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Süd Ansturm auf den Döhrener Turm
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Ansturm auf den Döhrener Turm
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13:12 23.10.2009
Farbenfroher Blickfang: Der Döhrener Turm.
Farbenfroher Blickfang: Der Döhrener Turm. Quelle: Valentin
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Immer länger wurde die Schlange, geduldig wartete Gruppe um Gruppe auf Einlass. An die 350 Besucher führte Almuth Wiedemann am Wochenende durch den Döhrener Turm. Das brachte zugleich Aufmerksamkeit für einen neu gegründeten Verein. Denn Almuth Wiedemann, ihre Schwester Barbara und andere „Freunde des Döhrener Turms“ wollen das denkmalgeschützte Gemäuer auch künftig der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Obwohl er genau genommen auf dem Terrain der Südstadt steht, haben vor allem die Döhrener den Turm in ihr Herz geschlossen. Nahe dem Dorfe Döhren bildete er im Mittelalter einen Teil des Landwehrsystems, mit dem sich Hannover vor herannahenden Feinden zu schützen versuchte. „Auch den Zoll sollten die Wächter kassieren und auf Holzdiebe aus der Eilenriede achten“, erläuterte Almuth Wiedemann. Während Auseinandersetzungen mit dem Bischof in Hildesheim geriet der Turm Ende des 15. Jahrhunderts in Brand, wurde schnell wieder aufgebaut und war noch bis 1837 bemannt.

Über eine Wendeltreppe mit schmalen, aber gut ausgebauten Stufen stiegen die Besucher langsam nach oben. In der ersten Etage des Rundbaus sind unter anderem eine Garderobe und ein WC untergebracht. Ein Stockwerk höher kann man es sich vor einem Kamin gemütlich machen. Eine kleine Teeküche ist vorhanden; Dekoratives ziert die zugemauerten Nischen in der Wand, die ehedem als Schießscharten dienten. Oberhalb der dunklen, mehr als 500 Jahre alten Eichendecke ging es schließlich in die Turmstube mit den Sprossenfenstern. „Der Turm hatte früher eine schlichte Spitze. Mit einem neuen Aufsatz schmückte man ihn erst 1890“, erzählte Almuth Wiedemann. Ein üppiger Messingleuchter verbreitet in der Turmstube die Eleganz vergangener Tage.

Auf einem antiken Sekretär steht ein Bild von Christel Wiedemann: Seit 1975 setzte sie sich für den Erhalt des Döhrener Turms ein und ließ das Innere auf eigene Kosten herrichten. Etwa für Vereine ist er seitdem in kleiner Runde wieder zu nutzen. Auch zahlreiche Schüler ließen sich hier inzwischen ein Stück Heimatgeschichte erklären. Nach dem Tod von Christel Wiedemann vor einem Jahr wollen die beiden Töchter das Werk ihrer Mutter weiter gewahrt wissen. Dem jungen „Verein der Freunde des Döhrener Turms“ gehören bereits 16 Mitglieder an, neue sind herzlich willkommen. Bei der ersten Vereinsversammlung Ende November soll dann diskutiert werden, für wen und zu welchen Gelegenheiten der Döhrener Turm geöffnet wird. Soviel Bürgersinn wirkt offenbar ansteckend. Die Firma Stiebel Eltron sponserte vor Kurzem eine neue Heizung. Weitere Hilfe naht aus der Nachbarschaft. „Direkt beim Döhrener Turm bin ich als Kind aufgewachsen und habe dort fast 40 Jahre gelebt“, sagt Horst Milzner, der in der Borgentrickstraße eine Elektrobaufirma betreibt. In dem historischen Bauwerk will er nun kostenlos die Elektrik erneuern.

Von Gerda Valentin