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Sahlkamp/Bothfeld: Was wird nun aus General Wever?

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00:16 14.06.2019
Um die Zukunft des Namens General-Wever-Straße ringen derzeit die Politiker im Bezirksrat Bothfeld-Vahrenheide. Die wissenschaftliche Kommission, die sich mit den hannoverschen Straßennamen beschäftigt, empfiehlt eine Umbenennung. Quelle: Foto: Tim Schaarschmidt
Sahlkamp/Bothfeld

Die Zukunft der General-Wever-Straße hat den Bezirksrat Bothfeld-Vahrenheide in seiner jüngsten Sitzung einmal mehr beschäftigt. Unter den Politikern herrschte Uneinigkeit darüber, wie mit der Umbenennungsempfehlung des einberufenen Beirats „Wissenschaftliche Betrachtung von namensgebenden Persönlichkeiten“ umgegangen werden soll. Ein Antrag der CDU-Fraktion, den Straßennamen beizubehalten und durch eine erklärende Legendentafel zu ergänzen, wurde mehrheitlich abgelehnt. Einen politischen Vorstoß zur Umbenennung gab es allerdings in der Bezirksratssitzung auch noch nicht.

„Besser als eine Umbenennung wäre eine erklärende Informationstafel, die kritisch und nicht verklärend mit der historischen Person Walther Wever und der Zeit des Nationalsozialismus umgeht. Der alte Straßenname würde somit zu einem Instrument der Geschichtspolitik und der Erinnerungskultur werden“, begründete Eike Bredow (CDU) den Vorstoß seiner Fraktion. Der Antrag wurde allerdings mit sechs Jastimmen gegen zehn Nein-stimmen abgelehnt. Dabei votierten die CDU-Fraktion und die Einzelvertreter von FDP und AfD dafür, während die Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen ihn ablehnten.

Wever war „schwierige Person“

„Die Straße muss umbenannt werden“, erklärte Christopher Steiner (Bündnis 90/Die Grünen). Es gebe keine fachlichen Argumente gegen eine Umbenennung, betonte der Grünen-Fraktionsvorsitzende. Auch die SPD-Fraktion lehnte es ab, den Straßennamen beizubehalten. „Wenn ein Bürger seinen Namen für eine Straße gibt, dann ist das eine Ehre – und aus unserer Sicht ist das jetzt nicht mehr haltbar“, erklärte Klaus Hedrich (SPD). Die sozialdemokratische Fraktionsvorsitzende Claudia Heinrich befand zudem, dass sich allein mit einem Hinweisschild der „sehr schwierigen Person Walther Wever“ nicht gerecht werden lasse. Der Bezirksrat müsse sich zwar bemühen, dass die Bevölkerung über dessen Leben und Tun informiert werde – doch nicht auf diesem Weg, sagte Heinrich.

„Wir sind dafür, dass wir kritisch über diese Namen sprechen“, erklärte Eike Bredow (CDU). Ansonsten werde die Straße umbenannt – und die Diskussion vielleicht dann wieder vergessen, fügte er hinzu und erklärte so das Ansinnen seiner Fraktion, ein Legendenschild anzubringen. AfD-Einzelvertreter Frank Jacobs erklärte, er halte nichts davon, die Straße umzubenennen. Martin Mader (CDU) argumentierte aus Sicht der Bewohner der Straße: „Ich bin immer für Bestandsschutz. Ich denke an die Bürger, die an dieser Straße wohnen. Es sollte eine Art Bürgerbefragung geben oder möglich sein, dass sich die Anwohner einbringen können.“

Vorstoß zur Umbenennung folgt

Wolfgang Butz (FDP) hatte unterdessen noch ein ganz anderes Anliegen vorzubringen. Denn der nun zur Abstimmung gebrachte Antrag der CDU-Fraktion war schon in der vorangegangenen Sitzung des Bezirksrats Ende März auf der Tagesordnung gewesen. Damals zogen die Grünen ihn zur Beratung in die Fraktion zurück. Ein entsprechender Gegenantrag lag nun zur jüngsten Sitzung des Gremiums allerdings nicht vor. „Ich hatte die Hoffnung, dass die Umbenennung in die eine oder andere Richtung heute beschlossen wird“, ärgerte sich Butz. „Wir müssen doch in der Lage sein, das relativ kurzfristig zu entscheiden“, meinte der Liberale. Grünen-Fraktionschef Steiner versicherte jedoch, dass es definitiv noch eine politische Initiative geben werde – und zwar zur Umbenennung der General-Wever-Straße.

Kein Mitglied der NSDAP

Walther Wever war zwar kein Mitglied der NSDAP, hatte aber ab dem Jahr 1933 als Zivilist in verdeckter Mission die Militärluftfahrt in Deutschland mit ausgebaut. Nach der offiziellen Gründung des Luftfahrtministeriums 1935 war er der dritte Entscheidungsträger in dieser Behörde. In seinen Zuständigkeitsbereich fielen Personal, Organisation und Ausbildung. Er starb allerdings schon 1936 bei einem Flugzeugunglück. Die Benennung der General-Wever-Straße ist laut dem wissenschaftlichen Beirat eine Ehrung Wevers durch die Nationalsozialisten gewesen.

Mehr zum Thema lesen Sie unter:

Enkel kämpft gegen Umbenennung

Von Laura Ebeling

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