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Süd 15 Minuten Aufregung für eine Kinorolle
Hannover Aus den Stadtteilen Süd 15 Minuten Aufregung für eine Kinorolle
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09:44 14.03.2015
Dieter Geringhoff will beim Vorsprechen vor Andreas Barthel, Susi Duhme und Regisseurin Rivka Schimmelpfeng (v. l.) als Bauunternehmer überzeugen.
Dieter Geringhoff will beim Vorsprechen vor Andreas Barthel, Susi Duhme und Regisseurin Rivka Schimmelpfeng (v. l.) als Bauunternehmer überzeugen. Quelle: Mario Moers
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Kirchrode

15 Minuten hat Lars Kugel Zeit, die Filmleute zu überzeugen. Er will ihnen zeigen, dass er genau der schmierige Gauner ist, den sie suchen. Selbstbewusst betritt er den noblen Konferenzraum im Leonardo Hotel am Tiergarten. Drei Tage lang findet dort das Vorsprechen für den Kinofilm „No Future war gestern“ statt. 80 ambitionierte Hobbyschauspieler und eine Handvoll mit Filmerfahrung haben sich angemeldet.

Alles sieht genauso aus, wie man es von den Castingshows im Fernsehen kennt. In dem holzverkleideten Raum stehen nur ein Tisch, ein Piano und in der Ecke eine Kamera. An dem Tisch sitzen die Regisseurin Rivka Schimmelpfeng, ein Kameramann und die Produzentin der hannoverschen Filmfirma Independent Entertainment, die den Film im kommenden Jahr in die Kinos bringen will. Kugel wirkt zappelig, irgendwie unberechenbar, fast bedrohlich. Er hat sich die Haare mit zu viel Gel zurückgelegt, streift schwarze Lederhandschuhe über und legt seine Brille beiseite. Er will Boris Pawlow spielen. In der Rollenbeschreibung heißt es über den: „35 Jahre alt, Typ Gauner, schmierig. Chauffeur des Bauunternehmers und Mann fürs Grobe“. Rein optisch könnte es hinkommen. „Ich will Außenseiter und Bösewichter spielen. Man braucht doch solche authentischen Typen, kantige Fressen“, erklärt Kugel, warum er sich beworben hat. Zu Hause in Hameln hat er schon in einer Laientheatergruppe und einem Zombiefilm mitgespielt. „Dann leg mal los“, sagt Kameramann und Produzent Andreas Barthel.

Kugel spielt seine kleine Szene vor. Den Text hat er per E-Mail von der Produktionsfirma bekommen. Gauner Pawlow unterhält sich darin verschwörerisch mit seinem zwielichtigen Chef. Es geht um illegale Machenschaften. Das Vorsprechen dauert nur wenige Minuten. „Ich hätte gern etwas mehr Drive am Anfang. Mach mir den noch böser, noch gefährlicher“, gibt Kameramann Barthel ihm als kurze Rückmeldung. Kugel spielt die Szene noch einmal. „Vielen Dank, wir melden uns dann bei dir“, heißt es schließlich. Draußen warten schon die nächsten Kandidaten. Gecastet wird im 15-Minuten-Takt.

„Es ist anstrengend, aber wir hatten schon einige gute Bewerber heute“, freut sich Barthel über eine kleine Verschnaufpause. Vor den Jurymitgliedern liegt eine Liste mit allen Namen. Wenn jemand besonders auffällt, machen sie sich Sternchen daneben. „Heute Morgen hatten wir schon einen Jugendlichen, der aktuell auch auf der Kinoleinwand und im Fernsehen zu sehen ist“, erzählt Barthel. Den Namen will er nicht verraten. Die hannoversche Eigenproduktion „No Future war gestern“, soll im kommenden Sommer in die Kinos kommen. Es geht darin um die Geschichte einer jungen Lehrerin, die gegen ihren Willen in eine vermeintliche Entführung verwickelt wird. Regie führt die erst 18-jährige Rivka Schimmelpfeng. Die Neustädter Abiturientin lernte Kameramann Barthel und Produzentin Susi Duhme während einer Kurzfilmproduktion kennen. Deren Filmfirma „independent entertainment“ hat bereits mit mehreren Eigenproduktionen in Hannover von sich reden gemacht.

Bei einem Budget von nur 25 000 Euro für „No Future war gestern“ sind die Filmer auf engagierte Hobbydarsteller angewiesen. Für die Hauptrollen konnten sie allerdings bekannte Gesichter gewinnen. Olivia Klemke (Unter uns, Polizeiruf 110) und Rosalie Wolff (Verbotene Liebe, Pastewka, Los Veganeros) haben bereits zugesagt.

Auch Dieter Geringhoff will beim Film mitspielen. Der 76-Jährige ehemalige Apotheker gibt einen Bauunternehmer. Aber eigentlich geht es dem Hobbyastronomen weniger um die Filmrolle. „Ich habe selber eine Filmidee und suche einen Regisseur, der mein Drehbuch verfilmt“, wendet er sich nach dem Vorsprechen hoffnungsvoll an die Jury. Zu viel kann er nicht verraten. Er glaubt allerdings, dass seine Idee guter Stoff für Hollywood Regisseur Roland Emmerich ist. „Es spielt in der fernen Zukunft. Aber es geht um ein Thema, das für die Menschheit schon sehr bald große Aktualität bekommen kann“, orakelt er. Kameramann Barthel muss ihn allerdings enttäuschen. „Kontakt zu Roland Emmerich herzustellen, dürfte schwer werden. Aber schreiben Sie mal eine E-Mail, dann sehen wir, wie wir Ihnen helfen können.“