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Süd Filialleiter verfolgt den Flüchtigen
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Filialleiter verfolgt den Flüchtigen
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10:56 13.11.2009
Wie viel Geld der Täter in der Postagentur in Döhren erbeutet hat, steht noch nicht fest.
Wie viel Geld der Täter in der Postagentur in Döhren erbeutet hat, steht noch nicht fest. Quelle: Meyland
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Inzwischen ist wieder Ruhe eingekehrt, das Tagesgeschäft läuft weiter. Doch am Montagabend gegen 17.50 Uhr bekamen einige Kunden und die beiden Mitarbeiter in der Postagentur an der Abelmannstraße in Döhren einen gehörigen Schreck. Mit vorgehaltener Pistole hatte ein Mann mit einer Kapuze über den Haaren erst von Anja Prielipp am Schalter und dann von Filialleiter Adem Karaoglan die Herausgabe der Tageseinnahmen gefordert. Mit den Scheinen in einem Beutel floh der Täter aus der Postagentur. Verletzt wurde bei dem Überfall niemand; die Summe des erbeuteten Bargeldes steht noch nicht fest.

Der unmaskierte Mann, der einen Vollbart trug und zwischen 50 und 60 Jahren alt sein soll, wurde nach Angaben von Adem Karaoglan von den Überwachungskameras in der Postbank aufgenommen. Der Filialleiter, der während des Überfalls den Notrufknopf drückte, wollte den Täter nicht entkommen lassen. Obwohl er beim Anblick der Waffe „einen Schreck bekommen“ habe, heftete er sich an dessen Fersen. „Ich wollte etwas tun“, sagt Karaoglan. Weil die Polizei erst nach 20 Minuten am Tatort eingetroffen sei, habe er selbst die Initiative ergriffen, sagt der 19-Jährige. „Es waren aber immer mindestens 50 Meter zwischen uns.“

Von Alleingängen dieser Art rät Julia Panten, Pressesprecherin der Polizeidirektion Hannover, entschieden ab: „Die Polizei rät sich niemals selbst in Gefahr zu begeben: Beobachten, hinterhergehen, eine Beschreibung machen und notieren – ja. Hinterherlaufen – nein.“ Bei solchen Verfolgungsaktionen eines bewaffneten Täters würden sich Menschen in unberechenbare Situationen manövrieren. Daher sei selbst unter dem Aspekt der Zivilcourage davon abzuraten.

Karaoglan bekam mit, wie sich der Dieb nach einigen Hundert Metern in eine Straßenbahn, nach Auskunft der Polizei an der Haltestelle Fiedelerstraße, flüchtete. Er informierte den Bahnfahrer über den flüchtigen Fahrgast, doch dieser sei weitergefahren und habe dem Mann, wenn auch ungewollt, damit zur Flucht verholfen. Nach Angaben von Üstra-Pressesprecher Udo Iwannek sei der Fahrer nicht angesprochen worden.

Vielmehr habe er erst „einige Haltestellen später einen Funkspruch erhalten“. Die Aufnahmen der mit Videotechnik ausgestatteten Bahn seien von den Ermittlungsbehörden gesichert worden. Adem Karaoglan, der die Filiale vor gut drei Monaten eröffnet hatte, ist rückblickend sehr erleichtert: „Gott sei Dank ist keinem etwas passiert – auch den Kunden nicht.“ Nun bleibt ihm die Hoffnung, dass der Fall mithilfe der Kameraaufnahmen schnellstmöglich aufgeklärt wird. Allerdings muss nach Angaben von Polizeisprecherin Panten noch geklärt werden, ob die Bilder „auswertbar und für eine öffentliche Fahndung geeignet sind“. Die Polizei sucht jetzt Zeugen, die Angaben zum Täter oder zum Tathergang vom Montagabend machen können. Der gesuchte Mann ist zwischen 50 und 60 Jahre alt, nach Angaben der Postagentur-Mitarbeiter etwa 1,70 Meter groß und hat einen grau-melierten Bart. Er machte einen ungepflegten Eindruck und trug beim Überfall eine dunkle Jacke mit tief in die Stirn gezogener Kapuze. Der Täter führte einen blauen Stoffbeutel mit weißer Aufschrift mit sich. Hinweise werden vom Kriminaldauerdienst unter der Telefonnummer 1 09 55 55 entgegengenommen.

von Dirk Meyland