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Ost Musikkneipe Pupille droht das Aus
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Musikkneipe Pupille droht das Aus
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22:21 25.03.2012
Der Institution in der Kleinen Pfahlstraße das Aus.
Der Institution in der Kleinen Pfahlstraße das Aus. Quelle: von Ditfurth
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Oststadt

Eigentlich hätte der 56-Jährige die Gaststätte, in der jeden Mittwoch Livemusik geboten wird, bereits zum 31. Dezember des vergangenen Jahres verlassen sollen. Berchid, der die Pupille seit 28 Jahren betreibt, weigert sich jedoch zu gehen – daher läuft derzeit die Räumungsklage.

Hintergrund sind seit Jahren anhaltende Auseinandersetzungen zwischen der Hauseigentümerin, die im gleichen Gebäude lebt, und dem Gastwirt. „Der Wirt zahlt seit Jahren zu wenig Miete“, behauptet Vermieterin Esther Laprell. „An dem Gebäude ist schon ewig nichts gemacht worden, der Keller und die Toiletten müssen unbedingt renoviert werden“, erklärt Kneipier Berchid. Doch damit nicht genug: Immer wieder gipfelt der Konflikt in absonderlichen Anschuldigungen. „Die Hausbesitzerin hat sogar schon behauptet, ich würde in meiner Kneipe Drogen verkaufen und Strom von anderen Hausbewohnern abzapfen“, sagt der Chef der Pupille. „Uns ist bereits mehrfach Hundekot in den Briefkasten gesteckt worden. Ich kann zwar nicht beweisen, wer der Übeltäter war, ich habe aber einen Verdacht“, teilt Immobilienbesitzerin Laprell mit.

Weltstars wie die Bluesmusiker Johnny Guitar Watson und Champion Jack Dupree haben bereits auf der Bühne der Oststädter Kneipe Pupille gestanden. Jetzt droht der Institution in der Kleinen Pfahlstraße das Aus. Die Hauseigentümerin hat Kneipenwirt Abdel Berchid gekündigt.

Mehrfach hat sie verschiedene Gerichte wegen der diversen Streitereien rund um die Kneipe angerufen. Bislang wurden die Prozesse aber in keinem Fall zu ihren Gunsten entschieden. Vor knapp zwei Wochen eskalierte die Situation vor der Pupille. Es kam zu Handgreiflichkeiten zwischen der Hauseigentümerin und einer engen Bekannten des Wirtes. Das Ergebnis: Die Polizei musste einschreiten. Zudem liegen zwei Strafanzeigen vor, jeweils wegen Körperverletzung. „Die Situation hier im Haus hat mich krank gemacht“, sagt Abdel Berchid. Schlafstörungen und Diabetes hat sein Arzt erst kürzlich bei dem 56-Jährigen diagnostiziert. Auch bei Esther Laprell haben die Streitereien Spuren hinterlassen: „Meine Nerven liegen blank, ich fühle mich in meinem eigenen Haus schon lange nicht mehr sicher.“

Eine Lösung des Konflikts scheint nicht in Sicht, obwohl sich inzwischen auch zahlreiche Stammgäste Gedanken darüber gemacht haben, welchen Beitrag sie zur Rettung der Kneipe leisten können. Es gab bereits Unterschriftenaktionen gegen die Biotonnen, die die Hauseigentümerin vor nicht allzu langer Zeit direkt neben dem Eingang zur Gaststätte postiert hat. Auch eine Protestkundgebung vor dem Rathaus ist bereits diskutiert worden. Pupille-Wirt Berchid hat derweil zwar angekündigt, erst den Ausgang der Räumungsklage abwarten zu wollen, bevor er eine Entscheidung über sein weiteres Vorgehen treffen will. Insgeheim hat er sich aber nach einem neuen Standort für seine Kneipe umgesehen. „Wir waren in mehreren Objekten in Linden und auch in anderen Stadtteilen, die auf den ersten Blick ganz passabel waren, aber eigentlich gehört die Pupille in die Oststadt“, sagt er.

25.03.2012
Christian Link 25.03.2012