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Süd Ein Zimmer voller Spielzeug
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Ein Zimmer voller Spielzeug
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15:27 15.01.2015
Voller Tatendrang: Der sechsjährige Chiad und freut sich über die Geschenke des Lions Clubs – ebenso wie die anderen Flüchtlingskinder in der Unterkunft.
  Voller Tatendrang: Der sechsjährige Chiad und freut sich über die Geschenke des Lions Clubs – ebenso wie die anderen Flüchtlingskinder in der Unterkunft. Quelle: Behrens
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Bisher stand der Speisesaal des derzeit als Flüchtlingswohnheim genutzten früheren Awo-Seniorenzentrums in der Zweibrückener Straße leer – nun spielen und toben dort Kinder. Ausgelassen hüpfen die Mädchen und Jungen auf einem Trampolin, werfen mit Schaumstoffbauklötzen oder haben den Kriechtunnel und die Rutsche mit Beschlag belegt. Rund 60 der 150 Menschen, die in dem Heim leben, sind Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren. Sie kommen aus Ghana, Nigeria, dem Nahen Osten oder der Ukraine – viele sind aus Armut oder Kriegswirren geflohen. Dass sie nun ein eigenes Spielzimmer nutzen können, haben sie dem Lions-Club Tiergarten zu verdanken. Die Clubmitglieder haben 3500 Euro gesammelt, um den Raum auszustatten.

Die Summe kam aus dem Verkauf von 600 Christstollen zusammen, die die Lions auf dem Weihnachtsmarkt an der Jacobikirche und auf Adventsbasaren angeboten hatten. Dass der Erlös den Flüchtlingskindern zugute kommen soll, war schnell entschieden. „Die Eltern kommen hierher, haben zwei Kinder an der Hand – und sonst nichts“, sagt Wolfgang Köplin, Vizepräsident des Lions-Clubs. „Die Kinder sind häufig traumatisiert“, ergänzt Clubmitglied Joachim Kraushaar. Nun können sie sich über ein Zimmer voller Spielzeug freuen. Hüpftiere, eine Spiralbahn, Torwände und ein Kletterhaus gehören zum neuen Inventar, ebenso wie eine kleine Werkbank und eine Mini-Küche. Eindeutiger Favorit aber ist das Trampolin. Die Kinder springen in die Höhe, machen Saltos und lachen fröhlich. „Das ist mein Lieblingsspielzeug“, sagt der sechsjährige Chiad Winston, der sonst gern Fußball spielt. Auch Nana hat das Trampolin sofort für sich entdeckt. „Das gefällt mir sehr“, sagt der Achtjährige.

Der kleine Mustafa beobachtet staunend das ausgelassene Treiben um ihn herum. Der Einjährige sitzt auf einem der roten Hüpftiere und kaut an einem Schokobären. Seine Mutter Mahsome ist vor drei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland gekommen; seit einem halben Jahr hat die Familie in dem Flüchtlingsheim ein Zuhause auf Zeit gefunden. „Ich freue mich für meine Kinder“, sagt die 33-Jährige, die noch zwei weitere Söhne hat, zu der Spende der Lions. Auch Sozialarbeiterin Monika Scheer-Nejma und ihre Kollegin loben die Lions. „Wir sind sehr froh, dass wir die Spende bekommen habe“, sagt Scheer-Nejma. „Jedes Kind braucht Spielzeug.“

Und bald gibt es noch weitere Geschenke: Es sollen drei Kindertische samt Stühlen besorgt werden. „Damit die Betreuer auch mal ruhig mit den Kindern arbeiten können“, erklärt Clubmitglied Ulrich Scharf. Das Mobiliar ist nicht mehr im Budget des Stollenverkaufs enthalten – es wird von den Lions zusätzlich finanziert.

Von Benjamin Behrens

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