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Süd Alpenverein möchte hoch hinaus
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Alpenverein möchte hoch hinaus
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15:27 12.03.2012
Von Michael Zgoll
Vorbild für die Halle in Döhren könnte diese Kletterhalle in Hamburg werden. Quelle: HAZ
Döhren

Der „Deutsche Alpenverein Sektion Hannover“ möchte in der Stadt eine Kletterhalle bauen. Bevorzugter Standort ist das Gelände der Bezirkssportanlage Döhren an der Schützenallee, wo der „FC Schwalbe“ und die „Spielvereinigung Niedersachsen Döhren“ beheimatet sind. Doch der Standort ist im Stadtbezirk umstritten. In einer Woche möchte der Alpenverein auf einer Mitgliederversammlung erkunden, ob die Kletterfreunde bereit sind, sich an einer Umlage von 70 Euro pro Person zu beteiligen. Es gilt, einen wichtigen Beitrag zu den geschätzten Gesamtkosten von rund 800.000 Euro zu leisten.

Die Halle. Etwa 20 mal 30 Meter Grundfläche würde die Kletterhalle nach den Vorstellungen des Alpenvereins benötigen, rund 15 Meter hoch soll sie nach Auskunft des Vorsitzenden Uwe Lampe werden. Einen simplen Quader allerdings wolle man nicht errichten, sondern ein vielfältig gestaltetes Gebilde, das Kletterern innen wie außen vielseitige Möglichkeiten biete. Beispiele gibt es etwa in Hamburg, München oder Offenburg. Von 900 Quadratmetern Kletterwände inklusive Boulder-Strecke (für bodennahes Klettern in Absprunghöhe) spricht Lampe, schwärmt von Routen unterschiedlicher Schwierigkeitsstufen. Derzeit hat die hannoversche Sektion des Vereins 3500 Mitglieder. Von einer neuen Halle in schöner Umgebung versprechen sich die Verantwortlichen einen erheblichen Mitgliederzuwachs, ähnlich wie in Hamburg.

Der "Deutsche Alpenverein Sektion Hannover" möchte in Döhren eine Kletterhalle bauen. In Deutschland gibt es dafür bereits einige Vorbilder.

Die Umgebung. Die Bezirkssportanlage liegt in einem hochwassergefährdeten Gebiet, das weder Landschafts- noch Naturschutzgebiet ist. Nur ein kleiner Teich am Südschnellweg und größere Flächen westlich der Leine sind als Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen. Die für den Hallenbau in Frage kommenden Areale – Handballfeld, Tennisplätze oder Boulebahn – liegen allerdings allesamt etwas erhöht und wurden schon seit Jahrzehnten nicht mehr überflutet. Die näher an der Leine liegenden Fußballfelder, die bei Schlechtwetter oft von Grundwasser durchfeuchtet sind, stehen nicht zur Debatte.

Die Döhrener Vereine. Nach Auskunft von Rudolf Hille, Vorsitzender von Schwalbe, müssen der FC und Niedersachsen Döhren derzeit Sportflächen von 74.000 Quadratmetern bewirtschaften. Die Vorstände der Vereine begrüßen das Kletterhallen-Projekt außerordentlich, träumen von einem Freizeit-Zentrum mit überregionaler Strahlkraft. 120.000 Euro, so erläutert Hille, müssen die beiden Klubs derzeit alljährlich allein für den Unterhalt der Sportflächen aufbringen. Ein Pflegekostenzuschuss der Stadt in Höhe von 15000 Euro ist hilfreich, aber bei Weitem nicht ausreichend. „Die Kosten bringen uns fast um“, klagt Herbert Ruppel, Vorsitzender von Niedersachsen Döhren. Von einem dritten Partner wie dem Alpenverein versprechen sich die alteingesessenen Vereine eine Kostenbeteiligung und damit eine deutliche finanzielle Entlastung.

Hinzu kommt, dass einzelne Sparten unter starkem Mitgliederschwund leiden. Auf dem Handballfeld, das dringend saniert werden müsste, sind nach Auskunft von Hille schon seit Jahren keine Spiele mehr angepfiffen worden. Die Zahl der Tennisspieler sei so stark geschrumpft, dass dieses Jahr auf der Bezirkssportanlage zwei von neun Plätzen gar nicht mehr für die Saison hergerichtet werden. „Aus unserer Sicht wäre es ideal, die Kletterhalle auf dem Handballfeld zu platzieren, dann würde die teure Entsorgung des als Sondermüll geltenden Belags entfallen“, sagt der Schwalbe-Chef. Und Ruppel hebt die positiven Auswirkungen einer neuen Sportstätte für die Klub-Gastronomie hervor: „Wenn es mehr Leben auf der Anlage gäbe, würde auch der Wirt profitieren.“

Die Parkplätze. Sollte die Kletterhalle nach Döhren kommen, würden die bestehenden Autostellplätze vor dem Vereinsheim nicht mehr ausreichen. Als Alternativen sind zwei Möglichkeiten im Gespräch. Auf dem Schützenplatz haben die Schützen schon seit Jahren keine Feste mehr gefeiert, auch Zirkuszelte werden hier nur noch selten aufgebaut. Bleiben die Landfahrer, die hier wenige Wochen im Jahr campieren, doch für diese Zeitspannen ließen sich nach allgemeinem Bekunden Lösungen finden. Die Alternative liegt auf der anderen Seite des Südschnellwegs: Der Aspria-Parkplatz am Pänner-Schuster-Weg ist selten ausgelastet, zudem gibt es hier noch eine städtische Brache, die früher einmal als Ansiedlungsfläche für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) gedacht war.

Die Politik. Die SPD und die Einzelvertreter von WfH, Linken und Piraten aus dem Bezirksrat Döhren-Wülfel stehen dem Vorhaben generell aufgeschlossen gegenüber, auch wenn keiner laut „Hurra“ schreit. So wird gern der eine oder andere alternative Standort innerhalb der Bezirkssportanlage ins Spiel gebracht: die näher an der Schützenallee gelegene Boulebahn beispielsweise oder der Vereins-Parkplatz. Das Argument: Zwischen den relativ hohen Straßenbäumen falle eine Kletterhalle nicht so sehr auf. "Grundsätzlich würde ich mich auf jeden Fall freuen, wenn der Alpenverein hierher käme", stellt Bezirksbürgermeisterin Christine Ranke-Heck klar. Dem SPD-Fraktionschef Bert Oltersdorf schweben „attraktive Schnupperkurse“ für Kinder und Jugendliche aus dem Stadtbezirk vor: „Das müsste preislich aber im Rahmen bleiben.“ Helmut Hunger (WfH) weist darauf hin, dass es auf der Anlage schon einmal eine aufblasbare Tennishalle gegeben habe. Eine optisch ansprechende Kletterhallen-Hülle wäre für Manfred Milkereit (Die Linke) wichtig, für ein endgültiges Votum brauche er aber noch Informationen. Marc Herrmann (Piratenpartei) hebt hervor, es gehe zwar um die "Rettung der beiden Döhrener Vereine", als erstes würde er aber gerne die Bürger zu dem Projekt befragen.

Ein klares „Nein“ zu einer Kletterhalle an diesem Platz ist nur von CDU-Fraktionschefin Gabriele Jakob zu vernehmen. Sie verweist darauf, dass der Bezirksrat vor vielen Jahren beschlossen habe, die südliche Leineaue nicht weiter zu bebauen. „Die Verwaltung soll weiter nach alternativen Standorten suchen“, meint sie. Unentschieden sind derzeit noch die Grünen. Einerseits, sagt die Fraktionsvorsitzende Eva-Maria Hartmann, sehe man einen solch großen Baukörper in der Nähe eines Landschaftsschutzgebiets mit großer Skepsis, andererseits werte eine schön gestaltete Kletterhalle den Stadtteil sicherlich auf.

Das weitere Verfahren. In seiner jüngsten Sitzung hat der Bezirksrat die Verwaltung per interfraktionellem Dringlichkeitsantrag um eine Prüfung gebeten, inwieweit eine Kletterhalle an der Schützenallee „rechtlich zulässig und planungsrechtlich wünschenswert“ ist. Offiziell verlautbart dazu von Seiten der Stadt, dass der Bebauungsplan derzeit nur eine Sportanlage, aber keinen Hallenbau zulasse. Darum prüfe man alternative Standorte. Hinter vorgehaltener Hand heißt es aber auch, dass die Politik den Bebauungsplan natürlich ändern könne. Dem Vernehmen nach hat die Verwaltung bereits einen Blick auf die Hochwasser-Problematik geworfen - auch hier soll es keine unüberwindbaren Genehmigungs-Hürden geben.

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