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09:14 13.11.2009
Andreas Lange zeigt die Müll-Landschaft, die jugendliche Einbrecher in der Lagerhalle hinterlassen haben.
Andreas Lange zeigt die Müll-Landschaft, die jugendliche Einbrecher in der Lagerhalle hinterlassen haben. Quelle: Georg Thomas
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Verschmierte Farbflaschen, dreckige Pappteller und angekokelte Tücher liegen verstreut auf dem Boden einer alten Lagerhalle. Ein Eimer, Stoff und Pappe bilden einen kleinen Hügel, darunter liegt eine Plastikgabel. Gleich daneben steht ein Tisch auf einer Schicht von Sägespänen. In einer Umzugskiste neben dem Eingang türmen sich leere Prosecco-Flaschen auf. Aufräumen ist für den Künstler Michael Basilewski allerdings kein Thema. Vielmehr steckt in der Szenerie für ihn und den Fotografen Andreas Lange ein Ort der Inspiration.

Der Schaden, den zwei Jugendliche in der Werkstatt an der Wagenfeldstraße in Döhren vor einigen Monaten angerichtet haben, ist inzwischen ersetzt. Die jungen Leute waren in die sogenannten Lupowerke eingebrochen und hatten alles, was sie vorfanden, auf einen Berg geworfen und angezündet. Als der kleine Schwelbrand gelöscht war, blieb hier alles unverändert. Die Tat der Jugendlichen brachte die beiden Künstler auf die Idee, einige Fotos und eine Installation auszustellen. Sie zeigen ihre Werke am Ort des Geschehens unter dem Titel „Destruktionen“.

Andreas Lange hat besonders überrascht, dass die Jugendlichen bei ihrer Tat so zerstörerisch gehandelt haben: „In der Halle lagen auch Farben und Pinsel. Sie hätten doch auch etwas an die kahlen Wände malen können.“ Zugleich ist er aber fasziniert von dem „Scheiterhaufen“ in der Halle, einige Details hat er fotografiert. „Der zufällig auseinander geschobene Unrat kann etwas über die Jugendlichen erzählen“, meint der Langenhagener. Es sind Aussagen wie „offen ist nicht ganz dicht“ oder „komm wir gehen“, die auf Postkarten oder Zeitungsausschnitten standen, und zufällig in den Fotos zu finden sind und ihn nachdenklich machen. In einem anderen Bild liegt ein Kaffeebecher mit der Aufschrift „Ich liebe es“ in dem Durcheinander. Lange sieht in jedem der Bilder versteckte Hinweise auf die Jugendlichen.

Die Schuld für solche Taten sieht der 46-Jährige nicht allein bei den Jugendlichen: „Auch wir als Gesellschaft sind dafür verantwortlich.“ Das werde auch in zwei Fotos deutlich, in denen ein Kreuz und ein Beil zu erkennen seien. „Sie stehen für religiöse Normen und obrigkeitliche Gewalt“, erklärt Lange. Zwei Aspekte, die den Alltag von Jugendlichen heute beeinflussten. Die Bilder sind wie Fahndungsfotos mit Reißzwecken an die Wände gepinnt.

In der Mitte des Raumes steht ein weiteres Kunstobjekt. Mit der „Reise nach Jerusalem“ haben die zehn Stühle nichts zu tun, nur zwei von ihnen haben eine Lehne. Die anderen sind kaputt, nur ihre Gestelle stehen da. Zu jedem Stuhl gehört ein weißes Schild auf denen zum Beispiel Schlachter, Tischler oder Elektriker steht. „Das sind Berufe, von denen man früher gut leben konnte“, erklärt Lange. Heute sei es auch mit diesen Handwerksberufen oft schwer, über die Runden zu kommen. „Perspektiven“ lautet der Titel der Installation. Der Künstler möchte so auf die schwierige Lage junger Menschen in der heutigen Zeit aufmerksam machen: „Welche Perspektiven haben denn Jugendliche heute noch?“ Auf den zwei Stühlen mit Lehnen liegen die Schilder „Manager“ und „Drogendealer“. In einer Umfrage hätten die meisten Befragten geantwortet, dass man damit Geld verdienen kann, sagt der Künstler.

Langes Kollege Michael Basilewski möchte nicht nur mit der Ausstellung auf die schwierige Situation der Jugendlichen hinweisen. „Ich bin dabei eine Podiumsdiskussion zu organisieren.“ Bei mehreren Parteien sei er schon auf Interesse gestoßen. Er hoffe nun, dass es bald einen festen Termin für das Gespräch gibt.

Die Werke der zwei Künstler sind in jedem Fall noch bis Ende des Jahres im Atelier von Michael Basilewski, Wagenfeldstraße 5 in Döhren, zu sehen. Die Ausstellung ist am Wochenende von 13 bis 19 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.

von Georg Thomas

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