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Ost Verein schlichtet Streitigkeiten
Hannover Aus den Stadtteilen Ost Verein schlichtet Streitigkeiten
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12:05 08.03.2012
Mediatoren der "Waage" vermitteln zwischen streitenden Parteien. Quelle: Schwarzenberger
Oststadt

Ein Abend in der List: Eine junge Frau radelt durch eine schmale Straße. Ein älterer Mann will sie mit seinem Auto überholen und fühlt sich von der Radfahrerin absichtlich ausgebremst. In der Frau hingegen steigt Zorn über den Drängler auf. An einer Ecke schlägt ihre Hand an das Wagendach, der Fahrer hält an und springt heraus. Ein Wort gibt das andere, es folgt ein Handgemenge. Am Ende zeigen beide sich gegenseitig an. Die Radfahrerin wegen einer Kopfverletzung; der Autofahrer wegen eines kaputten Handys, das er ersetzt haben will. "Jeder gab dem anderen die Schuld", sagt Karin von Schweinitz. Die pensionierte Lehrerin arbeitet ehrenamtlich beim Verein "Die Waage" in der Oststadt. Als Mediatorin sorgt sie dafür, dass solche Streitereien nicht in teuren und langwierigen Gerichtsprozessen enden.

Die Mediation ist ein Weg, um durch Gespräche und Verhandlungen außerhalb des Gerichts zu einer Einigung zwischen Parteien zu kommen. "Die Staatsanwälte entscheiden im Einzelfall, ob ein Fall für die Mediation taugt", sagt Lutz Netzig. Er ist mit zwei weiteren Kollegen hauptamtlicher Konfliktlöser bei der "Waage". Unterstützt werden sie von zwölf ehrenamtlichen Mediatoren.

Angefangen hat der Verein 1992. Mitinitiator Netzig hatte zuvor am Kriminologischen Forschungsinstitut Hannover außergerichtliche Konfliktlösungsstrategien für Jugendlichen studiert. "Dort lief das schon lange erfolgreich", sagt er. "Die Waage" war die erste Institution in Deutschland, die den Täter-Opfer-Ausgleich für Erwachsene anbot. Bis zu 650 Fälle im Jahr bearbeitet der Verein, knapp 70 Prozent davon haben mit Körperverletzungen zu tun. Auch bei Streitigkeiten zwischen Familienmitgliedern, unter Nachbarn oder an der Schule helfen die Mediatoren. Nicht immer seien beide Seiten mit der Mediation einverstanden, sagt Netzig. "Aber wenn, dann kommt es in gut 90 Prozent der Fälle zu einer Einigung."

Bei der "Waage" reden und verhandeln keine Anwälte, sondern die Betroffenen selbst. Dort können sie ihre jeweilige Sicht der Dinge erzählen. Immer begleiten zwei ausgebildete Mediatoren diese Gespräche. Die Konfliktlöser ergänzen sich dabei gegenseitig. Denn ihre Aufgabe besteht im Zuhören, in der sachlichen Wiedergabe des Gehörten. Dabei ist eines besonders wichtig: "Ein Mediator muss gute Fragen stellen können", sagt von Schweinitz. Fragen lenken das Gespräch auf wichtige Punkte. Auf Gemeinsamkeiten zum Beispiel.

So zeigte sich, dass der Lister Autofahrer auch ein begeisterter Radfahrer ist. Er konnte sich durchaus in die Lage der Frau in dem engen Straßenraum hineinversetzen. "Den Dampf aus der Sache nehmen", nennt von Schweinitz dieses Vorgehen. Danach konnte die Radfahrerin auch den vermeintlichen Schlag auf das Wagendach erläutern. "Bei einem plötzlichen Stopp an einer Kreuzung war sie gegen die Karosse gestoßen."

Beide Parteien räumten schließlich eine Mitschuld am Handgemenge ein. Der Mann bekam sein Handy ersetzt; die Frau ein Schmerzensgeld für die Verletzung. Die Lösung handelten beide Parteien allein aus. "Das ist ganz wichtig", sagt Netzig. Die Mediatoren führten zwar Vorgespräche mit jeder Partei. Aber einen Weg geben sie nicht vor. Die Betroffenen handeln eigenverantwortlich und stehen für ihre Lösungen gerade. Die Mediatoren achten aber darauf, dass niemand übervorteilt wird.

Zwei, manchmal vier Gesprächsrunden kann solch eine Mediation dauern. Ein Gerichtsverfahren nimmt meist einige Monate oder gar Jahre in Anspruch. Je nach Umfang der Gespräche bezahlen die Parteien bei der "Waage" höchstens 150 Euro. Auch das ist billiger als der Gang zum Gericht. Nicht nur Staatsanwälte können Fälle an "Die Waage" überstellen, auch jeder Bürger kann sich an die Mediatoren wenden.

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