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Süd Durch kalten Winter brechen Umsätze auf Wochenmärkten ein
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Durch kalten Winter brechen Umsätze auf Wochenmärkten ein
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10:30 27.02.2010
Von Michael Zgoll
Die Obsthändler Carsten Bortels (l.) und Klaus Deichmann legen auf dem Markt am Fiedelerplatz einen Gully frei.
Die Obsthändler Carsten Bortels (l.) und Klaus Deichmann legen auf dem Markt am Fiedelerplatz einen Gully frei. Quelle: Zgoll
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Manche Verkäufer sind an den besonders kalten Markttagen erst gar nicht gekommen, oft aus Angst um ihre Ware. Doch auch die Kunden machten sich rar, scheuten häufig den Gang über eis- und schneebedeckte Wege. Langsam normalisiert sich die Lage wieder – und alle hoffen, dass es in den nächsten Wochen nicht noch einmal schneit und friert. Der Stadt-Anzeiger hat sich – beispielhaft für alle Märkte – auf dem Fiedelerplatz in Döhren umgeschaut.

Für manches Gemüse sind Temperaturen unter null Grad tödlich, weiß Markthändler Carsten Bortels. Der hohe Wassergehalt lässt Tomaten und Gurken dann ganz schnell erfrieren; Orangen dagegen können wegen des hohen Säuregehalts ein paar Minusgrade mehr vertragen. Dem Markt am Fiedelerplatz hat der 48-Jährige trotz aller Widrigkeiten die Treue gehalten, ist eher einmal einem umsatzschwächeren Markt wie dem am Mittelfelder Rübezahlplatz ferngeblieben. Ein großes Lob hat Bortels für seine Kunden parat: „Wie viele sich zum Markt gequält haben, egal wie glatt es war, war schon bewundernswert.“ Ein Stammkunde sei sogar mit einer Kühltasche gekommen, um sein Obst sicher nach Hause zu tragen – die Isolierschicht schützte Äpfel und Birnen vor dem Frost. Derzeit muss sich der Gemüsehändler aber eher mit den Nachwehen des Winters beschäftigten, etwa mit dem Stand-Nachbarn Klaus Deichmann vom Obsthof Busch die Gullys mit Hammer und Schaufel freilegen, damit das Tauwasser abfließen kann.

Über 40 Prozent Umsatzeinbußen in den vergangenen acht Wochen weiß auch Blumenhändlerin Sonia Hoffmann ein Klagelied zu singen. Viele Kunden hätten sich erst gar nicht auf den Markt getraut, andere hätten mit anfassen müssen, um an Tulpen und Rosen zu kommen. „Mit vereinten Kräften haben wir dann die Blumenkarren aus dem Lastwagen durch den Schnee bis zum Stand gezerrt“, berichtet die 49-Jährige. Natürlich sei das Blumensortiment bei hohen Minustemperaturen deutlich eingeschränkt, doch Plastikplanen und Gasbrenner würden Mensch und Material ein Stück weit schützen. Sonia Hoffmann lechzt förmlich nach dem Frühling: „Dieser Winter war für uns und unsere Kunden wirklich ein hartes Brot.“

Immer wieder werden Klagen laut, dass das Areal am Fiedelerplatz in den Vorwochen nicht ausreichend geräumt wurde. Zwei private Reinigungsfirmen sind für den Döhrener Markt zuständig, doch offenbar wurden sie – ebenso wie der Abfallwirtschaftsbetrieb aha und viele andere private Räumdienste – von Dauer und Wucht dieses Winters überrascht. Seit 13 Jahren habe es solch extremes Wetter nicht mehr gegeben, meint Marktmeister Horst Henritzi. Er hat auch schon selbst zur Schaufel gegriffen, um Stellplätze vom Schnee zu befreien, doch viele Mängel bei der Räumung seien nur „Anfangsschwierigkeiten“ gewesen. Das veranlasst Dieter Stellmann, der in seinem beheizten Verkaufswagen mit Eichsfelder Wurstspezialitäten immerhin nicht um seine Ware fürchten muss, zu einem sarkastischen Kommentar: „Die Anfangsschwierigkeiten haben wohl sieben Wochen gedauert.“ Allzu häufig sei es glatt gewesen auf den Wegen rund um den Fiedelerplatz, hoch hätten sich die Schneeberge aufgetürmt, aber natürlich sei die mangelhafte Räumung der Bürgersteige im ganzen Stadtteil ein Problem gewesen: „Viele ältere Menschen haben sich doch gar nicht mehr vor die Tür gewagt.“ Lobenswert finden die Standbetreiber, dass aha wenigstens Mitte Februar einen Container mit Splitt und Streusalz auf den Döhrener Marktplatz gestellt hat – so konnten sie ihre privaten Bestände mit Haushaltssalz schonen.

Die Beschwerden der Standbetreiber von allen hannoverschen Wochenmärkten klingen auch Petra Mahramzadeh vom städtischen Marktamt in den Ohren: „Für unsere Händler war dieser Winter ganz furchtbar.“ Besonders Anbieter aus der Region, die eh eine weitere Anfahrt haben, seien bei klirrender Kälte gleich zu Hause geblieben. Auf dem Südstädter Stephansplatz beispielsweise, weiß die stellvertretende Bereichsleiterin, hätten an manchen Markttagen rund ein Drittel der Händler die Segel gestrichen. Insbesondere die Gemüse- und Blumenverkäufer hätten um ihre Waren fürchten müssen, doch von den erheblichen Umsatzeinbußen seien natürlich auch die Bäcker oder Fisch-, Geflügel- und Fleischverkäufer in ihren Verkaufswagen betroffen gewesen. Den perfekten Schutz vor allen Widrigkeiten könne es in solch einem strengen Winter natürlich nicht geben, sagt Mahramzadeh; allerdings wolle man mit aha Gespräche führen, wie die Schneeräumung auf den hannoverschen Marktplätzen künftig noch besser koordiniert werden könne.

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