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Ost Teures Badevergnügen für Vereine in Hannover
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Teures Badevergnügen für Vereine in Hannover
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11:51 19.03.2010
Im Misburger Bad werden auch Aqua-Fitness-Kurse angeboten.
Im Misburger Bad werden auch Aqua-Fitness-Kurse angeboten. Quelle: Kelm (Archiv)
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Bevor es allerdings zu einer Diskussion kommen konnte, setzten die Grünen das Thema auf Drängen der Schwimmvereine von der Tagesordnung ab. Wird die Beschlussdrucksache von den Ratsgremien in dieser Form angenommen, müssen die Vereine tief in die Tasche greifen. So wäre die Buchung eines Nichtschwimmerbeckens im Stadionbad ab dem kommenden Jahr mehr als doppelt so teuer wie bisher. Statt 6,81 Euro müsste ein Schwimmverein 15 Euro pro Stunde bezahlen – eine Steigerung von mehr als 120 Prozent. Die Kosten für das Lehrschwimmbecken wüchsen etwa um das Dreifache – von 3,41 Euro auf 10 Euro pro gemieteter Stunde an.

Für die Schwimmabteilung des Rasensportvereins Hannover von 1926 (RSV) hätten höhere Mietpreise weitreichende Konsequenzen: In der Jahresversammlung hatte der Vereinsvorstand vor wenigen Wochen beschlossen, im Jahr 2011 bei den alten Mitgliedsbeiträgen zu bleiben – zu diesem Zeitpunkt waren die städtischen Pläne aber noch nicht bekannt. „Weil die Beiträge für das nächste Jahr schon feststehen, könnten wir nicht mehr auf die Erhöhung der Mieten reagieren und nur noch wenige Stunden in den Schwimmbädern mieten“, erklärt Willi Grünthal, Leiter der Schwimmabteilung des RSV. Besonders problematisch sei der hohe Preis, der für das Nichtschwimmerbecken vorgesehen ist. „Damit trifft es den wichtigen Jugendbereich“, sagte Grünthal. Allerdings wolle er erst einmal abwarten, ob der Rat den Verwaltungsvorschlägen tatsächlich in dieser Form zustimmen wird.

Doch nicht nur Vereine, die in städtischen Bädern trainieren, wären von den Mietpreissteigerungen betroffen. Zwar trainiert die Schwimmabteilung der Sportgemeinschaft Misburg (SGM) in dem privaten Misburger Hallenbad. Weil die Stadt aber bei der Privatisierung mit dem neuen Betreiber vereinbart hatte, dass Vereine und Schulen für die Nutzung der Becken nicht mehr bezahlen sollen als in städtischen Bädern, sei auch der SGM von der Preiserhöhung betroffen, sagt Gerhard Hupke vom Vorstand der SGM. Denn die Betreibergesellschaft Optisport Health Club würde die neuen Mietpreise der Stadt übernehmen. Die jährlichen Kosten stiegen für den Verein damit von 8500 Euro auf 12.000 Euro. Für Hupke steht fest, dass deswegen Mitglieder verloren gehen. „Wir holen eine große Gruppe junger Menschen von der Straße. Wenn wir die Beiträge erhöhen müssen, gehen die Jugendlichen direkt dahin zurück“, klagt Hupke.

Der Polizeisportverein Hannover ist von den Kostensteigerungen nur im Winter betroffen, wenn in den Hallenbädern in Anderten, Misburg und dem Stadionbad Bahnen gemietet werden müssen. Während der warmen Jahreszeit schwimmen die Mitglieder im vom Verein gepachteten Kleefelder Bad. Der Etat für die Hallenmieten müsste im Falle der Preissteigerung von 3100 Euro auf circa 4500 Euro aufgestockt werden.

„Als Spartenverein mit 1900 Mitgliedern belastet uns das aber nicht so sehr“, sagt Manfred Reschke, Schatzmeister der Schwimmabteilung. Die Mitgliedsbeiträge muss der Verein aber dennoch anheben – wenn auch aus anderen Gründen. Laut dem ersten stellvertretenden Vorsitzenden, Dieter Wehking, machten die gestiegenen Energiekosten mit Beginn der Schwimmsaison höhere Mitgliedsbeiträge nötig.

Klaus Jacob von der Startgemeinschaft Schwimmen, einem Zusammenschluss hannoverscher Schwimmvereine, bezweifelt das Zahlenwerk der Stadt grundsätzlich: Er ist davon überzeugt, dass den Berechnungen falsche Zahlen zugrunde liegen. „In dem Antrag der Verwaltung werden zwar – bis auf eine Ausnahme – die korrekten Basispreise angegeben. Gerechnet hat die Stadt aber teilweise mit viel höheren Zahlen“, erklärt Jacob. Auf diese Weise seien unrealistisch hohe Mietgebühren herausgekommen. Mit 2,56 Euro für die Nutzung der 25-Meter-Bahn im Stadionbad werde in einem Fall der Basispreis sogar im Antrag falsch angegeben – tatsächlich seien es 1,79 Euro. Klaus Timaeus von der Stadtverwaltung erklärt dagegen, bei der Berechnung der neuen Preise seien keine Fehler unterlaufen.

Noch ist das letzte Wort über die Mieten aber nicht gesprochen. „Die Stadt wird sich in Kürze mit den Vereinen erneut zusammensetzen, um eine für alle akzeptable Lösung zu finden“, sagt Timaeus.

Hagen Eichler

Hans-Dieter Meinen 18.03.2010