuel Becker 14.09.2010
Veronika Thomas 09.09.2010
Susanna Bauch 09.09.2010