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Süd Bezirksrat lehnt Wasserkraftanlage ab
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Bezirksrat lehnt Wasserkraftanlage ab
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09:08 13.11.2009
Von Sandra Schütte
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Rückschlag für die Firma „AUF Eberlein“, die an der Leineinsel in Döhren eine Wasserkraftanlage bauen will: Der Bezirksrat Döhren-Wülfel hat sich gegen das Projekt ausgesprochen. Die Entscheidung über den Vorvertrag der Stadt mit dem Investor endete mit neun zu neun Stimmen zwar unentschieden, formal ist die Beschlussdrucksache der Verwaltung damit jedoch abgelehnt. Für die 3,3 Millionen teure Anlage sprachen sich SPD und Grüne aus, CDU und die Einzelvetreter von FDP, WfH und Linke votierten dagegen. Vor der Abstimmung hatten sowohl die Anwohner der Leineinsel als auch Heinz Pyka vom Fischereiverein heftig gegen den Bau protestiert und Klagen angekündigt.

Die Anwohner, die in den vergangenen Wochen rund 180 Unterschriften gegen die Anlage gesammelt haben, fürchten nicht nur eine größere Lärmbelästigung, sondern auch Folgen für den Nebenflussarm, der um die Straße Am Leinewehr verläuft. „Bei Niedrigwasser wird das ein stinkendes Gewässer“, sagte Anlieger Richard Kringel. Gleichzeitig haben viele Bürger Angst, dass bei Hochwasser Tiefgaragen und Wohnungen überflutet werden. „Die ökologischen Folgen wären gravierend“, warnte Heinz Pyka vom Fischereiverein Hannover. „Es gibt kein Wasserkraftwerk, das keine Fische tötet.“ Abgesehen davon sei der Energiegewinn mit 3000 Megawattstunden – die Menge entspricht dem Bedarf von 1000 Haushalten – „minimal für das, was zerstört wird“. Auf die vergleichsweise kleine Anlage in Döhren könne demnach verzichtet werden, erläuterte Pyka. Kann „AUF Eberlein“ die Pläne umsetzen, fürchtet der Experte außerdem um die Kiesbänke im Uferbereich, die aus seiner Sicht nach dem Bau der Anlage nicht mehr mit ausreichend Wasser versorgt und versanden würden. Zahlreichen Fischarten würden ihre Laichplätze genommen.

Ingenieur Frank Gries vom Planungsbüro Heidt & Peters indes rechnet mit einer ausreichenden Mindestwassermenge von 3,5 Kubikmetern pro Sekunde, die noch durch den Nebenarm fließt. Konkrete Berechnungen für die Wassermenge der Leine, die sich durch den Bau der Anlage ergibt, kann Gries nach eigenen Angaben derzeit allerdings nicht liefern. Die würden auch erst für das Planfeststellungsverfahren relevant. „Wir haben aber trotzdem genau gerechnet“, versicherte Gries. „Wasserbau ist keine schwarze Magie, sondern Ingenieurskunst“, machte auch Rainer Konerding vom städtischen Fachbereich Umwelt und Stadtgrün deutlich. „Die Abflüsse sind berechen- und beherrschbar.“ Schließlich habe die Stadt Erfahrungen mit den Anlagen in Herrenhausen und Limmer, die von den Stadtwerken betrieben werden.

Nach der Besichtigung einer von „AUF Eberlein“ betriebenen Anlage im fränkischen Lohr am Main (der Stadt-Anzeiger berichtete) war vor allem die SPD von dem Projekt überzeugt, die CDU lehnt es „aus ökologischen Gründen“ ab. Die Sozialdemokraten sind grundsätzlich für die Anlage, wollen aber die Auswirkungen der geringen Wassermengen noch „genauestens überprüft wissen, bevor gebaut wird“, sagte SPD-Fraktionschef Bert Oltersdorf. Die kritischen Details müssten noch diskutiert werden“, betonte auch Grünen-Fraktionsvorsitzende Eva Hartmann. Nach „kontroversen Argumenten im Ortsverband“, seien die Grünen aber zu dem Schluss gekommen, dass das Kraftwerk „ein gute Sache für Döhren“ sei.

Die CDU sei zwar nicht gegen den Einsatz regenerativer Energien, aber die „negativen Auswirkungen auf das labile Ökosystem Leine sind weitaus größer als die Vorteile, die sich durch die voraussichtliche Kohlendioxid-Einsparung ergeben“ argumentieren die Christdemokraten. Die Anlage in Lohr am Main hat „nichts mit der in Döhren zu tun“, sagte WfH-Bezirksratsherr Heinrich Mix und warnte vor den Folgen bei Hochwasser: „Viele Döhrener haben heute schon nasse Füße.“ Und Manfred Milkereit (Linke) würde einem Kraftwerk an der Leine grundsätzlich zustimmen, aber nur, „wenn die Stadtwerke die Anlage betreiben“. Am Montag, 16. November, berät nun der Umweltausschuss über den Vorvertrag der Stadt mit „AUF Eberlein“ zum Bau der Wasserkraftanlage an der Leineinsel, der Rat der Stadt beschäftigt sich am Donnerstag, 19. November, mit dem Thema.

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