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Süd Der Schmuckplatz ist vielen kein Begriff
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Der Schmuckplatz ist vielen kein Begriff
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06:15 09.06.2012
Von Christian Link
Foto: Sie sind am Projekt Gartenstadt beteiligt: Robin Grentz, Robina Scheer, Ilona Kiegeland, Laura Schlotthauber und Anni Bukmaier (vorne v. l.), Markus Pirone, Sarah Dittrich, Marietta Schwarze, Lonny Förster sowie Karl-Heinz Mohné und Marc Meinke (hinten v. l.).
Sie sind am Projekt Gartenstadt beteiligt: Robin Grentz, Robina Scheer, Ilona Kiegeland, Laura Schlotthauber und Anni Bukmaier (vorne v. l.), Markus Pirone, Sarah Dittrich, Marietta Schwarze, Lonny Förster sowie Karl-Heinz Mohné und Marc Meinke (hinten v. l.). Quelle: Christian Link
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Kirchrode

Dass sie in der Gartenstadt Kirchrode wohnen, haben viele Anwohner bisher gar nicht gewusst. Ein großer Teil der Bewohner hat erst durch eine Umfrage von der historischen Bedeutung des Viertels erfahren, das zwischen Südschnellweg, Greitheweg, Lange-Feld- und Lange-Hop-Straße liegt. Die Befragung wurde von Bachelor-Studenten der Hochschule Hannover im Auftrag des gemeinnützigen Vereins „Forum für Kultur und Wissenschaft“ durchgeführt; sie hatten alle 400 Haushalte der Gartenstadt Kirchrode angeschrieben, doch nur etwa jeder zehnte Fragebogen wurde beantwortet. Am vergangenen Freitag präsentierten die Studierenden des Fachbereichs Veranstaltungsmanagement die Ergebnisse der Umfrage im Queens Hotel an der Tiergartenstraße. Dabei wurden auch die drei Sieger eines Fotowettbewerbs gekürt. Das schönste Foto aus dem eigenen Garten schoss die Familie Basler, auf Platz zwei und drei folgten die Familien Schwarz und Jakob, die allesamt in der Gartenstadt wohnen.

Mit der Umfrage wollten die Studenten herausfinden, was die Kirchröder von ihrem Quartier halten, wie gut sie es kennen und was man dort verbessern könnte. Besonders viele Fragen beschäftigten sich mit dem Schmuckplatz an der Straße Im Büntefelde, der im Rahmen eines gemeinsamen Projekts von Kulturverein und Studenten aufgewertet werden soll.

Dem Namen nach kennen die meisten Stadtteilbewohner den Schmuckplatz nicht, aber sie nutzen ihn zur Naherholung, berichtete Studentin Laura Schlotthuber. Das bestätigte auch eine Besucherin der Veranstaltung: „Ich wohne schon ein paar Jahrzehnten hier in Kirchrode - der Begriff ,Schmuckplatz’ ist mir aber vollkommen neu.“ Nach den Wünschen der Umfrageteilnehmer soll der Platz auch in Zukunft für Sport, Picknick und Feste genutzt werden. „Ein Großteil der Befragten könnte sich auch eine Außenbewirtschaftung durch das Café Doppelkorn vorstellen“, sagte Schlotthuber.

Dieser Wunsch könnte bald Realität werden. Dozent Karl-Heinz Mohné hatte bei den Geschäftsinhabern nachgefragt, ob sie sich vorstellen könnten, den Außenbereich ihres Cafés nicht nur wie bisher zum Bünteweg, sondern auch zum Schmuckplatz hin zu bewirtschaften, „Die Betreiber des Cafés sind dem gegenüber sehr aufgeschlossen“, sagte Mohné.

Kaffee und Kuchen gibt es unabhängig davon schon am Sonntag, 24. Juni, auf dem Schmuckplatz. Dann veranstalten die Veranstaltungsmanagement-Studenten von 14 bis 18 Uhr auf der Grünfläche am Bünteweg ein Sommerfest. „Bei der Umfrage ist herausgekommen, dass viele Menschen den Platz gerne zum Picknicken nutzen würden - und genau das haben wir bei unserem Fest vor“, sagt Student Robin Grentz. Das Essen im Freien wird mit einem musikalischen Rahmenprogramm verfeinert.

Mit dem Sommerfest soll eine intensivere Nutzung des Schmuckplatzes für Veranstaltungen eingeläutet werden; dies ist eines der Ziele des gemeinsamen Projekts zwischen Kulturverein und Studenten. Außerdem soll die Initiative das historische Bewusstsein für die Gartenstadt stärken. Dazu dürfte die Umfrage einen wichtigen Beitrag geleistet haben. Denn in puncto Bekanntheit hat die Gartenstadt Kirchrode ebenso viel Nachholbedarf wie der Name Schmuckplatz. „Ich habe bis vor Kurzem nicht gewusst, dass ich in einer Gartenstadt wohne“, sagte beispielsweise ein Anwohner aus dem Hagedornweg, der schon viele Jahre im Viertel lebt. In anderen Stadtteilen sei dieses Bewusstsein ausgeprägter: „Wer in der Gartenstadt Kleefeld wohnt, der weiß das.“

Ein anderer Anwohner, der seit 2008 im Stadtteil wohnt, sieht vor allem die Stadtverwaltung in der Pflicht, hier nachzubessern. Sie habe das Viertel bisher nur „stiefmütterlich behandelt“. „Bei der Stadt vermisse ich die Wertschätzung für die historische Bedeutung der Gartenstadt Kirchrode“, sagte er. Außerdem forderte er ein „architektonisches Leitbild“, um den Charakter der Siedlung zu erhalten.

Schon im 19. Jahrhundert, so erläutert der Kirchröder Karl Brügmann, sei die Idee entstanden, der zunehmenden Bodenspekulationen durch die Schaffung von besonderen Siedlungen entgegenzuwirken. Grund und Boden sollten Gemeinschaftseigentum einer Genossenschaft sein und nur in Erbpacht vergeben werden. So entstanden in vielen Städten planmäßig angelegte Quartiere mit gehobener Wohnkultur und großen Grundstücken zur Selbstversorgung. Diese nach genossenschaftlichem Prinzip organisierten Siedlungsgebiete habe man, so Brügman, als „Gartenstädte“ bezeichnet. In Kirchrode wurde in den Jahren 1924 bis 1929 begonnen, das Ackerland im Bereich des heutigen Büntewegs mit Siedlungshäusern zu bebauen.

Juliane Kaune 05.06.2012
Michael Zgoll 31.05.2012