Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Süd Braucht Bemerode ein neues Gymnasium?
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Braucht Bemerode ein neues Gymnasium?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 06.05.2019
Bevorzugter Standort für den Bau des 18. Gymnasiums: Das stadteigene Grundstück Am Sandberge erlaubt eine schnelle Planung und Bebauung. Das Vereinsheim der Schützen müsste für den Neubau wohl abgerissen werden. Quelle: Florian Petrow
Anzeige
Bemerode

Die langwierige Standortsuche für ein 18. Gymnasium in Hannover scheint sich dem Ende zuzuneigen: Bereits vor rund einem Jahr beauftragte der Schulausschuss die Stadtverwaltung mit „Planungen für die Errichtung eines weiteren vierzügigen Gymnasiums“. Nun lässt die Verwaltung verlauten, sie sehe „eindeutige Vorteile“ in der Erschließung des Grundstücks am Sandberge in Bemerode. Das stadteigene Grundstück erlaube eine schnelle Planung und Bebauung, Grunderwerbskosten entfielen. Eine finale Entscheidung gibt es voraussichtlich am 15. Mai: Dann stimmt der Schulausschuss über den Standort ab. Die Stadtteilpolitiker und die Leiterin der IGS Kronsberg äußern sich unterschiedlich zum Standort am Sandberge.

Eine IGS als Alternative

Kathleen Fleer Quelle: Jacqueline Hadasch

Ich weiß nicht, ob das so notwendig ist. Mir fehlt ein ganzheitliches Schulkonzept für Hannover, die Planung ist viel zu punktuell. In der gesamten Stadt mangelt es an Schulplätzen für Kinder, die nicht durchgängig auf ein Gymnasium gehen und die Schulform wechseln. Daher brauchen wir viel mehr Plätze für die Jahrgänge sieben bis zehn. Die Verwaltung fürchtet allerdings klagende Eltern, wenn sie nicht genug Gymnasialplätze haben. Auch das kann ich verstehen. Nicht alle Gesamtschulen werden als Alternative zum Gymnasium wahrgenommen – das ist schade. Daran müssen wir arbeiten, auch hier kann man genauso das Abitur machen

Anzeige

Kathleen Fleer, Schulleiterin IGS Kronsberg

Gute Wahl gegen weite Wege

Norman Ranke Quelle: Jacqueline Hadasch

Ich denke da aus Sicht der Kinder. Die Nachfrage für ein neues Gymnasium im Stadtbezirk ist da, derzeit müssen die Kinder weite Wege fahren – oft nach Kleefeld oder ins Zooviertel. Daher finde ich es sehr gut, sollte es dieses Angebot künftig in unserem Stadtbezirk geben. Von der Nähe der IGS würde ich die Standortentscheidung nicht abhängig machen.

Norman Ranke, FDP

Schulwahl nicht von Standort abhängig

Annette Volland Quelle: Grüne KiBeWü

Wir wünschen uns dazu eine Erhebung des Elternwillens im Bezirk. In Hannover fehlt statistisch betrachtet ein Gymnasium nur für die Klassen fünf und sechs. Dann werden an Gymnasien viele Kinder nämlich wieder „abgeschult“, wie Fachleute es nennen. Das ist für Kinder keine gute Erfahrung. Für sie ist es besser, gleich in eine Schule zu gehen, die sich auf sie einstellt. Das leisten Integrierte Gesamtschulen, und viele Eltern wissen das. Bemerode hat die IGS Kronsberg – unter anderem Umweltschule in Europa. Seit zehn Jahren erlangen Schülerinnen und Schüler auch hier erfolgreich das Abitur. Dass Kinder aus Bemerode zu Gymnasien in die Stadt fahren, ist nicht optimal. Aber Eltern wählen ohnehin das für ihr Kind attraktivste Gymnasium. Entfernung ist dabei selten entscheidend.

Annette Volland, Grüne

Wenn ein Gymnasium, dann bei uns

Bernd Rödel Quelle: Foto: Katrin Kutter

Beim Vorschlag, ein neues Gymnasium zu errichten, bin ich zwiegespalten. Ich kann die Bedenken unserer IGS gut verstehen: Manche Eltern schicken ihre Kinder lieber auf ein Gymnasium als auf eine Gesamtschule, da dort das Abitur oft als zweitklassig angesehen wird – allerdings ungerechtfertigt. Jetzt könnte die IGS das neue Gymnasium genau vor die Nase gesetzt kriegen. Bei etwaiger Konkurrenz geht es allerdings nicht vorrangig um den Standort. Ich finde, wir sollten Gesamtschulen so attraktiv wie möglich machen und am Abbau der Vorurteile arbeiten. Nichtsdestotrotz: Die Politik muss auch den Willen der Eltern sehen, die ihr Kind gerne auf das Gymnasium schicken möchten. In meiner Rolle als Bürgermeister würde ich sagen: Wenn schon ein neues Gymnasium gebaut wird, dann besser im wachsenden Stadtbezirk Kirchrode-Bemerode-Wülferode.

Bernd Rödel, SPD

Eine Auswahl für die Kinder

Petra Stittgen Quelle: Jacqueline Hadasch

Hierzu kann ich mich nur schwer äußern, da wir noch nicht sicher wissen, ob das Gymnasium hier gebaut wird. Das ist auch abhängig vom Standort der sechsten Grundschule im Bezirk – auch dieser ist noch unklar. Hier ist die Verwaltung jetzt am Zug. Da wir ein neues Gymnasium in Hannover brauchen, wäre es natürlich nicht schlecht, fiele die Standortwahl auf Bemerode. Mit einem Gymnasium in unserem Stadtbezirk hätten Eltern die Möglichkeit, sich auch für eine andere Schulform für ihre Kinder in unserem Stadtbezirk zu entscheiden.

Petra Stittgen, CDU

Keine Eliteschule in Bemerode

Maximilian Wahl Quelle: Jacqueline Hadasch

Meiner Meinung nach wäre es nicht wirklich gut, ein Gymnasium in unserem Stadtbezirk zu haben. Gerade wohlhabende Familien schicken ihre Kinder lieber aufs Gymnasium. Das könnte dann schnell eine Art Eliteschule werden. Ich unterstütze voll und ganz die Gesamtschulen. Es ist gut, verschiedene Einkommensschichten zu mischen. Statt ein neues Gymnasium zu errichten, würde ich eher die IGS Kronsberg erweitern. An einer Gesamtschule kann man die gleichen Abschlüsse wie auf einem Gymnasium machen.

Maximilian Wahl, Die Linke

Von Jaqueline Hadasch