Einen entsprechenden Prüfauftrag an die Verwaltung hat der Piraten-Vertreter Marc Herrmann in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Döhren-Wülfel eingebracht. Zuvor hatte sich in der Einwohnerfragestunde schon der Initiator des Baumscheiben-Projekts, Harald Kreil, zu Wort gemeldet: „Die Ulme dürfte zwischen 80 und 100 Jahre alt geworden sein, da lässt sich schon einiges an Stadtteilgeschichte abbilden.“
Der Ulmensplintkäfer war nach Auskunft von Bezirksratsbetreuerin Gabriele Mewes Schuld daran, dass der groß gewachsene Baum vor dem Geschäft von Partyservice Eikemeier gefällt werden musste. Beim Eindringen in die Rinde überträgt dieser Käfer Sporen eines Schlauchpilzes, der die Gefäße der Ulme nachhaltig schädigt und den Baum absterben lässt. „Es bestand Bruchgefahr“, wie Mewes erläuterte. Der Stumpf werde auch nicht mehr lange am Fiedelerplatz verwurzelt bleiben, da er dort über kurz oder lang verrotten würde. Wenn die Mitarbeiter vom Fachbereich Umwelt und Stadtgrün ihn aus dem Untergrund herausgefräst hätten, werde an dieser Stelle eine Pflanzkuhle für einen neuen Baum entstehen - wahrscheinlich eine Robinie. Zuvor eine Scheibe aus dem Stumpf herauszuschneiden, sei machbar; die Stadt begrüße die Idee eines naturnahen Geschichtskalenders durchaus.
15 bis 20 Zentimeter dick soll die Scheibe sein, die auf Basis der „Dendrochronologie“ - einer Datierungsmethode mit Hilfe von Jahresringen - über die Döhrener Geschichte des 20. Jahrhunderts Auskunft geben könnte. Harald Kreil hat bereits Kontakt zur Tischlerwerkstatt einer Berufsbildenden Schule aus Hannover aufgenommen, wo die Scheibe seinen Angaben zufolge gratis poliert und versiegelt werden könnte. Auch einen Stadtteilhistoriker hat er schon in petto: Den früheren Bezirksratsherrn Günter Porsiel, der mit der Historie Döhrens bestens vertraut ist. Als Ausstellungsfläche schwebt Kreil das Schaufenster eines Döhrener Geschäfts vor, am liebsten direkt am Fiedelerplatz.
Die Bezirksratsmitglieder lobten die originelle Idee von Kreil. Allerdings, so merkte CDU-Bezirksratsherr Gerd Sommerkamp an, wäre ein noch älterer Baum noch schöner, da die Döhrener Geschichte bekanntlich viel länger währe: „Und der entsprechende Baum müsste ja auch nicht aus dem Stadtbezirk stammen.“ Nicht ganz ernst gemeint war allerdings der Hinweis von Bezirksbürgermeisterin Christine Ranke-Heck (SPD), dass man sich auf die Suche nach einem sehr ehrwürdigen Exemplar machen müsse, wolle man die gesamte Stadtteilgeschichte abbilden: Immerhin wurde Döhren unter dem Namen „Thurnithi“ im Jahre 983 nach Christus erstmals urkundlich erwähnt.