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Süd Ein Sinnesgarten der Erinnerung
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Ein Sinnesgarten der Erinnerung
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12:00 13.07.2014
Heimleiter Holger Geis. Fotos: Weiße (2)
Heimleiter Holger Geis. Fotos: Weiße (2) Quelle: Sonja Weiße
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Kirchrode

Alte Bäume spenden Schatten, in einem See plätschert eine Fontäne, in einer Voliere zwitschern Wellensittiche und Nymphensittiche. Das Pflegezentrum Heinemanhof hat einen schönen und großen Park. Erst bei genauem Hinsehen fällt auf, dass in diesem Park einige Dinge anders sind als in anderen Gärten. Denn der Heinemanhof ist spezialisiert auf die Pflege dementer Menschen. Und auch der Park ist ganz auf deren Bedürfnisse ausgerichtet. Vor dem See etwa stehen bruchsichere Glasscheiben - ohne sie wäre es dort zu gefährlich für die 105 Bewohner des geschlossenen Bereiches, zu dem der Park gehört. Die Demenzkranken stehen unter Betreuung und können den Bereich nicht verlassen, sich aber im Garten tagsüber nach Lust und Laune bewegen.

Im Jahr 2000 wurde der Sinnesgartens des Heinemanhofs eröffnet, in dem auch fernab von den Wegen ein schwarzes Auto unter einem Baum steht. „Demente Menschen entwickeln manchmal eine Hinlauftendenz“, erklärt Heimleiter Holger Geis. So nennen es die Fachleute, wenn desorientierte Männer oder Frauen aus dem Heim weglaufen und zu einem - möglicherweise nur in ihrer eigenen Vorstellung existierenden - Ziel streben. Dieses Ziel war für einen der Heinemanhof-Bewohner sein Auto. Immer wieder fragte der Mann danach. Er versuchte sogar über den hohen Zaun zu klettern, um es zu finden.

Für die Mitarbeiter des Pflegezentrum war diese Verhalten der Anlass, ein ausrangiertes Auto für den Park zu besorgen. Seit es im Garten stehe, sei der Mann sehr viel ruhiger geworden und sitze glücklich hinter dem Steuer, erzählt Geis. Aber auch anderere Bewohner nutzen das Auto gerne. Nicht nur, um darin sitzen - auch, um es zu polieren.

Den Pflegekräften ist recht, was die Bewohner glücklich macht. Und weil das für sie oft die Wiederholung einstiger vertrauter Tätigkeiten ist, gibt es im Garten viele Anregungen dafür. Deshalb können die Bewohner beispielsweise im Garten arbeiten und Blumen gießen. Damit bei dieser Tätigkeit auch Rollstuhlfahrer mitarbeiten können, haben die Pflegekräfte Hochbeete auf einem Tisch angelegt. Auch eine Pumpe mit Schwengel an der Nachbildung eines Brunnens lädt zur körperlichen Betätigung ein. Und als sich herausstellte, dass die Jüngeren unter den älteren Herrschaften gerne Ball spielen, wurden ein Fußballtor und ein Basketballkorb aufgestellt. In Kürze möchte Geis auch eine Wäscheleine aufhängen.

Auch Geräte und Einrichtungen, die zur Bewegungstherapie genutzt werden, sind im Garten zu finden. Dazu gehört das flache, zu allen Seiten mit Stangen abgesicherte Kneippbecken. An drei Sportgeräten trainieren die altersverwirrten Bewohner unter Anleitung zum Beispiel ihre Rücken- und Schultermuskulatur.

Auch die Architektur des Gartens ist den Bedürfnissen der Bewohner angepasst und hält für sie viele Anregungen bereit. Verschiedene Böden wie Stein, Sand und Rasen bieten Abwechslung zur wassergebundenen Wegedecke. Über zwei große Blöcke, Wassertastbecken genannt, fließt stetig Wasser. Am See und an der Voliere laden Bänke dazu ein, dem Gezwitscher der Vögel oder dem Plätschern der Fontäne zu lauschen. Die Wege sind zudem so angelegt, dass alle wieder zum Haus zurückführen, aber gleichzeitig Entscheidungen ermöglichen.

Wer etwa den Pfad am Teich weiterverfolgt, kommt zu einer Gabelung - ein Weg führt durch eine Obstbaumallee, der andere durch einen Bereich mit Kräutern und Sträuchern. Der ist nicht nur wegen seiner bunten Blüten bei den Demenzkranken beliebt, sondern auch wegen der Früchte, die hier wachsen. So sind die Johannisbeersträucher regelmäßig abgeerntet. Eine Bewohnerin pflücke hier gerne Blumen und verschenke sie andere Bewohner, erzählt Geis. Das alles ist ausdrücklich erwünscht - denn die Pflanzen im Garten sind danach ausgesucht, dass sie ungiftig und unempfindlich sind.

Wer sich für das Konzept interessiert, kann den Park im Rahmen der Aktion „Offene Pforte“ besichtigen. Er ist von Montag bis Sonntag, 14. bis 20. Juli, jeweils von 9 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet. Außerhalb dieser Zeit können unter den Telefonnummern 16 83 40 10 oder 16 83 40 20 Besichtigungstermine vereinbart werden.

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