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Süd Auf Entdeckungsreise bei Herrn Tute
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Auf Entdeckungsreise bei Herrn Tute
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12:00 24.04.2015
Markus Tute führt das 
Spielwarenparadies in fünfter Generation. Quelle: Benjamin Behrens
Hannover

Eine typische Ladenszene im Spielwarenparadies am Stephansplatz: „Was ist das, Mama?“, fragt die siebenjährige Anja mit großen Augen und hält eine grellgrüne Verpackung mit einer kleinen Dose und einem weißen Pulver in die Luft. „Damit kann man Pupsschleim herstellen“, antwortet Mama Kerstin Fallhoff angesichts des Scherzspielzeugs. Sie hat bei Ladenbesitzer Markus Tute gerade eine weiße Elfe mit regenbogenfarbenen Flügeln und einem Einhorn bezahlt. „Das Pulver will ich haben!“, ruft Anja. Doch Kerstin Fallhoff lässt sich nicht erweichen. „Ein Spielzeugladen ist und bleibt für Kinder nun mal das Paradies“, sagt Markus Tute, der Herr des Spielzeugs. Seit 1955 gibt es das Südstädter Spielwarenparadies an der Geibelstraße bereits, Tute führt es seit sechs Jahren in fünfter Generation.

Am Sonnabendmorgen ist der kleine Laden voll. Kinder wuseln durch das Geschäft, und Eltern versuchen sich, zumeist erfolglos, als Ratgeber und mahnende Finanzberater. „Henry, das gibt es jetzt nicht, oder du bezahlst es von deinem Taschengeld!“, weist ein Vater seinen Sohn mit strenger Stimme in die Schranken. Ladenbesitzer Tute ist ein gefragter Mann. Im Fünf-Minuten-Takt erkundigen sich die Kunden bei ihm nach Spielzeug. „Entschuldigen Sie, haben Sie ein kleines Flugzeug zum Zusammenbauen?“, fragt ein älterer Herr. Kurz darauf fragt eine Frau nach „den kleinen Mini-Schweinen, die es früher immer gab“.

Der Renner sind aktuell die „Geburtstagskisten“. Geburtstagskinder können sich im Laden eine blaue Kiste mit Sachen füllen, die sie sich wünschen. Deren Eltern geben die Wünsche dann an die Eltern der Freunde weiter, die zur Geburtstagsparty eingeladen sind. Und die wiederum kaufen aus der Kiste ein Geschenk für das Geburtstagskind. „Willst du nicht vielleicht noch eine CD einpacken?“, versucht Mama Stephanie Fasse vorsichtig auf die Auswahl von Sohnemann Justin einzuwirken. Der Fünfjährige hat inzwischen eine „Turbo-Schnecke“ in einem anderen Regal entdeckt und nur bedingt Interesse an den gut gemeinten Empfehlungen seiner Mama.

Obwohl es vermutlich schon immer hoch herging im Spielwarenparadies, hat sich seit der Eröffnung am 2. Mai 1955 auch vieles geändert. Ein altes schwarz-weißes Foto, das Tute in einem Ordner unter dem Holztresen verwahrt, zeigt das Sortiment von damals. Große Puppenwagen gab es, und das Buch „Sagen des Altertums“ stand im Regal. Außer Spielwaren führte das Geschäft anfangs auch Schreibwaren. Die ersten Besitzer, Familie Lüttringhaus, wohnten damals dort, wo sich heute die Lagerräume hinter dem Verkaufsraum befinden. Am Tresen, hinter dem Herr Lüttringhaus gern seine Zigarren rauchte, gab es „Pelikanol“-Klebstoff sowie Füller.

Der große Renner waren damals aber die Modelleisenbahnen. „Manchmal kommen immer noch ältere Herren in den Laden. Die gehen dann schnurstracks die Treppe hoch auf die Galerie und suchen die Eisenbahnen, die es längst nicht mehr gibt“, erzählt Tute. Als Südstadt-Kind war er in den Siebzigerjahren selbst Stammkunde. Er kam, um die neuesten „Wiking“-Modellautos im Maßstab 1:87 für seine Eisenbahn zu begutachten - und wenn das Geld reichte, sie auch zu kaufen. „Damals fand ich schon, dass es ein schöner alter Laden ist“, erinnert sich der heute 53-Jährige.

Auf nostalgisches Spielzeug setzt Tute in seinem Laden nicht, das würde wirtschaftlich auch gar nicht funktionieren. „Man muss auch im Programm haben, was auf den Schulhöfen gerade angesagt ist“, sagt er. Zwei Produkte seien allerdings zeitlos: „Pferde und Dinos sind immer aktuell.“

Dass sein Spielzeugladen in der Südstadt liegt, sieht Tute als großen Vorteil. „Es gibt viele Leute, die den Handel vor Ort unterstützen wollen, und viele junge Familien mit Kindern“, sagt er. Dennoch macht auch ihm die Konkurrenz im Internet zu schaffen. Vor allem das Weihnachtsgeschäft, das früher 40 Prozent des Jahresumsatzes der Branche ausgemacht hatte, sei völlig eingebrochen. Aber Tute ist optimistisch, dass es den Traditionsladen am Stephansplatz noch lange geben wird. Und das 60-jährige Geschäftsjubiläum wird am 2. Mai natürlich zusammen mit den Kunden gebührend gefeiert.

Von Mario Moers

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