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Süd Beamte stellen Bilanz
 zur Jugendgewalt vor
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Beamte stellen Bilanz
 zur Jugendgewalt vor
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18:41 19.02.2010
Von Felix Harbart
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In den vergangenen sechs Wochen nahmen die Beamten laut Andreas Pütsch, Leiter Einsatz bei der Polizeiinspektion Süd, allein 419 Mal die Personalien von Jugendlichen auf, die ihnen in dem in Rede stehenden Bereich aufgefallen waren – manche auch mehrmals. Außerdem durchsuchten die Polizisten Jugendliche in 247 Fällen, dabei stellten sie 13 Mal Gegenstände wie Waffen oder Alkoholflaschen sicher. Im selben Zeitraum hätten die Beamten 69 Platzverweise ausgesprochen und eine „Unzahl“ sogenannter Gefährderansprachen geführt, sagte Pütsch. Seine Botschaft: „Wir gucken ganz intensiv nach Bemerode.“ Ziel sei es, „die Strukturen aufzuhellen und die Jugendlichen zu verunsichern“.

Die Polizei habe ihre Präsenz im Stadtteil erhöht, sagte Pütsch. So seien mehr Streifen- als auch was verdeckte Beamte unterwegs. Diese Maßnahme habe auch schon Wirkung erzielt: „Wir stellen fest, dass die Zahl der Straftaten dadurch zurückgegangen ist.“ Schon jetzt aber kündigte der Beamte an, das Engagement der Polizei in diesem Bereich nicht dauerhaft so hochhalten zu können: „Diese Maßnahmen sind nicht über ein ganzes Jahr durchzuhalten.“ Allerdings nahm Pütsch in mancherlei Hinsicht dem Fall Bemerode auch die Dramatik – etwa indem er bemerkte, es handele sich bei der im Fokus stehenden Gruppe von Jugendlichen „nicht um organisierte Strukturen im Sinne einer Bande“. Bemerode stelle zudem aus polizeilicher Sicht keinen Kriminalitätsschwerpunkt dar, auch nach den verschiedenen Vorfällen rund um die Stadtbahnstation nicht.

Seit Monaten beschäftigt eine Gruppe meist angetrunkener randalierender oder pöbelnder Jugendlicher die Bemeroder. Auch in der Bezirksratssitzung am vergangenen Mittwoch berichteten Anwohner der Stadtbahnstation Brabeckstraße davon, dass diese vermeintliche Bande Angst und Schrecken im Stadtteil verbreite. Ein Familienvater sagte, er lasse seine Teenager die wenigen Meter von der Bahnstation nach Hause nicht mehr alleine zurücklegen. Stattdessen hole er sie von der Bahn ab – in Begleitung seines Hundes. Die von Polizei und Bezirksrat allenthalben geforderte Zivilcourage habe er selbst schon gezeigt, indem er die Polizei über verschiedene Vorfälle informiert habe. Als Resultat hätten die Rowdys sein Auto zerstört, so wie sie es mit zahlreichen anderen im Stadtteil getan hätten.

Wie viele Anwohner befürchtet auch die Polizei, dass sich die Probleme lediglich von der Brabeckstraße verlagern könnten, etwa an den Bemeroder Rathausplatz. Der, sagte eine Zuhörerin, verwahrlose ohnedies in letzter Zeit. Der Bezirksrat musste sich Klagen über nicht funktionierende Beleuchtung und zunehmende Vermüllung in Bemerodes Mitte anhören. Stadtbezirksmanager Wolfgang Just versprach, sich der Sache anzunehmen.