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Süd Chemie-Standorte: SPD befürchtet Gefahr für Anwohner
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Chemie-Standorte: SPD befürchtet Gefahr für Anwohner
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13:03 15.10.2009
Von Jutta Oerding
Das Gelände der ehemaligen Lackfabrik an der Hildesheimer Straße
Das Gelände der ehemaligen Lackfabrik an der Hildesheimer Straße Quelle: Julia Fruhner (Archiv)
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Nach Auskunft der Verwaltung lag die Schadstoffbelastung bei einer Jahre zurückliegenden Überprüfung zwar leicht über dem Schwellenwert, jedoch sähen die Behörden keinerlei Handlungsbedarf. Dass Umweltschutz in der Gründungszeit der chemischen Industrie kaum eine Rolle gespielt habe, stehe außer Frage, meint Bezirksbürgermeisterin Christine Ranke-Heck. Ihre Fraktion habe bei ihrer Anfrage das traurige Beispiel aus der List vor Augen gehabt, wo inmitten dichter Wohnbebauung Altlasten des früheren Chemieunternehmens Riedel-de Haën gefunden wurden. „Noch könnte man bei uns den Verursacher zur Sanierung heranziehen“, betont die Bezirksbürgermeisterin. Der Industrielack-Hersteller Schiemann hat zum 1. Januar 2007 mit der Lankwitzer Lackfabrik fusioniert und produziert seitdem im Harz.

Aktuelle Aussagen zur Bodenverunreinigung an der Hildesheimer Straße gibt es nicht. Auf dem Gelände der Chemischen Fabrik Wülfel sind Boden und Grundwasser zuletzt 1998 untersucht worden, beim Nachbarn Schiemann 2001. Unter anderem wurden polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gefunden, die stark krebserregend sind. Nach Auskunft der Stadtverwaltung steht jedoch fest, „dass die Ausdehnung der Schadstoffe räumlich sehr eng begrenzt ist“. Über das Grundwasser gelangten keine Schadstoffe auf angrenzende Flächen. „Dazu möchten wir nähere Informationen haben“, sagt SPD-Fraktionschef Bert Oltersdorf. Heutzutage halte sich die chemische Industrie an strenge Auflagen, aber die Versäumnisse der Vergangenheit müssten aufgearbeitet werden. Die Fraktion wolle über die Antwort der Stadtverwaltung ausführlich beraten. „Ich glaube nicht, dass wir die Sache auf sich beruhen lassen“, meint Oltersdorf. Er hält es für selbstverständlich, dass Altlasten in gewissen Abständen überprüft werden müssen.

Solche Vorschriften gibt es jedoch nicht, wie Hermann Franke, stellvertretender Leiter des Gewerbeaufsichtsamts, erklärt. Von der Altlast an der Hildesheimer Straße gehe keine Gefahr aus: „Die Nachbarn müssen sich keine Sorgen machen.“ Falls aber auf dem Grundstück der früheren Lackfabrik wieder gebaut werden sollte, würde seine Behörde „ganz genau hingucken“. Bei künftiger Industrieansiedlung liege die Messlatte in Bezug auf Schadstoffe niedriger als bei Wohnbebauung.

Die Stadt hat schon vor einem Jahr im Zuge einer Änderung des Bebauungsplans erklärt, zwischen der Thurnithi- und der Hildesheimer Straße seien produzierendes Gewerbe und Bürogebäude vorgesehen. Einzelhandel mit großem Flächenbedarf wie ein Möbelhaus oder ein Gartencenter sei aber auch möglich.