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Ost Senioren kehren nach Brand in ihre Wohnungen zurück
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Senioren kehren nach Brand in ihre Wohnungen zurück
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19:21 30.04.2013
Von Stefanie Kaune
Bewohnerin Liselotte Köppen freut sich, dass sie wieder in ihre Wohnung zurück kann. Quelle: Tobias Kleinschmidt
Bothfeld

Andreas Dittmar trägt dieser Tage eine sehr spezielle Arbeitsgarderobe. Der Elektroinstallateur steckt in einem weißen Ganzkörperanzug, der nur das Gesicht frei lässt - es sei denn, Dittmar lupft kurz seine Kapuze. Über Nase und Mund prangt eine Atemschutzmaske, lediglich Augen und Stirn sind zu sehen. So ausgerüstet, arbeitet der Fachmann zusammen mit vier Kollegen an den verschmorten Elektroleitungen im völlig verrußten Keller der Seniorenwohnanlage am Bothfelder Prinz-Albrecht-Ring. Am Montag vor einer Woche waren nach den Ermittlungen der Polizei Brandstifter in dem Keller am Werk, nun muss die komplette Hauselektrik wieder hergestellt werden. Der Brandgeruch hängt noch immer in der Luft, aber mittlerweile sind fast alle Bewohner wieder eingezogen. 39 Senioren waren am Tag des Feuers evakuiert worden.

Die Feuerwehr hatte den Brand am späten Mittag des 22. April zwar schnell im Griff. Doch im Keller verlaufen alle elektrischen Leitungen, und die wurden völlig zerstört. Mindestens 50000 Euro beträgt der Schaden. Nichts ging mehr in der Wohnanlage: Fahrstuhl, Licht, die Warmwasserversorgung, Klingel - alles außer Funktion. „Die Bewohner konnten unter diesen Umständen erst einmal nicht in ihre Wohnungen zurück“, sagt Stefan Sawade, Fachbereichsleiter bei den Johannitern für betreute Wohnangebote. Am Ende ist dann alles vergleichsweise gut ausgegangen. Zwei Seniorinnen mussten wegen einer leichten Rauchvergiftung im Krankenhaus behandelt werden, alle anderen waren wohlauf. „Es ist schön, dass es allen gut geht - man fragt ja so herum“, sagt die 89-jährige Liselotte Köppen. Sie konnte bereits am Abend des zweiten Tages nach dem Brand wieder in ihre Wohnung, vorübergehend war sie bei ihrer Tochter untergebracht. „Die wohnt nicht weit entfernt in der Schierholzstraße und hat genug Platz im Haus.“

Nur fünf Wohnungen können zurzeit noch nicht genutzt werden. „Bei mir läuft alles wieder, auch mein Telefon und mein Computer“, freut sich Liselotte Köppen, der man ihr Alter nicht ansieht. Ruhig und gefasst wirkt sie, als sie vom Tag des Brandes erzählt. Angst oder Panik habe sie nicht verspürt. „Wir wurden ja rechtzeitig informiert und aus dem Haus geholt.“ Der Qualm aus dem Kellerfenster sei zwar „gewaltig“ gewesen. „Aber da waren wir ja schon in Sicherheit.“ Gisela Schaar, 82 Jahre, hat die Situation ähnlich erlebt. Sie habe einfach ihre Handtasche „mit dem Wichtigsten“ genommen und sei vor die Tür geeilt. „Das war sogar ganz interessant, als da die vielen Einsatzfahrzeuge von der Feuerwehr standen.“ Schnell sei klar gewesen, dass der Brand sich auf den Keller beschränkte. „Und draußen haben sich die jungen Leute gleich so gut um uns gekümmert.“

Die „jungen Leute“ sind die Johanniter. Sie bieten als Kooperationspartner der Betreiberfirma Michel Haus aus Neumünster Hilfs- und Serviceleistungen in der Seniorenwohnanlage an, in der die Bewohner ansonsten eigenständig leben. Kaffee und Kuchen wurden auf der Rasenfläche vorm Haus serviert, Decken verteilt und beruhigende Gespräche geführt. „Wir waren erstaunt, wie ruhig die Leute waren“, sagt Sawade. „Gott sei Dank war das Wetter schön, das ging also alles“, meint Gisela Schaar. Die Johanniter waren am Tag des Brandes auch dafür zuständig, Zwischenunterkünfte für die Bewohner zu finden, nachdem sich am späten Nachmittag herausstellte, dass die Wohnungen aufgrund der Schäden an der Hauselektrik vorerst nicht genutzt werden konnten.

13 Bewohner wurden in Hotels einquartiert, für 16 gebrechliche Personen organisierten die Johanniter Kurzzeitpflegeplätze in vier Heimen, die übrigen kamen bei Angehörigen unter. Gisela Schaar gehört zu denjenigen, die zwei Nächte im Groß-Buchholzer „GHotel“ verbracht haben. „Wichtig war, dass wir vorher noch einmal in die Wohnungen durften, um unsere Medikamente, Wäsche und so weiter zu holen“, sagt sie. Am ersten Abend im Hotel sei dann bereits die Stimmung für Scherze gewesen: „Wir haben beim Abendessen gesagt, dass wir jetzt eine Art Betriebsausflug machen.“

Dass alles am Ende glimpflich verlaufen ist, schreibt Sawade zuerst Hausmeister Klaus Thomas zu, der seit zehn Jahren für die Anlage zuständig ist. Thomas hatte im Keller gearbeitet und das Feuer bemerkt. Als ihm klar wurde, dass er mit einem Feuerlöscher nichts mehr ausrichten konnte, alarmierte er die Feuerwehr und das Servicebüro der Johanniter. Der Hausmeister habe genau richtig agiert - ruhig und entschlossen, sagt Sawade. Thomas dagegen will kein Lob. „Es war reiner Zufall, dass ich im Keller war. Ich habe nicht groß nachgedacht, sondern einfach automatisch gehandelt“, meint er. Und als es darum gegangen sei, die Senioren schnell aus den Wohnungen zu holen, hätten sich vor allem Heidi Taute und Gaby Dettmann von den Johannitern hervorgetan. Bei der Hilfsorganisation hält man Thomas dennoch für einen stillen Helden des Alltags: Die Johanniter haben ihn für den Hans-Dietrich-Genscher-Preis vorgeschlagen, mit dem sie Menschen mit Zivilcourage ehren.

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