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Ost Muslimische Maria im Krippenspiel
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Muslimische Maria im Krippenspiel
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11:45 02.01.2015
Fans des Fests: Fatma Dogan mit ihren Kindern Jasmin, Mazlum, Memet Andreas und Lorin (v. l.). Quelle: Jan Philipp Eberstein
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Hannover

Als Fatma Dogan vor elf Jahren aus dem türkischen Antalya nach Deutschland kam, hatte sie mit Weihnachten noch nicht viel im Sinn. Als gläubige Muslimin hat sie das christliche Fest in ihrer Heimat nie gefeiert. Das änderte sich in Deutschland. Die heute 39-Jährige heiratete, brachte vier Kinder zur Welt und fand im Sahlkamp ein neues Zuhause. Heute lebt sie mit der kleinen Lorin (2), Jasmin (9) und den beiden Jungs Memet Andreas (10) und Mazlum (8) in einer kleinen Wohnung eines Hochhauses. In einer Ecke des Wohnzimmers ist der Tannenbaum geschmückt und mit elektrischen Kerzen bestückt, auf dem Wohnzimmertisch steht ein Hexenhäuschen aus Süßigkeiten, ein Geschenk der Nachbarn. „Meine Kinder bekommen durch den Kindergarten und die Schule mit, dass fast alle Menschen in Deutschland Weihnachten feiern. Deshalb will ich ihnen das auch ermöglichen“, sagt die Mutter.

Wenn Fatma Dogans Kinder über Weihnachten sprechen, beginnen ihre Augen zu glänzen. „Ich finde es toll, dass in der Adventszeit so viele Kerzen und Lichter leuchten. Außerdem gibt es viele Süßigkeiten, und in der Schule basteln wir Weihnachtssachen“, erzählt Jasmin. Auch die kleine Lorin mag die Lichter, aber noch lieber das gemeinsame Singen im Kindergarten. „Mein Lieblingslied ist ‚Oh Tannenbaum‘“, sagt sie und stimmt das Lied an, während sie sich an ihre Mutter schmiegt. Die 39-Jährige ist alleinerziehende Hausfrau, versucht aber ihren Kindern so viele Wünsche wie möglich zu erfüllen. „Ich habe allen einen Adventskalender gekauft, und auf dem Weihnachtsmarkt waren wir auch“, erzählt sie. Außerdem will die Familie dringend bald gemeinsam Schlittschuhlaufen gehen.

Auch wenn die Dogans nicht dem christlichen Glauben angehören, besuchen sie Weihnachten die Messe in der evangelisch-lutherischen Epiphanias-Kirchengemeinde. Im vergangenen Jahr haben Jasmin und Mazlum sogar beim Krippenspiel mitgespielt - Jasmin als „Maria“ und Mazlum als „Wolf“. „Das hat sehr großen Spaß gebracht. Ich mag es, in andere Rollen zu schlüpfen“, sagt der Achtjährige. Zu essen gibt es bei Familie Dogan an Heiligabend ein Festessen mit Pute, Reis, Nüssen, Bohnen und Sultaninen. Außerdem bereitet die Mutter für ihre Kindern eine Bescherung vor. „Ich wünsche mir viele Blumenbänder und ein Furby-Kuscheltier. Aber ob ich das auch bekomme, weiß ich natürlich noch nicht“, sagt Jasmin.

In ihrem gelernten Beruf als Schneiderin kann Fatma Dogan derzeit nicht arbeiten, sie ist aber im Stadtteil sehr aktiv. „Ich besuche einen Deutschkurs, einen Koch- und einen Schmuckkurs.“ Außerdem geht die Alleinerziehende regelmäßig zum Frauentreffen im Stadtteiltreff Sahlkamp. Sie fühlt sich in Hannover wohl. „Natürlich vermisse ich manchmal meine Heimat, aber wir haben hier ein neues Zuhause, meine Kinder können zur Schule gehen, und ich habe viele Freunde gefunden“, bilanziert sie. Und vielleicht, so hofft Fatma Dogan, werde sie bald wieder als Schneiderin arbeiten.

Von David Sarkar

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