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Süd Gastwirtschaft Wichmann: Nur die Fassade steht noch
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Gastwirtschaft Fritz Wichmann in Hannover: Nur die Fassade steht noch. Investor Paul Morzynski belebt den Standort neu

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00:16 16.06.2019
Einst ein Stallgebäude, dann eines der wichtigsten Lokale Hannovers, jetzt nur noch Fassade: Die ehemalige Gaststätte Wichmann an der Hildesheimer Straße soll neu aufgebaut werden. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Von dem hutzeligen Bauernhaus, das 134 Jahre lang an der Hildesheimer Straße stand, zeugen nur noch die abgestützte Fassade und eine Seitenwand. Der Rest ist Schutt, weitgehend abgeräumt. Dabei war die ehemalige Traditionsgastwirtschaft Fritz Wichmann das Lokal, in dem 1976 Hannovers erster Michelin-Stern erkocht wurde.

Bald soll das Gebäude wieder aufgebaut sein: In den Proportionen wie damals, von innen aber moderner. Das alte Gemäuer in seiner Gesamtheit zu retten sei nicht mehr zumutbar gewesen, sagen Fachleute. Sogar der Denkmalschutz hat den Schutzstatus aufgehoben. Jetzt beginnt ein neues Kapitel.

Gastwirtschaft Fritz Wichmann in Döhren war Stall eines Aussiedlerhofs von 1885

Wer jemals in der Gastwirtschaft Fritz Wichmann war, der erinnert sich an die kleinen Stuben und Kabinen, das enge Treppenhaus, den schmalen Gang zur Küche. Das Haus war eigentlich ein 1885 errichteter Stall, einer der wenigen verbliebenen Fachwerkbauten eines Aussiedlerhofs. Immer wieder hatten Gastwirte es in den Jahrzehnten erweitert, hier und da etwas angebaut, wie es eben gerade passte.

Vielen Döhrenern ist vor allem die alte Holzkegelbahn in Erinnerung, in der manche ruhige Kugel geschoben und manches gute Gespräch geführt wurde. Die Wände im Gastraum waren gepflastert mit den Fotos von Stars und Sternchen, die hier nach Auftritten in Hannover gespeist haben. Wladimir Putin speiste hier, natürlich mit (Alt-)Kanzler Gerhard Schröder, Chris de Burgh und eine Prinzessin aus Thailand ließen sich bewirten. Der letzte Betreiber, Gerd Weick, konnte viele Geschichten erzählen. Seit 2015 aber ist Schluss.

Durch den Zaun fotografiert: Nur die Fassade und eine Seitenwand der ehemaligen Gaststätte Wichmann sind erhalten geblieben. Die Aufnahme erfolgte mit einem Fisheye-Objektiv. Quelle: Moritz Frankenberg

Bauantrag lag ein Jahr lang im Amt – auch wegen Nachbarschaftsproblemen

Der hannoversche Investor Paul Morzynski hat die Immobilie vor vier Jahren gekauft – und wollte eigentlich spätestens in diesem Jahr die Wiedereröffnung feiern. 6 Millionen Euro steckt er in den Wiederaufbau. Erst machte ihm der Bezirksrat Döhren-Wülfel einen Strich durch den Zeitplan, der aus Sorge vor einem Abriss eine Erhaltungssatzung erließ. Dann lag der Bauantrag ein Jahr lang im Bauamt, auch weil es Probleme mit Nachbarschaftszustimmungen sah. Am Ende habe sich „vor allem Sonderplaner Hans-Heiner Schlesier sehr hilfreich um Lösungen bemüht“, sagt Martina Siedler, die Geschäftsführerin von Morzynskis Firma Waldersee-Wohnungsbau.

1885 als Teil eines Aussiedlerhofs errichtet, hat das Gemäuer lange überlebt. Wir zeigen Bilder vom Gebäude.

Morzynski hat Erfahrungen mit Investitionen in der Gastronomie. 2013 hatte sein Unternehmen das insolvente Grandhotel Heiligendamm gekauft und 32 Millionen Euro investiert. Bekannt wurde es als Austragungsort des G-8-Gipfels 2007. Anschließend erwarb er 2017 in Bad Doberan ein weiteres historisches Gemäuer: das Hotel Prinzenpalais. Zudem gehört ihm das Hotel Kurhaus in Kühlungsborn. An allen drei Standorten wird mit hohem Anspruch gekocht und serviert – und das will Morzynski auch bei Wichmann wieder erreichen. Gegenüber der HAZ sagte er kürzlich: „Ich war selbst Jahrzehnte bei Wichmann zu Gast und kenne viele Menschen, die mit diesem Ort liebe Erinnerungen verbinden“, sagt er.

Wladimir Putin speiste hier, Chris de Burgh und eine Prinzessin aus Thailand: Wir zeigen Bilder aus dem Inneren der Gastwirtschaft Fritz Wichmann.

Der Neubau bekommt im Obergeschoss 15 Gästezimmer

15 Gästezimmer sind im Obergeschoss geplant, dort wo früher die Wohnung von Betreiber Weick war. Am Standort der alten Holzkegelbahn entsteht ein Veranstaltungsraum, in dem künftig Tagungen, Hochzeiten oder runde Geburtstage zelebriert werden können. Auf dem Bauschild zeigt eine Computervisualisierung, wie der Neubau mit der historischen Fassade aussehen soll. „Ich glaube, es wird alles sehr schön werden“, sagt Geschäftsführerin Siedler.

Aus der erhofften Eröffnung zum Jahresende 2019 aber wird wegen der Verzögerungen absehbar nichts, auch wenn Ende Mai der Vertrag für den Rohneubau geschlossen wurde. „Wir planen jetzt die Eröffnung zum Ende 2020“, sagt Siedler, „und wenn es früher wird, dann freuen wir uns.“

Sie war etwas ganz Besonderes: Die alte Holzkegelbahn in der Gastwirtschaft Fritz Wichmann in Döhren. Inzwischen ist der Gebäudetrakt abgerissen. Wir zeigen Fotos von einem Kegelabend 2007.

Mehr zum Thema:

März 2019: Der Umbau der Gaststätte Wichmann hat begonnen

September 2018: Investor Paul Morzynski bereitet Umbau des Traditionslokals vor

Dezember 2016: Debatte um den Abriss der alten Holzkegelbahn

Mai 2015: Der letzte Tag im Traditionslokal Fritz Wichmann

Von Conrad von Meding

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