Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Ost AWO lädt zum Erzählnachmittag
Hannover Aus den Stadtteilen Ost AWO lädt zum Erzählnachmittag
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
18:00 06.12.2018
Erzählnachmittag in der List: Im Vordergrund die Organisatorinnen Christiane Adolph und Stephanie Böhm. Quelle: Lisa Neugebauer
Anzeige
List

Betrüger, Künstler, Geschäftsmänner – die Menschen im Stadtteil List haben schon viel gesehen und erlebt. Um die Geschichten, die sie erzählen können, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, hat die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Anwohner zu einem Erzählnachmittag in die Gottfried-Keller-Straße eingeladen.

Die Idee kam von Stephanie Böhm und Christiane Adolph vom Quartiersmanagement. In einem gemütlichen Ambiente wollen die beiden Frauen verschiedene Menschen zusammenbringen, die von ihren Erlebnissen im Stadtteil berichten und Ideen entwickeln, wie man das Leben in der Nachbarschaft noch besser gestalten kann. „Ich finde es wichtig, dass das Wissen nicht verloren geht“, sagt Adolph. „Erinnerungen sind Schätze.“

Anzeige

Spannende Geschichten

Zu Kaffee und Kuchen sind acht Frauen und Männer gekommen, um sich über ihre Erlebnisse auszutauschen. Die meisten der Besucher wohnen schon immer oder seit mehr als 40 Jahren in der List. Dementsprechend spannende Geschichten haben sie mitgebracht.

Heidi zum Beispiel hatte in der Kleingartenanlage, die sich im Stadtteil befand, eine Parzelle, die eigentlich niemand haben wollte. „Da war ein Fichtenwald drauf und eine Hütte, die nur noch von einem Birnenbaum gehalten wurde“, sagt sie. Als sie anfing, den Garten umzugraben, kamen erstaunliche Dinge zutage: „Stapelweise Hefte der Zeugen Jehovas haben wir rausgeholt“, erzählt Heidi. „Die hatten wahrscheinlich keine Lust die alle zu verteilen.“

Geschichten wie diese werden an diesem Abend lebendig erzählt. Die Besucher scheinen große Freude daran zu haben. Besonders hitzig sind aber die Gespräche über alte Geschäfte, abgerissene Gebäude oder ehemalige Bewohner des Stadtteils. Die vielen Veränderungen im Stadtbild, die die Anwohner mitbekommen haben, können sie nicht mehr zählen.

„In der Erinnerung an die alten Zeiten schwingt teilweise auch eine Wertschätzung für die Gegenwart mit“, sagt Adolph. Denn einiges hat sich auch zum Guten entwickelt: Wohnungen sind größer geworden und vor allem die Etagenheizung war eine echte Errungenschaft. Doch vieles bedauern die Anwohner auch.

Besonders schwer zu schaffen macht ihnen der Umgang mit den „jungen Leuten“. Da gebe es viele, die im Hausflur „gerade mal so grüßen“, aber sonst keinen Kontakt mit den Nachbarn wollen. „Alles ist so anonym geworden“, sagt Rolf. Das habe natürlich auch damit zu tun, dass die jungen Nachbarn viel arbeiten und oft die Wohnung wechseln. „Dieses Rein-raus-rein-raus gab es bei uns nicht“, sagt Rolf. Auch Unordnung und Müll seien im Wohnhaus normal.

Stephanie Böhm fragt zum Abschluss nach den Wünschen der Anwohner. Mehr Kontakt zu den jungen Menschen zu bekommen, steht ganz oben auf der Liste. Vielleicht kann ja einer der nächsten Erzählnachmittage dafür genutzt werden, denn die Quartiersmanagerinnen wollen das auf jeden Fall wiederholen. Es wurden noch lange nicht alle Geschichten erzählt.

In der Erinnerung an die alten Zeiten schwingt teilweise auch eine Wertschätzung für die Gegenwart mit.

Von Lisa Neugebauer

06.12.2018
26.11.2018
Anzeige