Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Süd Baustelle am Großen Hillen bleibt bis 2017
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Baustelle am Großen Hillen bleibt bis 2017
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 20.07.2014
Von Christian Link
Am Großen Hillen in Kirchrode wird ein neuer Hochbahnsteig gebaut.
Am Großen Hillen in Kirchrode wird ein neuer Hochbahnsteig gebaut. Quelle: Christian Link
Anzeige
Hannover

Der Unmut im Herzen des Stadtteils ist groß: Nachdem die Infrastrukturgesellschaft (Infra) der Region Hannover angekündigt hat, dass die Bauarbeiten am Großen Hillen bis zum Sommer 2017 dauern werden, sind die Anlieger gründlich verärgert. Ein ganzes Jahr länger als ursprünglich geplant müssen sie nun mit den Verkehrsbehinderungen und dem Baustellenlärm im Stadtteil auskommen. Immerhin ist sich Infra-Geschäftsführer Stefan Harcke sicher: „Hinter den neuen Zeitplan wirft uns nichts mehr zurück.“ Durch die neue Terminierung gebe es jetzt auch Spielraum für weitere Verzögerungen.

„Ich bin richtig sauer, aber ändern können wir da ja nichts - egal, ob wir das gut finden oder nicht“, sagt eine Mitarbeiterin des Bekleidungsfachgeschäfts Mode am Tiergarten. Der Laden direkt an der Stadtbahnhaltestelle ist wie kein anderer von den Bauarbeiten betroffen. Seit Mai werden nur wenige Meter vor dem Schaufenster die Leitungen erneuert, auch die Gleisarbeiten werden sich dort abspielen. „Unser Umsatz ist durch die Bauarbeiten bereits gesunken, denn unsere Kunden können hier nicht mehr parken“, beklagt die Verkäuferin. Von der Hochflurbahn hält sie ohnehin nicht viel. „Es ist schade für Kirchrode, dass es diese hässlichen Hochbahnsteige gibt.“

Auch bei den Angestellten eines Immobilienunternehmens in der Kirchröder Ortsmitte sind die Hochbahnsteige nicht wohlgelitten. „Die sind generell ein Ärgernis, außerdem müssen wir durch die Baustellen nun andauernd Schleichwege fahren, und es gibt weniger Parkplätze“, ärgert sich eine Mitarbeiterin.

Ein Jahr länger als geplant dauern die Bauarbeiten rund um den Hochbahnsteig am Großen Hillen - noch bis 2017 müssen Anwohner und Geschäftsleute Baulärm und Verkehrsbehinderungen ertragen.

Die Befürworter der Hochbahnsteige sehen auch die lange Bauzeit etwas weniger kritisch. „Die Hochbahnsteige sind eine Bereicherung für den Stadtteil und vor allem für die älteren Bewohner eine Erleichterung“, meint etwa Gerda Padeken, Filialleiterin der Buchhandlung C. Böhnert. Der Parkdruck in Kirchrode habe sich zwar erhöht, sei aber auch schon vorher beklagt worden. Glücklicherweise kämen die meisten Kunden der Buchhandlung ohnehin ohne Auto. „Wir sind Kummer gewohnt“, sagt Apothekerin Tanja Lieberum. Ihr Laden im Tiergarten Carré wurde erst vor einem Jahr aufwendig und vor allem lautstark renoviert. Doch das zahlt sich jetzt aus: Durch die neue Mehrfachverglasung und Gebäudedämmung dringt kaum mehr Baulärm in die Apotheke. Dass die Bauarbeiten für den Hochbahnsteig länger dauern als geplant, wundert die Apothekerin nicht. „Welche Baustelle liegt schon im Plan?“ Sie hoffe nur, dass es keine weiteren Verzögerungen gibt. „Hauptsache, es entwickelt sich hier nicht zum zweiten Berliner Flughafen.“

Bezirksbürgermeister Bernd Rödel (SPD) äußert Verständnis für die Bauzeitverlängerung. „Überall wird gebaut, und wenn sich Termine verschieben, kommt man schnell ins Schlingern.“ Glücklich ist er mit der langen Bauzeit aber nicht: „Jetzt geht es darum, die Belästigung für die Anwohner und Besucher Kirchrodes so gering wie möglich zu halten.“ Wie genau die Infra das machen will, wird sie in der nächsten Bezirksratssitzung im Oktober berichten. Immerhin könne man nun besser darauf achten, dass sich die Verkehrsbehinderungen der beiden Großbauprojekte im Stadtteil - Bau der Hochbahnsteige und Erneuerung der Eisenbahnbrücken - zeitlich nicht überschneiden, meint Rödel.

Für das Parkproblem sieht er derzeit keine Lösung. „Das Maximum an Kurzzeitplätzen in Kirchrode ist bereits ausgeschöpft.“ Platz für neue Parkmöglichkeiten gebe es im Stadtteil nicht mehr. Eine leichte Verbesserung erwartet er aber durch den Baufortschritt des Tiergarten Carrés an der Ecke Großer Hillen/Tiergartenstraße. Die Firma Gundlach plant auf dem Gelände rund 70 Stellplätze. Die ersten sollen ab Frühjahr 2015 mit der Eröffnung des neuen Rewe-Marktes verfügbar sein.

Im Zentrum entsteht ein „Schmuckkästchen“

Rund 7,7 Millionen Euro lässt sich die Region Hannover den Bau des Hochbahnsteigs Großer Hillen kosten. Für die barrierefreie Stadtbahnhaltestelle im Zentrum von Kirchrode ist ein kompletter Umbau der Tiergartenstraße auf 450 Metern Länge nötig. Betroffen ist der Abschnitt zwischen Mardalstraße und Kronsberger Straße. Im ersten Bauabschnitt werden die Leitungen von Telekom und Stadtwerken erneuert. Durch Hindernisse im Untergrund gestalten sich diese Arbeiten äußerst schwierig. „Es sind einige Unwägbarkeiten eingetreten“, berichtet Infra-Bauleiter Martin Vey. Dadurch sei das komplexe Geflecht der ineinander greifenden Bautätigkeiten vollständig durcheinander geraten. Der ursprüngliche Zeitplan, der die Inbetriebnahme des Hochbahnsteigs Ende 2015 vorsah, könne nicht mehr eingehalten werden.

Derzeit geht die Infra davon aus, dass die neue Stadtbahnstation Ende 2016 in Betrieb geht. Die Straßen- und Gleisarbeiten sollen im Sommer 2017 endgültig beendet sein, ebenso wie die Umgestaltung des Klönschnackplatzes und des Platzes vor der Sparkasse. „Wenn alles fertig ist, werden wir ein richtiges Schmuckkästchen haben“, meint Bezirksbürgermeister Bernd Rödel. Unklar ist noch, wo künftig Taxis parken werden. Vor der Sparkasse wird nach dem Umbau kein Platz mehr sein. „Wir führen Gespräche mit den Taxi-Betreibern“, sagt Rödel dazu.

Von Christian Link

13.07.2014
Süd Preis für Modestudenten vergeben - Der Glamour des Nachwuchs
Mathias Klein 15.07.2014