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Süd Grundsteinlegung für das Forschungszentrum von Boehringer
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Grundsteinlegung für das Forschungszentrum von Boehringer
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21:13 05.10.2010
Von Conrad von Meding
An der Bemeroder Straße entsteht das Forschungszentrum. Quelle: Michael Thomas

Die Fundamente sind längst gelegt, sogar die ersten Mauern ragen bereits hoch auf über der Baustelle, jetzt hat das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim am Rande Kirchrodes ganz offiziell die Grundsteinlegung an seinem Europäischen Forschungszentrum für Tierimpfstoffe nachgeholt. Rund 250 Gäste feierten mit, es gab einigen Pathos, aber auch nachdenkliche Worte. Bis Ende 2011 soll das 40 Millionen Euro teure Medizinzentrum fertiggestellt sein, ab 2012 sollen zunächst etwa 50 Wissenschaftler und Tierpfleger ihre Arbeit aufnehmen. Weil es auch um Tierversuche geht, weil mit dem Entwickeln von Impfstoffen die Massentierhaltung erleichtert wird und weil Anlieger fürchten, dass die Anlage nicht sicher sein wird, protestierten vor dem Tor erneut etwa 30 Gegner gegen die Ansiedlung. Der Protest blieb aber friedlich.

Es sei „ein Projekt, an dem man sich auch die Finger verbrennen kann“, sagte Joachim Hasenmaier, Chef der Boehringer-Tiermedizinsparte, in dem wohl nachdenklichsten Redebeitrag des Tages. Die teilweise heftigen Debatten um das Projekt – eine Ansiedlung in Tübingen war vorher am Bürgerprotest gescheitert – habe „uns Wissenschaftler aus dem Elfenbeinturm geholt“, räumte er selbstkritisch ein. Auch Forscher müssten „für das, was wir tun, Akzeptanz finden“. Deshalb sei es „wichtig, dass wir auch die Leute, die vor dem Tor stehen, davon überzeugen, dass wir Sinnvolles tun“.

Das Familienunternehmen Boehringer will in Hannover neuartige Impfstoffe gegen Tierkrankheiten entwickeln. Forschungschef Randolph Seidler wies darauf hin, dass Tierkrankheiten in der Praxis heute viel zu häufig durch Antibiotikagaben behandelt würden. „Vorbeugen ist besser als heilen“, sagte Seidler: Wenn mithilfe von Impfstoffen der Einsatz von Antibiotika reduziert werden könne, verbessere sich die Qualität der Lebensmittel und werde die Ausbreitung gefährlicher Resistenzen verhindert.

Für Boehringer ist Hannover der vierte Standort in Deutschland. 1510 Tonnen Stahl und 10.500 Kubikmeter Beton werden für 19.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche in dem bis zu fünfgeschossigen Neubau benötigt. 50 Laboratorien und 16 Tierräume entstehen auf dem Gelände an der Bemeroder Straße. Immerhin 70 „prall gefüllte Aktenordner“ habe der Antrag umfasst, berichtete Projektleiter Friedolin Nöker und zollte Hannovers Bauverwaltung und den anderen beteiligten Behörden höchstes Lob: „Flächennutzungs- und Bebauungsplan trotz dieser Komplexität in kürzester Zeit zu Entscheidung und Rechtskraft zu bringen, das setzt Maßstäbe in Deutschland.“

Oberbürgermeister Stephan Weil vernahm das Lob zwar mit Freude, wies aber darauf hin, dass die Verwaltung sich als Anwalt der Bürger verstehe. „Ich hoffe, dass wir im Verlauf des Verfahrens gezeigt haben, dass wir respektvoll auch mit Kritikern umgehen“, sagte Weil. Notwendig sei nun allerdings, dass die, die kritische Fragen stellten, „bereit sind, zuzuhören, wenn Antworten gegeben werden“. Das Ansiedlungsprojekt wird seit Anbeginn von kontroversen Debatten begleitet. Es gab Streit in der Kirchengemeinde, die das Grundstück verkaufte, das Baugebiet wurde zwei Mal besetzt, sogar das Wohnhaus des Oberbürgermeisters wurde mit Parolen beschmiert. Für Hannover sei es trotz der Kontroversen „ein wichtiger Ansiedlungserfolg“, sagte Weil: „Es ist auch ein Referenzprojekt dafür, wie wir uns die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft vorstellen.“ Gerhard Greif, Präsident der Tierärztlichen Hochschule, hatte den Coup 2007 eingefädelt und Boehringer den Standort gegenüber seiner Hochschule schmackhaft gemacht. Gestern strahlte er sichtbar vor Freude: „Ein schöner Tag für die Tiermedizin in Hannover und für unsere Hochschule“, schwärmte Greif.

Besonderen Respekt zollte Weil den Politikern im Kirchröder Bezirksrat, die an den örtlichen Konflikten „noch viel dichter als das Rathaus“ seien. „Am Ende sollte man sich aber nicht von den Demonstrationen täuschen lassen“, sagte der OB: „Es gibt breite Mehrheiten im Stadtbezirk und im Rat.“

Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode hoffte in seinem Grußwort, dass „ein Signal ausgeht vom heutigen Tag“. Es sei „etwas ganz Besonderes“, dass das Millionenprojekt realisiert werde – „und zwar nicht in Sibirien oder in den Weiten Niedersachsens, sondern mitten in Hannover, im Zentrum der Forschungskompetenz“. Bode warnte davor, Risiken überzubewerten. Bei dem Forschungszentrum sei der „Sicherheitsstandard höher als beim Überqueren der Straße oder beim Autofahren“, also den Alltagsrisiken, denen der Mensch ausgesetzt ist. Auch Engelbert Günster, Deutschlandchef von Boehringer, hält die Risiken für beherrschbar und hofft, dass „bald viele innovative Impfstoffe aus Hannover ihren Weg in die Welt nehmen“.

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