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Ost Kulturtreff Roderbruch wird 30
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Kulturtreff Roderbruch wird 30
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10:51 15.05.2014
Der Philippinisch-Deutsche-Freundschaftskreis Hannover mit seiner Tanzgruppe fühlt sich im Kulturtreff wie zu Hause.
Der Philippinisch-Deutsche-Freundschaftskreis Hannover mit seiner Tanzgruppe fühlt sich im Kulturtreff wie zu Hause. Quelle: Marcel Schwarzenberger
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Groß-Buchholz

12. Mai 1984: In einer Tiefgarage am Nobelring 3a eröffnet eine Gruppe Enthusiasten mit dem Kulturtreff Roderbruch etwas Neuartiges in Hannover. Erstmals gibt es eine Freizeit- und Bildungseinrichtung, die zwar mit städtischem Geld ausgestattet wurde - in der aber Bürger für Bürger eigenverantwortlich Stadtteilkultur anbieten. Ein Konzept, das der Not entsprungen ist: Hannover hat kein Geld mehr für klassische, von der Stadt betriebene Freizeitheime - sieben solcher Einrichtungen gibt es Ende der siebziger Jahre, 13 hätten es werden sollen. Im Osten Hannovers ist es die Bürgergemeinschaft Roderbruch, die das „Modell Kulturtreff“ von der Tiefgarage aus startet.

„Das war Pionierarbeit“, erinnert sich der damalige Vorsitzende und heutige Vizechef des Vereins, Ingomar Conrad. Der Kulturtreff, der am vergangenen Sonnabend mit einem großen Fest sein 30-jähriges Bestehen feierte, ist längst zum Vorbild für ähnliche Einrichtungen in anderen Stadtteilen geworden.

Vor allem Bewohner des Roderbruchs und benachbarter Stadtteile in Groß-Buchholz nahmen das Angebot dankend an. „Wir sind unheimlich schnell gewachsen“, sagt Geschäftsführerin Petra Volk, die seit 1985 dabei ist. Vieles wurde anfangs probiert - Kurse, Konzerte und Workshops zum Beispiel. Heute gibt es ein dickes Programmheft und 35 Kursusleiter für Angebote wie Kunst, politische Diskussionen und Literaturabende. Oder sie machen Musik und bringen Jugendlichen wie Senioren das Spiel auf Instrumenten oder in einer Band bei.

Musiklehrer Jens Burgdorf macht so etwas. Bei der Feier am Sonnabend ließ er die Schüler Hannes, Marvin und Malte vor Publikum üben. Zwei von ihnen besuchen die Integrierte Gesamtschule (IGS) Roderbruch. „Der Kulturtreff ist in der Nähe. Wir sind zur Probestunde gegangen und sind nun dabei“, berichtete Hannes. Drei Bands gibt es im Kulturtreff, die auch öffentlich auftreten. Wie die 120 jungen Balletttänzer, die derzeit bei Kursusleiterin Valentina Kampf ausgebildet werden. Seit acht Jahren bringt sie ihren Schülern das elegante Bewegen auf der Bühne bei. Im Juli treten 70 der Ballettkinder beim Stück „Dornröschen“ nach Peter Tschaikowski auf. Solche Veranstaltungen nicht mitgezählt, gibt es im Kulturtreff jede Woche Angebote für bis zu 1000 Teilnehmer.

Die Tiefgarage am Nobelring war nur die erste Station des Kulturtreffs. Das Gebäude, das zeitweise auch einen Edeka-Markt beherbergte, gehörte damals einer Versicherung. Die Firma Gundlach verwaltete die Anlage, stellte sie praktisch mietfrei zur Verfügung und half bei den Umbauarbeiten. Weil der Eigentümer aber eine nötig gewordene Rundumerneuerung nicht vornahm, bekam der Kulturtreff ein Schimmelproblem - und bezog 2002 einen Trakt der IGS Roderbruch, in dem auch ein Jugendzentrum, die Stadtteilbücherei und die Primarstufe der Schule untergebracht sind.

Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok, prominenter Gast bei der Feier, lobte die Arbeit des Vereinsvorstands, der mehr als 30 Köpfe zählenden Gruppe ehrenamtlicher Helfer und des hauptamtlichen Teams um Petra Volk. Der Kulturtreff habe „gezeigt, wie so ein Konzept funktioniert“, sagte Schostok. Ein Lob, das die Bürgergemeinschaft gern annahm. Doch Vereinsvize Conrad verkniff sich nicht einen Hinweis auf die aktuelle finanzielle Lage. Er warnte vor einer „finanziellen Ausdünnung“ der Stadtteilkulturarbeit. Das fasste Geschäftsführerin Volk in Zahlen: 2013 gab der Kulturtreff 410 000 Euro aus, davon finanzierte die Stadt 180 000 Euro - dies ist der seit Jahren weitgehend stagnierende städtische Betriebskostenzuschuss.„Den Rest haben wir selbst verdient“, sagte Volk. Mit Spenden, den Beiträgen der 100 Vereinsmitglieder, mit Eintrittsgeld und Kursusgebühren. Und weil die Kosten stetig steigen, der städtische Zuschuss aber nicht, schmelzen vor Jahren angesammelte Rücklagen. „Die sind 2015 aufgebraucht“, kündigte Volk an. Spätestens dann müsse es eine langfristige Lösung geben. Steigende Gebühren sieht sie angesichts der nicht eben üppigen Einkommenssituation der meisten Anwohner nicht als alleinige Möglichkeit, die Finanzlücke zu füllen. Auch das Programm soll nicht schmaler werden. Volk und der Vereinsvorstand wollen daher die Stadt stärker in die Pflicht nehmen. Eine Erhöhung des städtischen Zuschusses - dieses Projekt wird wohl die Arbeit des Kulturtreffs in seinem 31. Jahr bestimmen.

Marcel Schwarzenberger

Anne Grüneberg 17.05.2014
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