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Süd Bürgermeister uneins über Kampagne
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Bürgermeister uneins über Kampagne
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08:00 01.07.2010
Imagekampagne „Hannover heißt Zuhause“
Zum Start der Aktion 2003 in Herrenhausen und der Südstadt ließ sich auch der damalige Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg mit den ersten Plakaten ablichten. Quelle: Decker
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Die Nordstadt wird in diesem Jahr als 20. und letzter Stadtteil von dem Programm profitieren, das die Bürger von den guten Seiten Hannovers überzeugen soll. Im Süden waren Döhren, Südstadt, Misburg und Bemerode beteiligt. Für neun weitere Stadtteile ist die Kampagne aus Spargründen gestrichen, darunter Kirchrode, Anderten, Wülfel und Mittelfeld.

Die Stadtverwaltung legte den Termin für jeden Stadtteil fest und finanzierte dort mit je rund 25 000 Euro den Druck von Programmflyern und Werbeplakaten. Eine Marketingagentur dichtete ein Motto und setzte das Quartier mit Anwohnern als Fotomodels in Szene. Koordinatoren vor Ort kümmerten sich um ein Begleitprogramm. „Die Marketingkampagne war Bestandteil eines Maßnahmebündels gegen Abwanderung“, erläutert Stadtsprecher Dennis Dix. Rund eine halbe Million Euro investierte die Stadt insgesamt in die Kampagne; der jährliche Kostenansatz lag zuletzt bei 70 000 Euro.

Aus Sicht der Verwaltung ist das Ziel im Grunde erreicht. Kehrten 2003 noch rund 2000 Bürger der Stadt den Rücken, so sind es derzeit nur 650. „Das ist natürlich nicht nur der Kampagne zuzuschreiben“, sagt Dix. Auch die Ausweisung von Baugebieten, das Stadtplatzprogramm oder der Kinder-Bauland-Bonus hätten daran ihren Anteil.

„Die Kampagne war überflüssig“, findet dagegen der Südstädter Bezirksbürgermeister Lothar Pollähne. Das Geld hätte besser für Projekte in der Kulturarbeit ausgegeben werden können. Neue Impulse hätte die Aktion kaum gebracht. „Wir haben hier schon lange gute Aktivitäten“, meint Pollähne. Er kritisiere vor allem, dass die Kampagne dem Stadtteil 2006 gewissermaßen „von oben herab“ auferlegt wurde. Auch das Motto „Die Südstadt viele Gesichter hat“ sei doch „beknackt“.

Christine Ranke-Heck, Bezirksbürgermeisterin von Döhren-Wülfel, dagegen bewertet die 2003 in Döhren gelaufene Aktion (Motto: „Nach Döhren gehören“) als „nachhaltig“. Veranstaltungen wie der Döhrener Kulturspaziergang oder Stadtteilrunden – etwa zur Umgestaltung der Fiedelerstraße – seien aus der Kampagne heraus entstanden. „Ich hätte sie gern auch in Mittelfeld gehabt“, sagt Ranke-Heck.

Der Bürgermeister von Misburg-Anderten, Knut Fuljahn, erinnert sich daran, wie schwer sich viele Misburger (Motto: „Misburg – ein Teil der Stadt, der alles hat“) 2008 mit der Kampagne taten. Zeitgleich sei der umstrittene Umbau von Meyers Garten gelaufen. Dennoch habe die Kampagne auch ihr Gutes gehabt, räumt Fuljahn ein: „Eine Gewerbeschau zum Beispiel. Und seither haben wir eine regelmäßige Gesprächsrunde zwischen Kaufleuten, Vereinen und Politikern.“

Manfred Benkler, Bezirksbürgermeister von Kirchrode-Bemerode-Wülferode, hatte zum Kampagnenstart im vorigen Jahr (Motto: „Tradition und Moderne – in Bemerode leben alle gerne“) nur geringe Erwartungen. Es sei kaum messbar, welche Wirkung Programmpunkte wie Feste zeigten, sagt er: „Aber es ist eine gute Idee, etwas für die Identifikation mit dem Stadtteil zu tun.“ Bemerode habe in der jüngst vorgestellten Zufriedenheitsanalyse der Stadt gut abgeschnitten. „Geldverschwendung war die Kampagne also sicher nicht.“ Aber lokale Institutionen wie der Bezirksrat seien zu spät ins Boot geholt worden, kritisiert Benkler: „Wir hätten sonst noch mehr Ideen unterbringen können.“ So wäre etwa denkbar gewesen, im Stadtbezirk eine Art „Roter Faden“ wie in der City zu schaffen.

Marcel Schwarzenberger