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Süd Chor „Krosecco“ sucht Bassstimmen und Tenöre
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Chor „Krosecco“ sucht Bassstimmen und Tenöre
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13:43 02.05.2013
Foto: Engagierte Musiker bei der Probe: Krosecco sucht weitere Sänger.
Engagierte Musiker bei der Probe: Krosecco sucht weitere Sänger. Quelle: Weisse
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Kronsberg

Woran liegt es nur, dass so vielen Chören die Männer fehlen? Auch der Kronsbergchor „Krosecco“ ist dringend auf der Suche nach Bass- und Tenorstimmen. Unter den 45 Mitgliedern gibt es nur sieben Herren. Im Vergleich zu den Frauen sind diese einfach zu leise, bedauert Chorleiter Tilo Gutjahr. Wenn dann noch ein Mann erkrankt oder aus einem anderen Grund nicht zur Probe am Donnerstag ab 19:30 Uhr im Stadtteilzentrum KroKus kommt, können die verbliebenen Herren kaum noch gegen Alt und Sopran ansingen. Einmal stand Tenor Bernt Rein sogar ganz alleine da. „Unser Chorleiter hat mir zwar geholfen, aber das war trotzdem sehr schwierig für mich“, erzählt Rein. Zeitweise seien auch schon drei Frauen aus dem Alt eingesprungen und haben beim Tenor mitgesungen. „Das hört sich aber nicht so gut an“, meint Editha Renn, eine der „Aushilfs-Tenösen“.

Im Chor singen heißt etwas von sich hergeben

Sollten auf Dauer noch mehr Männerstimmen ausfallen, könne der Chor sehr viele Stücke gar nicht mehr singen, befürchtet Chorleiter Gutjahr. „Dann bleibt nur noch die Literatur, die für Frauenchöre gedacht ist“, erklärt er. Vielleicht haben Männern einfach größere Ängste vorm Singen als Frauen, mutmaßt der Musiker. Aber warum eigentlich? „Man muss dabei etwas von sich hergeben“, sagt Tenor Bernt Rein. Allerdings lohne sich der Einsatz für das gemeinsame Erlebnis. „Singen macht frei“, schwärmt er. Für Altistin Editha Renn war das Singen im Chor sogar wie eine Therapie. Ihr habe der Chor geholfen, die Trauer über den Tod ihres Mannes zu verwinden. „Das war der einzige Abend, an dem ich nicht geweint habe“, erinnert sie sich. Auch heute noch sorge der wöchentliche Termin für gute Laune. „Wenn ich nach Hause komme, geht es mir so gut“, schwärmt sie.

Mindestens zweimal im Jahr tritt der Chor auf

Vor dem Krosecco braucht jedenfalls niemand Angst zu haben. Nicht einmal Notenkenntnisse sind Bedingung für die Mitgliedschaft. Die Atmosphäre bei der Probe ist locker und humorvoll, auch wenn Tilo Gutjahr „seinen“ Sängern durchaus klare Ansagen macht, wenn der Einsatz nicht stimmt oder die Töne nicht sitzen. Einmal monatlich gibt es nach der Probe einen „Aftersing-Treff“. „Wir sind ein sehr netter Chor“, fasst Gutjahr zusammen. Die Sänger im Alter von 18 bis 75 Jahren seien sehr motiviert. „Wir singen viel unterschiedliche Literatur, da ist für jeden etwas dabei.“ Von Jazz über Rock und Pop bis zu Gospel reicht das Repertoire. Mindestens zweimal im Jahr tritt der Chor auf, zum Beispiel im Kirchenzentrum neben dem „KroKus“. Etwa acht neue Stücke studiert Tilo Gutjahr dafür in einem halben Jahr ein. Damit die Mitglieder dafür auch zu Hause üben können, hat sich der Chorleiter die Mühe gemacht, von vielen Stücken die einzelnen Stimmen aufzunehmen. Über das Internet können die Chormitglieder ihren Part aufrufen. „Knapp die Hälfte unserer Stücke steht schon im Netz“, sagt er. Dadurch präge sich die Melodie besser ins Gedächtnis ein. Das Angebot wird von den Sängern gut angenommen. Bernt Rein etwa übt etwa zwei- oder dreimal in der Woche mithilfe des Internets.

Eine weitere Lücke tut sich im Sommer beim Kronsberger Chor auf. Dann legt Jugendwartin Christa Bock nach 14 Jahren ehrenamtlichen Engagements ihr Amt nieder. Sie betreut drei Kinderchöre. Ein Nachfolger wird dringend gesucht.

Sonja Weisse