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Süd Chemie-Nord-Neubau an der Güntherstraße wird es nicht geben
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Chemie-Nord-Neubau an der Güntherstraße wird es nicht geben
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10:05 20.02.2010
Der fünfgeschossige Neubau auf dem 365 Quadratmeter großen Grundstück wird nicht gebaut.
Der fünfgeschossige Neubau auf dem 365 Quadratmeter großen Grundstück wird nicht gebaut. Quelle: Archiv
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Die Bezirksbürgermeisterin von Döhren-Wülfel, Christine Ranke-Heck (SPD), nahm die Neuigkeit mit Enttäuschung auf. Sie bedauere, dass es zwischen Chemie Nord und den Wohnungseigentümern des Nachbarhauses zu keiner Einigung gekommen sei, sagt Ranke-Heck: „In diesen schlechten Zeiten geht der Bauindustrie ein Auftrag über drei Millionen Euro verloren.“

Der Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands, Jochen Wilkens, kann seine Betroffenheit kaum verbergen. „Wir wären gern in der Güntherstraße geblieben. Aber unsere Zentrale platzt aus allen Nähten.“ Inzwischen stehe jedoch fest, dass mit den Nachbarn keine Einigung zu erzielen sei. Diese hätten die veränderte Planung, die ihre Wünsche und Anregungen berücksichtige, kurz vor Weihnachten noch gebilligt, sagt Wilken. In der Bezirksratssitzung am 5. Februar habe Chemie Nord die neuen Pläne vorstellen wollen, um den Baubeginn im Sommer sicherzustellen. Aber daraus sei dann nichts geworden, betont Wilken.

Der Neubau sollte weiter vom Nachbarhaus entfernt und näher an der Hildesheimer Straße liegen. „Zwischen den beiden Gebäuden hätten die Nachbarn Parkplätze einrichten können. Wir hätten ihnen das Wegerecht eingeräumt“, erläutert der Geschäftsführer. Den Vertrag hätten die Waldhausener nur vorsichtshalber noch von ihrem Anwalt prüfen lassen wollen. „Danach haben wir nichts mehr gehört, und der Anwalt war auch nicht zu erreichen.“ Rechtsanwalt Hanns-Christian Fricke, der die vier Wohnungseigentümer aus dem Nachbarhaus vertritt, schildert die Situation anders: „Chemie Nord hat nur einzelne Eigentümer angesprochen. Eine Zustimmung aller hat es nie gegeben.“

Der geplante Neubau sei einfach zu überdimensioniert für das relativ kleine Grundstück und verstoße unter anderem gegen das Grenzabstandsrecht. Dies habe die Stadt überprüft und sich den Bedenken seiner Mandanten angeschlossen.

Dennoch habe es Gespräche zwischen beiden Seiten gegeben, räumt der Anwalt ein: „Ich habe einen moderaten Vorschlag unterbreitet.“ Der fünfgeschossige Neubau hätte zwangsläufig zu Nachteilen für seine Mandanten und zu einer erheblichen Wertminderung des Grundstücks geführt. „Darüber hätte man ja reden können“, meint Fricke. Wilken spricht dagegen von „maßlosen Forderungen“.

Die Chemie Nord, mit insgesamt 42 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeberverbände, trauert dem Standort an der Hildesheimer Straße nach. „Wir haben hier eine Superlage mit einer idealen Verkehrsanbindung“, betont der Geschäftsführer. Er hat Makler mit der Suche nach einem Bürogebäude beauftragt. Das Foto des Modells mit – auf Wunsch der Nachbarn – erheblich reduzierter Fensterfläche ist nur noch Makulatur. „Wer weiß, wer das Haus jetzt kauft und was er daraus macht“, meint die Bezirksbürgermeisterin.

Jutta Oerding