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Ost Auf der Bühne ist Platz für alle
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Auf der Bühne ist Platz für alle
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14:12 23.04.2014
Von Nadine Wolter
Freuen sich auf den großen Auftritt: Die „Tanzmäuse“ bringen zusammen mit anderen Gruppen der Schreberjugend ein Ritter-Rost-Musical auf die Bühne des Theaters im Aegi.
Freuen sich auf den großen Auftritt: Die „Tanzmäuse“ bringen zusammen mit anderen Gruppen der Schreberjugend ein Ritter-Rost-Musical auf die Bühne des Theaters im Aegi. Quelle: Felix Schledding
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Hannover

Jeden Donnerstag am späten Nachmittag wird es laut im Nachbarschaftstreff List NordOst in der Gottfried-Keller-Straße. Dann sind dort die „Tanzmäuse“ in Aktion. 25 gut gelaunte Kinder, Jugendliche und Erwachsene lassen zusammen mit ihrer Trainerin Pompons zur Musik rascheln, schwirren durch den Probenraum, hüpfen und drehen sich. Sie proben regelmäßig im Nachbarschaftstreff, den die Schreberjugend Hannover betreibt. Wer zuschaut, merkt erst auf den zweiten Blick, dass es sich um eine besondere Gruppe handelt. Denn bei den „Tanzmäusen“ tanzen auch behinderte Kinder ganz selbstverständlich mit. Und sie alle stehen jetzt vor ihrem großen Auftritt: Gemeinsam mit anderen Gruppen der Schreberjugend bringen sie Ende des Monats eine Musicalfassung der beliebten Geschichten von „Ritter Rost“ auf die Bühne des Theaters am Aegi.

Etwa 100 Akteure werden am 27. April vor mehr als 1000 Zuschauern die Abenteuer von Ritter Rost, dem Burgfräulein Bö und dem Drachen Koks tanzend und singend ihrem Publikum präsentieren. Eltern, Freunde, Verwandte und Bekannte scheinen ausgesprochen neugierig auf die Vorstellung zu sein: Das Theater am Aegi ist schon lange ausverkauft. Ingo Ramberg, Geschäftsstellenleiter der hannoverschen Schreberjugend und Initiator des Musicalprojekts, hat mittlerweile eine lange Liste von Interessenten erstellt, die noch auf frei werdende Karten warten. Neben den „Tanzmäusen“ stehen im Aegi auch der Fanfarenzug, die „Musicalkids“, „Schrebers Komödianten“ und die Cheerleader der Gruppe „Berggarten“ auf der Bühne.

Es ist das erste große Gemeinschaftsprojekt der unterschiedlichen Gruppen. Bisher waren vor allem die „Musicalkids“ auf die Aufführung von „Ritter Rost“ spezialisiert. Diese Vorstellungen waren in der Vergangenheit immer so gut besucht, dass Ramberg etwas Neues wagen wollte. Mit Unterstützung der sozialen Organisationen „Aktion Mensch“, „Generation 2.0“ und des Unternehmens Sennheiser stellte er schließlich das Musicalprojekt auf die Beine. Auch die Stadt unterstützt die Schreberjugend bei ihrem Vorhaben. Oberbürgermeister Stefan Schostok hat zudem seinen Besuch bei der Aufführung am Sonntag im Aegi angekündigt.

Beachtliche sechs Monate Vorbereitungszeit stecken für die Beteiligten in dem Musical über den rostigen Ritter, der am Ende einsehen muss, dass man nicht immer alles haben kann. Die „Tanzmäuse“ werden dabei in unterschiedliche Rollen schlüpfen. Einmal stellen sie zusammen einen riesigen Hefeteig dar, einmal einen Lavastrom, und dann wieder unterstützen sie den singenden Ritter einfach mit ihren Tanzkünsten. Denn so laut und so gern einige der Kinder beim Training im Nachbarschaftstreff auch mitsingen - den Gesang wollen sie bei der Vorstellung dann doch lieber den „Musicalkids“ überlassen.

Dass sich bei den Proben auch mal einige Tänzer statt linksherum in genau die andere Richtung drehen oder mitten im Tanz eines der Kinder stehenbleibt, gehört bei den „Tanzmäusen“ dazu. Kein Kind soll ausgegrenzt werden, darauf achtet Trainerin Sabine Ramberg, Ehefrau des Geschäftsstellenleiters. Die 53-Jährige möchte, dass die „Tanzmäuse“ einfach als engagierte Tanzgruppe wahrgenommen werden. Dass Kinder mit Behinderungen dabei sind, sollte ganz normal sein, meint sie. Es gibt auch einige Erwachsene in der Gruppe wie Nadine Brückner, die mit 15 Jahren dort anfing und heute 30 Jahre alt ist. Doch die meisten sind Kinder und Jugendliche.

Nadine Brückner ist mittlerweile Mutter von vier Kindern. Baby Collin zappelt auf ihrem Arm zur Musik - wenn er laufen kann, wird er vielleicht seinen Geschwistern Corvin und Leandra folgen und bei der Tanzgruppe mitmachen. Der neunjährige Corvin war das erste Kind mit Down-Syndrom bei den „Tanzmäusen“, anfangs begleitete er seine Mutter zu ihren Tanzstunden und machte dann kurzerhand mit. Nachdem sie befreundeten Müttern von ihrer Tanzgruppe erzählt hat, haben sich weitere Kinder mit Handicap dem Training angeschlossen.

Dazu gehört die 15-jährige Larissa, die an diesem Tag nicht ganz so viel Lust zum Tanzen hat. Auch die Animationsversuche ihrer Mutter Therese Krol zeigen keine Wirkung. Eigentlich mache das Tanzen ihr aber viel Spaß, versichert Larissa. Bei einigen Auftritten der „Tanzmäuse“ stand sie schon auf der Bühne. 2011 zum Beispiel trat die Gruppe bei einem Fußballbenefizspiel mit Per Mertesacker und Comedian Oliver Pocher vor 10 000 Zuschauern auf. Zudem werden die „Tanzmäuse“ oft für Auftritte bei Kleingartenfesten gebucht. So richtig aufgeregt ist Larissa wegen des bevorstehenden Auftritts im Aegi daher nicht.

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