Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Süd Aufgestauter Ärger
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Aufgestauter Ärger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 12.10.2013
Von Heike Schmidt
Stefan Schostok trifft sich mit der Anwohnerinitiative am Döhrener Wehr.
Stefan Schostok trifft sich mit der Anwohnerinitiative am Döhrener Wehr. Quelle: Michael Thomas
Anzeige
Döhren

Die Rechnung ist bestechend einfach: Mit der Leistung des geplanten Wasserkraftwerkes am Döhrener Leinewehr könnten 50 Haushalte eine Stunde lang einen Backofen anheizen. Doch dafür ein neues Wasserkraftwerk bauen? Die Leine um zusätzliche 28 Zentimeter aufstauen und damit das ökologische Gleichgewicht bedrohen? Wolfgang Scheffler schüttelt den Kopf. Der Sprecher der Anwohnerinitiative gegen das geplante Wasserkraftwerk am Döhrener Leinwehr hat genau nachgerechnet. Er verlässt sich nicht nur in diesem Punkt auf statistische Daten, die er in Diagramme eingefügt hat, um seine Thesen zu untermauern. Er möchte einen prominenten Politiker für die Argumente der Initiative überzeugen: Stefan Schostok ist zu einem informellen Gespräch ans Wehr gekommen.

„Nutzen und Schaden müssen in Bezug gesetzt werden“

An der Leine in Döhren soll am Standort eines jahrhundertealten Wehres wieder ein Wasserkraftwerk gebaut werden und umweltfreundlich Strom erzeugen. „Doch Nutzen und Schaden müssen in Bezug gesetzt werden“, betont Scheffler. So sei schon allein der Bau des Kraftwerkes gemessen am CO2-Ausstoß während der Arbeiten ökologisch gesehen Unsinn, wenn man es an seiner späteren Leistung messe: 150 Kilowattstunden würde das Kraftwerk erzeugen – das reiche, um 50 Backöfen anzuheizen. „Zehn Prozent aller Wasserkraftanlagen in Deutschland sind große Anlagen, die 90 Prozent des Stroms erzeugen“, erklärt der Initiativen-Sprecher. 90 Prozent hingegen seien kleine Anlagen, deren Anteil an der Stromversorgung nur zehn Prozent betrage. „Kleinwasserkraftwerke haben ein minimales energetisches Potenzial“, fasst er zusammen – und würden der Umwelt mehr schaden als nutzen. „Das sind interessante Informationen, die im Laufe des Verfahrens sicherlich bewertet werden“, erklärte Stefan Schostok diplomatisch. Eindeutig positionieren mochte er sich nicht.

Die Anwohner befürchten zudem überflutete Wohnungen und Keller, wenn das Wasser der Leine angestaut wird. „Anders kann der Investor die Turbinen gar nicht betreiben“, erklärt Scheffler: „Jeder Regenguss wird dann dazu führen, dass es eine Überschwemmung gibt.“ Die Wehr-Gegner befürchten zudem, dass Fische in den Turbinen zerhäckselt werden. Besonders Aale hätten kaum eine Chance lebend die Anlage zu passieren. Zwanzig bis fünfzig Prozent der Fische würden verenden: „Das sind Fischschreddermaschinen“, postuliert Scheffler.

Weitere Spekulationen um die Bauvorhaben

Die Anwohnerinitiative vermutet noch ein ganz anderes Ansinnen der Stadt, am Wehr eine Wasserkraftanlage bauen lassen zu wollen: „Das ist eine Ausgleichszahlung zum CO2-Ausstoß, der durch den Bau der Null-Energie-Siedlung kompensiert werden muss“, erklärt er. Die Eigentümer hätten 1.000 Euro mehr zahlen müssen, die nun in die Taschen des Wasserkraftwerk-Investors flössen. „Es gibt auch die Zusage, dass die Stadt das Wasserkraftwerk zu 75 Prozent seines aktuellen Schätzpreises übernehmen wird, wenn es nicht läuft“, sagt Scheffler, der für diese These keine Belege nennen mag. Viel wichtiger für ihn und seine Mitstreiter ist ihr Fazit: „Zu welchem Preis der Strom produziert worden ist, fragt anschließend niemand mehr.“

Conrad von Meding 11.10.2013
Margret Jans-Lottmann 10.10.2013
10.10.2013