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Ost Tierisch ist sogar die Kunst
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Tierisch ist sogar die Kunst
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13:02 08.10.2010
Ein tierisches Viertel: Diese nachgeahmte Kuh, die aus der Expo-Zeit stammt, hat ihr Zuhause auf einem Balkon an der Lüerstraße gefunden. Quelle: Gerda Valentin

Zwar noch lange nicht die Yukon Bay, aber doch schon etliche Lebewesen aus fernen Ländern waren ab 1865 im neu eröffneten Zoologischen Garten Hannover zu bestaunen. Manche Besucher entdeckten bald, dass es sich hier am Rande der Eilenriede zudem wohl ganz angenehm wohnen ließe. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich so ein edles Wohnviertel, das auch den einen oder anderen Politiker anzog. Unter dem Motto „Große Tiere, große Töne“ führte Andrea Kainer vom Verein Stattreisen durch die Historie des Stadtteils Zoo.

Die Töne erklingen in der Musikhochschule am Emmichplatz, an dem der Rundgang begann. An gleicher Stelle befand sich einst das „Neue Haus“. Weit draußen vor der Stadt war es 1712 zur Quarantäne von Pestkranken errichtet worden. Nachdem die Seuche ausgeblieben war, diente es lange als Waldwirtschaft. Das Fachwerkhaus wurde Ende des 19. Jahrhunderts durch ein elegantes Konzertcafé mit Kaffeegarten und Parkanlage ersetzt. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war das beliebte Ausflugslokal weiter in Betrieb; als letzter Rest blieben davon nur noch die Arkaden.

Drüben an der Scharnhorststraße erhebt sich die ehemalige Villa des Verlegers Carl Rümpler. Mit ihren gelben Klinkern war sie 1865 das erste Wohnhaus in dieser Umgebung. Ab 1883 beherbergte sie das Vinzenzkrankenhaus; heute hat dort das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege seinen Sitz. Im Zusammenhang mit dem katholischen Vinzenzstift wurde 1895 an der Gellertstraße die St.-Elisabeth-Kirche geweiht, deren Turm einem italienischen „Campanile“ gleicht. Ebenfalls in der Gellertstraße führt der Weg an einer Zeile auffallend schmucker Wohnbauten entlang. „Sie wurden um 1900 als ‚Reihenhäuser’ für das gehobene Bürgertum errichtet“, erläutert Andrea Kainer.

An dem Neubau Ellernstraße 39 ist das Bildnis einer Rosette angebracht: Sie erinnert an das ehemalige Israelitische Krankenhaus an diesem Ort. 1941 wurde es zu einem der Häuser, in dem die Nazis jüdische Menschen vor ihrer Deportation zusammenpferchten. Gegenüber befand sich früher die Kinderheilanstalt. Eine Initiative für ein alternatives Wohnprojekt kämpfte in den achtziger Jahren vergeblich gegen den Abriss; heute befindet sich hier das Arbeitsgericht Hannover.

Das „Leisewitz-Stübchen“ an der Ecke war einst die erste Gastwirtschaft in dem Viertel. Vorbei sind ihre Tage als „Kanzler-Kneipe“ von Gerhard Schröder; auch um das frühere Wohnhaus des Altkanzlers an der Plathnerstraße ist es inzwischen ruhig geworden – Schröder ist inzwischen nach Waldhausen umgezogen. Die Fassade der Leisewitzstraße 29 indes fällt mit ihrer poppigen Gestaltung auf; drinnen in dem Blumengeschäft lässt sich die originale Einrichtung eines Kaufmannsladens aus den fünfziger Jahren besichtigen.

Weiter nördlich in Nähe des Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasiums stößt man auf einen Straßenzug namens Tattersall. Nach dem britischen Pferdetrainer Richard Tattersall hießen früher zahlreiche Reithallen. Hier an der Seelhorststraße existierte bis etwa 1950 die Reitschule Fischpan. Zuletzt war der „Tattersall“ eine Diskothek, bevor er um 1980 einem kleinen Neubauviertel wich.

„Zum Zoo hin wird der Stadtteil dann immer herrschaftlicher“, sagt Andrea Kainer. Ein Ausdruck von Macht und Selbstbewusstsein ist zum Beispiel die Kaiserliche Oberpostdirektion an der Zeppelinstraße. In dem kolossalen Bauwerk versuchte sich der US-Konzern Sunrise erfolglos mit einer luxuriösen Seniorenresidenz; dort will sich jetzt ein anderer Bewerber erneut der Betreuung von Senioren widmen.

An der Bristoler Straße 6 bleibt die Gruppe vor der Villa stehen, die die Stadt einst dem Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg schenkte. Der führende Militär des Ersten Weltkriegs wohnte hier von 1919 bis 1924. Vor seiner Haustür jubelten ihm oft die Hannoveraner zu; noch lange danach nannten sie das ganze Quartier daher das „Hindenburg-Viertel“.

Eine wahre Burg ist das ehemalige Domizil des Kalidirektors Georg Ebeling an der Hindenburgstraße 42: Gebaut 1903, galt das Haus damals als Prototyp einer Stadtvilla. Tierische Kunst hat indes die nahe Lüerstraße zu bieten. Als Relikt aus Expo-Zeiten blickt von einem Balkon eine Kuh herab. Beim Gästehaus der Landesregierung hingegen versteckt sich ein blau-weißes Ross im Gebüsch: Das „Niedersachsenpferd 2006“ war ein Geschenk an den damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff. Um echte Tiere geht es dann am Schluss des Rundgangs: Passend zum Viertel endet er selbstverständlich am Zoo.

Gerda Valentin

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